Die ägyptische Polizei hat die brasilianische Influencerin Malévola Alves und ihre Freundin in Alexandria festgenommen. Vorgeworfen werden ihnen anzügliche Videos. Auf der Wache wurden die beiden trans Frauen aber nach ihrer Geschlechtsidentität gefragt.
Festgenommen wurden die 22-Jährige, bürgerlich Mariana Alves Gadelha Pereira, und ihre Freundin Bruna am Dienstag. Das ägyptische Innenministerium wirft ihnen vor, in Videos aus mehreren Provinzen anzügliche Gesten gemacht und Passant*innen belästigt zu haben. Die Ermittlungen führt inzwischen die Staatsanwaltschaft, berichtet CNN Brasil.
Am Mittwoch kamen beide gegen Kaution frei, bestätigte ihr Anwalt Jonatha Carvalho Matos. Das Verfahren läuft weiter. Welche Tatbestände konkret im Raum stehen, wusste die Verteidigung zunächst selbst nicht. Zur Höhe der Kaution gibt es widersprüchliche Angaben. Am Donnerstagabend brasilianischer Zeit sollen beide in Brasilien landen.
Die Frage auf der Wache
Noch vor der offiziellen Bestätigung meldete sich Alves auf Instagram. Die Pässe seien einbehalten worden, und Polizist*innen hätten gefragt, ob sie und Bruna trans seien. Ein ägyptisches Portal titelte danach, die Influencerin sei „ein Mann“ gewesen.
Ganz aus der Luft gegriffen ist der Vorwurf nicht. Die Clips zeigen laut brasilianischen Medien, wie die beiden Männer im Auto und auf der Straße küssen und anfassen. Ob das einvernehmlich war, ist offen. Wäre es das nicht, wäre es auch hierzulande strafbar, nach § 184i StGB. Die Frage nach der Geschlechtsidentität klärt allerdings keinen dieser Vorwürfe.
Die Frage nach dem Geschlecht klärt keinen Vorwurf.
Zum zweiten Mal Alexandria
Anfang Juli verweigerten die Behörden dort einem Kreuzfahrtschiff mit LGBTIQ*-Reisenden das Anlegen. Das Auswärtige Amt führt diesen Vorfall in seinen Reisehinweisen. Dort stehen auch Berichte von trans Reisenden, denen die Einreise verweigert wurde. Wie so etwas abläuft, hat die Berliner Veranstalterin Chantal 2022 in männer* geschildert.
Was im Ernstfall zählt
Das Amt rät, bei einer Festnahme ausdrücklich zu verlangen, dass die Deutsche Botschaft in Kairo sofort informiert wird. Ägyptische Behörden hätten das teils gar nicht oder nur verspätet getan. Außerdem berichtet das Amt von Festgenommenen, die arabische Dokumente ohne Rechtsbeistand unterschreiben sollten. Reisepässe mit dem Geschlechtseintrag X akzeptiert Ägypten bei der Einreise nicht.
Alves hatte einen Anwalt, Kontakt zur Botschaft ihres Landes und Hunderttausende Follower*innen, die zusahen. Wer das nicht hat, braucht die Botschaft umso früher. *ck