Matt Brown, Bürgermeister von London im kanadischen Ontario, erntet viel Anerkennung für eine Ansprache, die er am Freitag vorm Rathaus seiner Stadt hielt. Darin entschuldigte sich Brown „von ganzem Herzen“ dafür, dass seine Vorgängerin Diane Haskett im Jahr 1995 eine Gay-Pride-Demo in London verboten hatte. Brown will damit ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung von LGBTIQ* durch öffentliche Ämter setzen.
Foto: .facebook.com/MattBrownLondon/
Matt Brown London Ontario
1995 wurde in der kanadischen Stadt London eine Gay-Pride-Parade verboten, jetzt schwenkt Bürgermeister Matt Brown (Foto Mitte) höchstselbst die Regenbogenfahne vorm Rathaus und entschuldigt sich für die Fehlentscheidung seiner Vorgänger.
„Es tut weh. Es tut weh zu wissen, dass jemals einem Londoner das Gefühl gegeben wurde, dass er wegen seiner Art zu lieben oder seiner geschlechtlichen Identität unwert, unwillkommen, ungeliebt ist.“ Mit diesen Worten drückte Matt Brown in seiner Entschuldigungsrede sein Mitgefühl aus. Er bezog sich dabei auf das Verbot einer Gay-Pride-Demo im Jahr 1995, das seine Amtsvorgängerin Diane Haskett abgesegnet hatte. Haskett war daraufhin von der Homophile Association of London Ontario (HALO), die die Pride-Demo hatte anmelden wollen, wegen Diskriminierung verklagt worden, wurde für schuldig befunden und zu einer Strafzahlung von 5.000 Dollar verurteilt. Eine offizielle Entschuldigung gab es dennoch nie. Bis jetzt. Denn die Zeiten haben sich geändert. Auch das machte Matt Brown in seiner Rede deutlich: „Ich bin hier, um Ihnen zu sagen, dass im Jahr 2018 Jeder in dieser Community wertvoll und willkommen ist. (...) Heute stehe ich vor Euch und sage von ganzem Herzen: Es tut mir leid.“
Von den örtlichen LGBTIQ*-Verbänden wurde die Geste des Bürgermeisters mit großer Dankbarkeit aufgenommen. HALO-Veteran Richard Hudler, der damals die Klage gegen Haskett angestoßen hatte, äußerte nach der Ansprache gegenüber Blackburn News: „Wenn man sich ansieht, was in der Welt heutzutage los ist, und all die Rückschritte bei den Menschenrechten betrachtet, ist eine Rede wie diese ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung. Ich denke, das ist sehr hilfreich und erfreulich.“ Browns Entschuldigung war von der Abgeordneten Megan Walker initiiert worden, die sich die Rede von Justin Trudeau vom November zum Vorbild genommen hatte (blu berichtete).
London Ontario Pride 2
Die Anteilnahme war groß. Trotz Regenwetter versammelten sich am Freitag mehrere Dutzend Menschen vorm Rathaus, um die Entschuldigung des Bürgermeisters mit eigenen Ohren zu hören.
London Ontario Pride 1
Die heutigen Pride-Fest-Organisatoren nahmen die Entschuldigung an und dankten dem Bürgermeister für seine mitfühlenden Worte. Links neben Brown (erste Reihe) steht Richard Hudler, der nach dem Gay-Pride-Verbot von 1995 eine Klage wegen Diskriminierung angestoßen und gewonnen hatte.
Sorry London Ontario
Dieses Video vom Moment des „Sorry“ und dem darauf folgenden Applaus postete der Pride Men's Chorus im Namen der Community.