Es ist ein Bild mit Symbolkraft, das derzeit durch die sozialen Netzwerke geht: Der Fahnenmast am Stonewall National Monument in New York, an dem bis vor kurzem stolz die Regenbogenflagge wehte, ist leer – oder trägt nur noch das Sternenbanner. Die Trump-Administration hat Ernst gemacht und ein sichtbares Zeichen der LGBTIQ*-Community aus dem öffentlichen Raum verbannt.
In New York City sorgt der Vorgang für Wut und Fassungslosigkeit. Etwa hundert Demonstrierende, viele selbst in Regenbogenfahnen gehüllt, versammelten sich bereits am Dienstagabend im Christopher Park, direkt gegenüber dem historischen Stonewall Inn. Auf ihren Schildern und in Sprechchören verurteilten sie die Anordnung aus Washington als „Schlag ins Gesicht“ für sexuelle und geschlechtliche Minderheiten.
Der bürokratische Vorwand: „Nur offizielle Flaggen“
Die Entfernung der Flagge erfolgte nicht zufällig, sondern auf bürokratische Anweisung. Grundlage ist ein Beschluss des National Park Service (NPS) vom 21. Januar, der auf Weisung des von Trump geführten Innenministeriums erging. Die neue Regelung besagt strikt: Auf Masten, die vom NPS verwaltet werden, dürfen künftig nur noch die US-Flagge, die Flagge des Innenministeriums oder die POW/MIA-Flagge (zum Gedenken an Kriegsgefangene und Vermisste) wehen.
Die Begründung aus Washington klingt technisch, ist aber politisch brisant: Die Fahnenmasten seien „kein Forum für freie Meinungsäußerung“, sondern dienten ausschließlich dazu, „offizielle Haltungen der Bundesregierung“ auszudrücken. Für die Community ist die Botschaft klar: Wir gehören nicht mehr zum offiziellen Amerika.
Ein jahrelanger Kampf um Hoheit
Um die Tragweite dieser Entscheidung zu verstehen, lohnt ein Blick zurück. Das Stonewall-Areal ist ein rechtlicher Flickenteppich. Bereits in Trumps erster Amtszeit 2017 weigerte sich das Innenministerium, an der Zeremonie zum Hissen der Regenbogenflagge teilzunehmen, und behauptete, der damalige Fahnenmast stünde gar nicht auf Bundesgrund, sondern auf städtischem Boden. Damals sprang die Stadt New York ein und hisste ihre eigene Pride-Flag.
Erst unter der Biden-Regierung wurde 2022 eigens ein neuer Fahnenmast auf unstrittigem Bundesgebiet errichtet, um die Regenbogenflagge offiziell und dauerhaft am Nationaldenkmal wehen zu lassen. Genau diese Flagge hat die Trump-Regierung nun wieder einholen lassen.
New Yorks Politik läuft Sturm
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Der Widerstand der New Yorker Demokraten ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeister Zohran Mamdani zeigte sich auf der Plattform X (ehemals Twitter) kämpferisch: „Ich bin empört über die Entfernung der Regenbogen-Pride-Flagge“, schrieb er. New York sei der Geburtsort der modernen LGBTIQ*-Rechtebewegung. „Kein Akt der Auslöschung wird diese Geschichte jemals ändern oder zum Schweigen bringen können“
Auch Brad Hoylman-Sigal, der offen schwule Präsident des Stadtbezirks Manhattan, fand deutliche Worte. In einem Video vor dem leeren Mast erklärte er: „Unsere Community wird nicht untätig zusehen, wie die Trump-Regierung versucht, unsere Geschichte auszulöschen“. Er kündigte an, die Flagge nicht einfach aufzugeben. Gemeinsam mit anderen Amtsträgern plant er, das Symbol des Stolzes am Donnerstag um 16 Uhr demonstrativ wieder anzubringen – ein direkter Affront gegen die Anweisung aus Washington.
Systematische Unsichtbarmachung
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Die Aktion reiht sich ein in eine breitere Strategie der Trump-Administration gegen queere Sichtbarkeit. Bereits im vergangenen Jahr wurden Erwähnungen von trans und queeren Personen sowie das Akronym LGBTIQ* systematisch von der offiziellen Webseite des „Stonewall National Monument“ getilgt oder auf „LGB“ verkürzt. Gouverneurin Kathy Hochul kritisierte dieses Vorgehen scharf: „Ich werde nicht zulassen, dass diese Regierung die Rechte zurückdreht, für die wir so hart gekämpft haben“.
Das Stonewall-Monument erinnert an die historischen Unruhen von 1969. In der Nacht zum 28. Juni wehrten sich die Gäste des Stonewall Inn – darunter viele PoC, Drag Queens, trans Personen und Street Kids – erstmals massiv gegen eine Polizeirazzia und die willkürliche Gewalt der Beamten. Diese Aufstände gelten als der Funke, der die moderne, weltweite LGBTIQ*-Bewegung entfachte.
Foto: Spencer Platt I Getty Images I AFP
US-POLITICS-STONEWALL-LGBTQ
Stsacy Lentz ist eine der Miteigentümerin des legendären Stonewall Inn
Stacy Lentz, Miteigentümerin des Stonewall Inn, brachte die Stimmung vor Ort auf den Punkt:
„Diese Flagge herunterzunehmen ist der Versuch, einen Teil des amerikanischen Kampfes und der amerikanischen Geschichte auszulöschen.“.
Doch wie die Geschichte von Stonewall zeigt: Wenn man versucht, diese Community unsichtbar zu machen, wird sie nur umso lauter.