Gerade erst haben wir uns über den mutigen und historischen Schritt von Kardinal Reinhard Marx gefreut, der die offizielle Segnung von LGBTIQ*-Paaren im Erzbistum München und Freising erlaubt hat. Doch die Euphorie in Deutschland bekommt jetzt einen eisigen Dämpfer direkt aus dem Vatikan. Papst Leo XIV. hat der Diskussion um die Segnungen homosexueller Paare in der deutschen Kirche kräftig auf die Bremse getreten.
Vatikan ist mit „Liberalisierung“ nicht einverstanden
Foto: Andreas Solaro / AFP
Wer gehofft hatte, der neue Pontifex würde den sanften Reformkurs weiterführen, wurde nun enttäuscht. Papst Leo stellte unmissverständlich klar, dass der Vatikan mit einer derartigen weitergehenden „Liberalisierung nicht einverstanden“ sei. Auf dem Rückflug von seiner ausgedehnten Afrika-Reise – einem Kontinent, auf dem die Kirche gleichgeschlechtliche Partnerschaften in weiten Teilen strikt ablehnt – fand er deutliche Worte.
Der Vatikan sei mit formellen Segnungen für LGBTIQ*-Paare nicht einverstanden, wenn diese über das hinausgehen, was sein Vorgänger Franziskus erlaubt habe. Und was ist mit Franziskus' berühmtem Zitat? Papst Leo degradierte die „berühmt-berüchtigte Formulierung ‚tutti, tutti, tutti‘“ kurzerhand zu einer reinen Einladung an alle, Jesus zu folgen, nicht aber zu einer Erlaubnis für offizielle Segensrituale.
Beliebt wegen Trump-Kritik, aber konservativ bei unseren Rechten
Es ist ein interessanter Spagat, den der amtierende Papst da macht. Als erster US-amerikanischer Pontifex, der im Mai letzten Jahres gewählt wurde, konnte er in Deutschland durch seine offene Kritik an Ex-US-Präsident Donald Trump durchaus Sympathiepunkte sammeln. Doch wenn es um die Rechte unserer Community geht, macht er keine Gefangenen und bleibt bei einer stramm konservativen Haltung. Leo versucht offensichtlich, die weltweiten Risse in der Kirche zu kitten, die durch Franziskus' Vorstöße gerade in Afrika und Osteuropa entstanden sind.
Wie reagiert die deutsche Kirche?
Was dieses Machtwort aus Rom nun konkret für die bereits erlaubten Segnungen in Bistümern wie München, Limburg, Trier oder Rottenburg-Stuttgart bedeutet, ist noch unklar. Doch die deutsche Kirche steckt den Kopf nicht in den Sand. Nach dem klaren „Nein“ von Papst Leo XIV. suchen die Bistümer aktuell nach eigenen Lösungen. Wie ein Sprecher der Erzdiözese Bamberg mitteilte, werden die Bischöfe nun über das weitere Vorgehen intensiv beraten. Es bleibt also spannend, ob die progressiven deutschen Kräfte dem Druck aus Rom standhalten – der Mut der Gläubigen an der Basis ist jedenfalls längst geweckt. *ck