Die Ausstellung Persistence of Vision vereint die Arbeiten von Peter Hujar und Liz Deschenes und bringt diese in einen generationsübergreifenden Dialog über Fotografie. Die erste große Ausstellung der Werke von Hujar und Deschenes in Berlin formuliert ein erweitertes Verständnis des Mediums und hebt die kompromisslose Klarheit der Vision hervor, die das Werk beider Künstler*innen verbindet.
Peter Hujar, Beauregard and his Dog Pilar (I), 1983 © The Peter Hujar Archive / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Peter Hujar (1934–1987), der in der Zeit zwischen den Stonewall-Protesten von 1969 und der AIDS-Krise in den 1980er Jahren in New York City arbeitete, hielt diese entscheidende kulturelle Phase in eindringlichen Schwarz-Weiß-Fotografien fest. Seine Arbeit war tief verwurzelt im künstlerischen Leben des East Village. Er porträtierte die queeren und Avantgarde-Communitys in Lower Manhattan, darunter Persönlichkeiten wie William S. Burroughs, Candy Darling, Susan Sontag, Paul Thek und David Wojnarowicz. Neben diesen ikonischen Porträts umfasst Hujars Werk prägnante Bilder von Tieren, Natur und urbanen Ruinen und beschäftigt sich mit Themen wie Gemeinschaft, Sexualität, Verfall und Tod.
Die Ausstellung Persistence of Vision zeigt rund 120 seiner Fotografien, von denen viele erstmals in Berlin zu sehen sind. Sie bietet einen detaillierten Einblick in alle Phasen seines Schaffens, von den frühen fotografischen Experimenten der 1950er Jahre bis hin zu seinen späten Studioarbeiten, die vor seinem Tod an den Folgen einer AIDS-bedingten Erkrankung im Jahr 1987 entstanden sind.
Peter Hujar, Self-Portrait (I) Jumping, 1974 © The Peter Hujar Archive / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
In der Ausstellung werden Hujars Fotografien mit aktuellen Werken der in New York City lebenden Künstlerin Liz Deschenes verwoben. Diese Gegenüberstellungen laden dazu ein, die Arbeit beider Künstler*innen aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Obwohl sie verschiedenen Generationen angehören und unterschiedliche Bildsprachen nutzen, verbindet Hujar und Deschenes ein tiefes Interesse an den materiellen Möglichkeiten und Techniken der Fotografie.
Liz Deschenes (*1966) schafft Skulpturen und ungegenständliche fotografische Arbeiten, die grundlegende Eigenschaften des Mediums – Licht, Chemie und Zeit – nutzen, um das Wesen dessen zu erforschen, was eine Fotografie sein kann. In frühen Werkgruppen wie Elevations oder Green Screen beschäftigt sich Deschenes mit Farbe als zentralem Thema und kreiert monochrome Werke, die die Unterscheidung zwischen fotografischem Bild und physischem Objekt infrage stellen. Als Teil ihrer jüngeren Arbeiten setzt sie Schwarz-Weiß-Fotopapier nachts im Außenraum natürlichem und künstlichem Licht aus und entwickelt das Entstandene mithilfe chemischer Prozesse. So entstehen silbrig schimmernde Fotogramme mit subtilen Farbnuancen und feinen Oberflächenstrukturen. Viele ihrer Werke haben eine skulpturale und prozesshafte Qualität: Sie reflektieren den umgebenden Ausstellungsraum ebenso wie den Blick der Betrachtenden und verändern sich durch fortschreitende Oxidation im Laufe der Zeit.
Liz Deschenes, FPS (60), 2018, Exhibition view, “Une seconde d’éternité”, Bourse de Commerce - Pinault Collection, 2022© Courtesy of Liz Deschenes / Tadao Ando Architect & Associates, Niney et Marca Architectes, Agence Pierre-Antoine Gatier. Photo: Aurélien Mole
In ausgewählten Räumen werden Werke der beiden Künstler*innen in direkter Gegenüberstellung präsentiert, sodass ein Dialog zwischen ihren Ansätzen entsteht. Die bei Mondlicht entstandenen Fotogramme von Liz Deschenes treten in einen poetischen Austausch mit Hujars filmisch anmutenden Bildern des nächtlichen New York. Diese Paarung unterstreicht ihr gemeinsames Interesse an der Nacht – nicht nur als Thema, sondern als eigenständiges Medium. An anderer Stelle treffen Hujars Fotografien von Ruinen auf Deschenes’ Skulpturenserie Retaining, die von Gerüsten inspiriert ist, mit denen historische Bauwerke während der Restaurierung stabilisiert werden. Gemeinsam verweisen diese Arbeiten auch auf die Geschichte des Gropius Bau, der selbst bis 1978 als Ruine leer stand, nachdem das Dach und die oberen Stockwerke im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört worden waren.
Liz Deschenes, Retaining, 2025 (detail) © Courtesy of Liz Deschenes and Emanuela Campoli, Paris / Milan, Photo: Rebecca Fanuele
Kuratiert von Eva Respini, Co-CEO und Curator at Large, Vancouver Art Gallery, mit Monique Machicao y Priemer Ferrufino, kuratorisches Volontariat Ausstellungen, Gropius Bau
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