Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit hat die Opposition in Ungarn Ministerpräsident Viktor Orbán aus dem Amt gedrängt. Der Wahlsieg von Péter Magyar markiert nicht nur einen innenpolitischen Umbruch – sondern sendet ein Signal weit über Europas Grenzen hinaus.
Nach 16 Jahren an der Macht ist Viktor Orbán abgewählt worden. Bei der Parlamentswahl am 12. April erlitt der rechtsnationalistische Regierungschef eine deutliche Niederlage. Sein Herausforderer Péter Magyar und dessen Tisza-Partei konnten sich mit 53,6 Prozent der Stimmen durchsetzen – und erreichten damit sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament.
„Wir haben Ungarn befreit“, rief Magyar vor tausenden jubelnden Anhänger*innen in Budapest. Die Bilder erinnern an einen politischen Befreiungsmoment – begleitet von Autokorsos, Fahnen und Feuerwerk in der Hauptstadt.
Klare Mehrheit, klare Richtung
Mit 138 von 199 Sitzen verfügt die neue Regierung über eine komfortable Mehrheit – und damit über die Möglichkeit, zentrale politische Weichen neu zu stellen. Die Wahlbeteiligung lag bei außergewöhnlich hohen 79,5 Prozent.
Das Ergebnis ist damit mehr als ein Regierungswechsel. Es ist ein eindeutiges Mandat für einen politischen Kurswechsel. Auch Orbán selbst räumte die Niederlage ein: Das Ergebnis sei „schmerzhaft, aber eindeutig“.
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Der nationalistische Ministerpräsident Ungarns, Viktor Orbán, räumte seine Niederlage ein und gratulierte seinem Rivalen Peter Magyar.
Europa reagiert erleichtert
International wurde der Wahlausgang als Signal gewertet. „Heute Abend schlägt das Herz Europas in Ungarn stärker", schrieb von der Leyen. "Die Union wird stärker.“ Der Vorsitzende der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber, sprach von einem „klaren Sieg für die Demokratie in Ungarn und für Europa“.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gratulierte Magyar und erklärte, er habe mit dem bisherigen Oppositionsführer bereits telefoniert. „Wir werden kraftvoll für ein starkes, sicheres und vor allem geeintes Europa zusammenarbeiten“, betonte der Kanzler. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron begrüßte im Onlinedienst X „die Verbundenheit des ungarischen Volkes mit den Werten der Europäischen Union“.
Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk kommentierte das Wahlergebnis mit den Worten: „Russen, geht nach Hause.“
Politische Beobachter sehen in der Abwahl Orbáns eine Zäsur: Sein Regierungsstil galt über Jahre als Beispiel für eine „illiberale Demokratie“ innerhalb der Europäischen Union. Entsprechend deutlich fiel die internationale Einordnung aus: Die Wahl sei eine „Niederlage für den Autoritarismus“, deren Auswirkungen weit über Ungarn hinausreichen könnten.
Bruch mit dem bisherigen Kurs
Orbán hatte Ungarn zuletzt zunehmend auf Distanz zur EU geführt und gleichzeitig enge Beziehungen zu Russland gepflegt. Auch in zentralen Fragen – von Rechtsstaatlichkeit bis zur Ukrainepolitik – lag Budapest regelmäßig im Konflikt mit Brüssel.
Magyar hingegen kündigte einen klar pro-europäischen Kurs an. Ungarn solle wieder ein verlässlicher Partner innerhalb von EU und NATO werden. Damit könnte sich auch das Kräfteverhältnis innerhalb der Europäischen Union verschieben.
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Peter Magyar, Vorsitzender der pro-europäischen konservativen Partei TISZA, schwenkt die Nationalflagge während der Feierlichkeiten auf der Wahlparty in Budapest nach der Parlamentswahl in Ungarn am 12. April.
Bemerkenswert ist auch die politische Biografie des Wahlsiegers: Péter Magyar war einst selbst Teil des Orbán-Lagers. Erst vor rund zwei Jahren positionierte er sich als Oppositionsfigur – und stieg in kürzester Zeit zur zentralen politischen Alternative auf.
Seine Glaubwürdigkeit speist sich gerade aus dieser Vergangenheit: Als Insider, der das System von innen kennt, konnte er viele Wählerinnen und Wähler überzeugen.
Signalwirkung über Ungarn hinaus
Die Wahl in Ungarn ist mehr als ein nationales Ereignis. Sie wird auch als Rückschlag für rechtsnationale Bewegungen weltweit verstanden – und als Zeichen dafür, dass selbst langjährige Machtstrukturen durchbrochen werden können.
Für Europa bedeutet der Wahlausgang vor allem eines: Bewegung. Und die Aussicht auf ein Ungarn, das politisch wieder näher an die europäische Gemeinschaft rückt. *AFP/sah