Max Liebermann war der Wegbereiter der ersten künstlerischen Avantgarde in Deutschland. Mit seinem frühen und richtungsweisenden Blick nach Frankreich leitete er eine Erneuerung der Malerei ein, die den deutschen Impressionismus nachhaltig prägte. Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland zeigt vom 28. Februar bis 7. Juni 2026 anhand von über 110 Werken aus mehr als 60 internationalen Sammlungen eindrucksvoll die Entwicklung des Impressionismus in Deutschland in seiner ganzen Bandbreite.
Stylevorlage Infobox
Max Liebermann, Mein Haus in Wannsee mit Garten, Privatsammlung
Im Zentrum steht Liebermann in seinen Rollen als Künstler, Sammler und Präsident der Berliner Secession, der entscheidende Impulse für die Internationalisierung des deutschen Kunstbetriebs gab. Zugleich macht die Ausstellung sichtbar, wie eine neue Generation von Malerinnen und Malern – inspiriert von der französischen Moderne – Themen wie pulsierende Stadtansichten, Freizeit- und Naturdarstellungen, Kinderportraits und Theaterszenen künstlerisch weiterentwickelte. Neben Schlüsselwerken von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Fritz von Uhde werden auch Arbeiten weiterer bedeutender und neu zu entdeckender Künstlerinnen und Künstler gezeigt, darunter Philipp Franck, Dora Hitz, Gotthardt Kuehl, Sabine Lepsius, Maria Slavona und Lesser Ury.
Lea Gryze
Philipp Franck, Badende Jungen, 1911, Privatsammlung © Photo: Lea Gryze
Neben lichtdurchfluteten Landschaften widmeten sich die Impressionisten in Deutschland nächtlichen Stadtansichten, erhellt durch moderne elektrische Beleuchtung. Sie thematisierten gesellschaftliche Spannungen sowie die Anonymität des Großstadtlebens. Dabei offenbarte sich eine ambivalente Sicht auf die Metropole zwischen dynamischem Kulturraum und Ort emotionaler Belastung. Fortschrittsbegeisterung traf auf düstere Visionen der Urbanisierung.
Die prägende Bedeutung des Theaters um 1900 als Erlebnisraum von Emotionen spiegelte sich auch in der deutschen Avantgarde-Malerei. Die Künstler setzten sich mit dem Bildtypus des Rollenportraits auseinander und verliehen ihren Bildern mit impressionistischem Pinselduktus eine vibrierende Dramatik.
Maria Slavona, Stillleben vor rotem Hintergrund, 1911, Stiftung Schlösschen im Hofgarten, Wertheim am Main © Photo: H. Hünnerkopf
Ein besonderer Fokus in der Ausstellung liegt auf dem lange vernachlässigten Beitrag von Künstlerinnen zur Entwicklung des deutschen Impressionismus. Gezeigt werden Werke von Charlotte Berend-Corinth, Emilie von Hallavanya, Dora Hitz, Sabine Lepsius und Maria Slavona. Sie behaupteten sich bereits im konservativen Kaiserreich künstlerisch und ermöglichen heute ein erweitertes Verständnis der Bewegung. Ein weiterer neuer Aspekt ist der Blick auf die Anregungen, die deutsche Künstlerinnen und Künstler in Frankreich erhalten haben und wie sie diese Impulse in ihre Malerei umsetzen.
Die Leihgaben stammen aus bedeutenden deutschen und internationalen Sammlungen, darunter die Alte Nationalgalerie Berlin, das Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, das Folkwang Museum Essen, das Städel Museum Frankfurt, die Neue Pinakothek München, das Museo Nacional Thyssen Bornemisza Madrid, das Musée d’Orsay Paris und das Belvedere Wien.
Fotostudio Bartsch
Lesser Ury, Hochbahnhof Bülowstraße, 1922, Privatsammlung Süddeutschland
Die Ausstellung würdigt Max Liebermann nicht nur als zentralen Künstler, sondern auch als Sammler, Ausstellungsmacher und Mentor. Als Präsident der Berliner Secession war er im erzkonservativen Kaiserreich eine mutige Stimme für Internationalität und künstlerische Erneuerung. Liebermann starb zwei Jahre nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten, die der modernen Malerei in Deutschland ein abruptes Ende setzten. Seine Witwe Martha Liebermann beging 1943 wenige Tage vor der geplanten Deportation nach Theresienstadt Suizid; Tochter Käthe und Enkelin Maria waren bereits 1938 in die USA geflohen. Liebermanns Sammlung französischer Impressionisten ist heute international verstreut, während seine Villa am Wannsee als bedeutendes kulturelles Vermächtnis und politisches Mahnmal erhalten bleibt.
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Staatsgalerie Stuttgart
Max Slevogt, Das Champagnerlied, 1902, Staatsgalerie Stuttgart, erworben 1904 vom Künstler © Photo: bpk, Berlin
