Bei der 79. Verleihung der Tony Awards in der New Yorker Radio City Music Hall ist Theatergeschichte geschrieben worden: Kostümbildnerin und Aktivistin Qween Jean wurde für ihre queere Ballroom-Neuinterpretation in „Cats: The Jellicle Ball“ ausgezeichnet – und ist damit die erste offen trans Person, die jemals einen Tony Award gewonnen hat.
Qween Jean erhielt den Preis in der Kategorie „Bestes Kostümdesign eines Musicals“. „Cats: The Jellicle Ball“ ist keine klassische Neuauflage des Musical-Hits von Andrew Lloyd Webber, sondern verlegt die Geschichte in die New Yorker Ballroom-Szene – eine Kultur, die maßgeblich von Schwarzen und lateinamerikanischen queeren und trans Menschen geprägt wurde.
Die Produktion war insgesamt neunmal für einen Tony nominiert. Qween Jean selbst konnte sich an diesem Abend sogar über zwei Nominierungen freuen: Neben „Cats“ war sie auch für das Kostümdesign des Theaterstücks „Liberation“ nominiert.
„Wir nehmen uns den Raum, den wir brauchen“
In ihrer Dankesrede machte Jean schnell deutlich, dass dieser Moment weit über eine persönliche Ehrung hinausgeht. Die Mitbegründerin von Black Trans Liberation sprach von einer „monumentalen“ Erfahrung und widmete den Preis dem Erbe queerer und trans Menschen.
Mit dem Klick stimmst du diesen Datenschutzbestimmungen von YouTube zu.
„Wir nehmen uns den Raum, den wir brauchen“, sagte Jean auf der Bühne. Sichtbar bewegt verband sie ihren Dank mit einer klaren politischen Botschaft: Gerade in einer Zeit, in der queere Menschen weltweit angegriffen würden, brauche es Solidarität, Sichtbarkeit und echten gesellschaftlichen Wandel.
Pride als Protest
Jean nutzte die große Bühne der Tony Awards auch, um an die politische Dimension von Pride zu erinnern. „Pride ist ein Protest“, machte sie deutlich – und sprach sich gegen staatliche Gewalt, Inhaftierungen und die Diskriminierung marginalisierter Gruppen aus.
Ihr Auftritt war damit nicht nur ein Triumph für Broadway-Kunst, sondern auch ein starkes Zeichen für die LGBTIQ*-Community: Sichtbarkeit bleibt politisch, gerade dann, wenn sie auf einer der größten Bühnen der Theaterwelt stattfindet.
Mit dem Klick stimmst du diesen Datenschutzbestimmungen von YouTube zu.
Ein Meilenstein für trans Sichtbarkeit
In der Geschichte der Tony Awards wurden bereits mehrere nicht-binäre Künstler*innen ausgezeichnet, darunter Alex Newell, J. Harrison Ghee, Cole Escola und Toby Marlow. Qween Jeans Sieg markiert jedoch einen neuen historischen Meilenstein: Erstmals ging ein Tony an eine offen trans Person.
Dass Jean ihr Kleid für die Verleihung selbst entworfen hatte, passt fast zu perfekt zu diesem Abend: eine Künstlerin, die nicht nur Figuren auf der Bühne sichtbar macht, sondern auch sich selbst – stolz, politisch und unübersehbar.