Konkurrenz gab es keine, abgestimmt wurde trotzdem: Am Samstag votierten die Mitgliedsorganisationen der European Pride Organisers Association (EPOA) bei ihrer Jahreshauptversammlung in Magdeburg für die Bewerbung des CSD Dresden e.V. In Deutschland war der EuroPride zuletzt 2004 zu Gast, damals in Hamburg.
Das Motto „Turn Walls into Bridges“ zielt auf zwei Jahrestage: 2029 liegen die Stonewall-Proteste 60 Jahre zurück, die Friedliche Revolution 40.
„Das ist für uns mehr als der Zuschlag für ein großes Event. Es ist ein Auftrag.“
So sieht es Ronald Zenker, Vorstandssprecher des Vereins und Gesamtleiter der Bewerbung. EPOA-Präsident Patrick Orth sieht die Chance, „gemeinsam politischen Druck aufzubauen“ – Adressatin: die Bundesregierung.
Pride war immer zuerst der Protest.
Ein Straßenfest vor Gericht
Im März wies die Landesdirektion Sachsen die Stadt an, das CSD-Straßenfest nicht mehr als Versammlung zu behandeln: Es habe „überwiegend den Charakter eines öffentlichen Festes mit kulturellen Elementen“. Innenminister Armin Schuster (CDU) nannte den CSD „eine gemischte Veranstaltung“. Das Verwaltungsgericht Dresden gab der Behörde recht, erst das Sächsische Oberverwaltungsgericht stellte das Fest Anfang Juni vorläufig unter den Schutz der Versammlungsfreiheit. Andernfalls hätte der ehrenamtliche Verein die Absicherung selbst bezahlen müssen.
Zu den Botschafter*innen der Bewerbung gehören Sachsens stellvertretende Ministerpräsidentin Petra Köpping, Oberbürgermeister Dirk Hilbert, der im Streit von einem „Bürokratiemonster“ gesprochen hatte, DJ Felix Jaehn und die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch. Deren Lesart fällt knapper aus als die der Landesdirektion: „Pride war nie zuerst die Party. Pride war immer zuerst der Protest.“
Von Zittau bis zum Altmarkt
Beginnen soll die EuroPride nicht in Dresden: Im „Pride Month“ zieht das Team im Mai 2029 an den Wochenenden zu CSDs und Initiativen in ganz Sachsen, unter anderem nach Pirna, Görlitz-Zgorzelec, Leipzig, Chemnitz und Zittau. Ziel ist laut Verein, die queere Zivilgesellschaft in Sachsen und Ostdeutschland nachhaltig zu stärken.
Vorher sind 2027 Turin und 2028 der Westen Irlands dran. Der EuroPride March in Dresden ist übrigens schon terminiert. Dass ein Umzug eine Versammlung ist, hat selbst die Landesdirektion nicht bestritten. *ck
INFO1
4. bis 25. Mai 2029: Pride Month, freitags bis sonntags in ganz Sachsen
14. Mai bis 3. Juni 2029: EuroPride City in Dresden
Samstag, 26. Mai 2029: Eröffnung, Neumarkt und Rathaus
26. Mai bis 2. Juni 2029, täglich 11 bis 20 Uhr: Pride Village, Neumarkt
30. Mai bis 1. Juni 2029: Human Rights Conference, Deutsches Hygiene-Museum
Samstag, 2. Juni 2029, 11 bis 16 Uhr: EuroPride March, Altmarkt
1Die Termine stammen aus dem Bewerbungskonzept des CSD Dresden e.V., das Programm im Einzelnen steht noch aus.