Der Fall Jean-Michel di Falco erschüttert die katholische Kirche in Frankreich erneut. Trotz strafrechtlicher Verjährung wurde der prominente Geistliche nun zivilrechtlich wegen Vergewaltigung zur Zahlung von 200.000 Euro verurteilt. Der Kläger spricht von einem späten, aber wichtigen Schritt nach Jahrzehnten des Schweigens, di Falco weist alle Vorwürfe zurück.
In einem bemerkenswerten Urteil hat das Pariser Berufungsgericht den ehemaligen Weihbischof Jean-Michel di Falco zur Zahlung einer hohen Entschädigung verpflichtet. Während frühere Instanzen noch auf Verjährung plädierten, werteten die Richter die Folgen der Taten aus den 1970er-Jahren nun als dauerhaften körperlichen Schaden, der eine Wiedergutmachung unumgänglich mache.
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Jean-Michel di Falco (2008)
Systematischer Missbrauch an der Schule
Der Kläger, der heute 65-jährige Pierre-Jean Pagès, wirft di Falco vor, ihn zwischen 1972 und 1975 mehrfach vergewaltigt zu haben. Zu dieser Zeit leitete der Geistliche eine katholische Schule in Paris. Da die Vorwürfe strafrechtlich verjährt sind, blieb Pagès nur der Weg über ein Zivilverfahren, um den heute 84-jährigen Bischof im Ruhestand zur Rechenschaft zu ziehen.
Di Falco bestreitet die Vorwürfe weiterhin entschieden. Über seinen Anwalt ließ er mitteilen, er sei „schockiert“, dass seine damalige Unterstützung für einen Waisenjungen als etwas anderes interpretiert werde. Zudem gebe es keine Beweise für die mehr als 50 Jahre zurückliegenden Taten. Eine weitere Beschwerde vor dem höchsten Gericht ist angekündigt.
Weitere Vorwürfe und belastende Dokumente
Jean-Michel di Falco galt lange als einer der bekanntesten Bischöfe Frankreichs. Er gründete die Pop-Band „Les Prêtres“, war eng mit politischen und kulturellen Persönlichkeiten vernetzt, trat regelmäßig in Medien auf und zelebrierte unter anderem Trauerfeiern für prominente Figuren wie den Schauspieler Alain Delon und den ehemaligen französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Fall durch Recherchen von Mediapart. Das Investigativmagazin veröffentlichte vor einigen Monaten die handschriftliche Korrespondenz des früheren Bischofs mit einem anderen Jugendlichen, die auf eine mehrjährige Beziehung di Falcos zu einem weiteren Jugendlichen hindeuten. Dieser war zu Beginn 15 Jahre alt und berichtete später, die Beziehung sei beendet worden, als er „nicht mehr frisch genug“ gewesen sei – ein Erlebnis, das ihn in eine tiefe Krise gestürzt habe.
Di Falco selbst wies auch in diesem Fall jegliches Fehlverhalten zurück. *AFP/sah
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Der ehemalige Bischof Jean-Michel di Falco am 24. August 2024 bei der Trauerfeier des Schauspielers Alain Delon.