Am Berliner Ensemble steht seit Anfang der Woche eine Bank, die man aus dem Tiergarten kennt: gleiche Optik, gleiche Farben. Das Theater hat sie als Zeichen der Solidarität mit der queeren Community aufgestellt, und es bleibt nicht allein. Man wolle sich gegen die wiederholte Zerstörung des Gedenkorts stellen, so Intendant Oliver Reese (62), und ausdrücklich auch:
„ein Zeichen setzen gegen die wiederholte Zerstörung dieses Gedenkorts und Queerfeindlichkeit“
Vom Theaterhof in die ganze Stadt
Foto: Moritz Haase
Mitmachen wollen unter anderem das Deutsche Theater, der Friedrichstadt-Palast, das HAU Hebbel am Ufer, die Komödie am Kurfürstendamm, das Maxim Gorki Theater, die Staatsoper Unter den Linden und die Sophiensäle. Sie stellen in den kommenden Tagen eigene Regenbogenbänke auf oder streichen vorhandene Bänke um. Reese ruft zudem Institutionen, Firmen und Privatleute auf, auf ihrem Gelände nachzuziehen, und zwar in ganz Berlin. Wer einen Innenhof, einen Vorgarten oder einfach nur einen Pinsel hat, ist also gemeint.
Wer eine Bank zerschlägt, bekommt jetzt mehrere.
Vier Angriffe in fünf Wochen
Am 25. Juli war ein 21-Jähriger am Rande des CSD im Tiergarten mit einem Kleintransporter in eine Menschenmenge gefahren und hatte danach Menschen mit einer Machete angegriffen. Eine 65-jährige Polin starb, 31 Menschen wurden teils schwer verletzt; einen Tag später erschoss die Polizei den Attentäter. Am 6. August ließ das Bezirksamt Mitte am Tatort einen französischen Ahorn pflanzen und die Regenbogenbank aufstellen.
Lange hielt die Ruhe nicht. Am 1. September wurde die Bank fast völlig zerstört, Anfang September rissen Unbekannte auch den Baum samt Schutzgitter aus dem Boden. Am 14. September stand eine neue Bank, am 24. und 28. September wurden erneut Latten beschädigt, am 2. Oktober war sie mit schwarzer Farbe besprüht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen einen 18-Jährigen; die Grünen hielten vom 9. bis 11. Oktober eine Mahnwache an der Bank.
Im Tiergarten wird der Gedenkort mittlerweile bewacht. An der Friedrichstraße, am Schiffbauerdamm und Unter den Linden kommen die Bänke ohne aus – dort sitzen abends ohnehin ein paar hundert Leute, die genau hinsehen. Wer im Tiergarten die Latten zerschlägt, sorgt also gerade dafür, dass Berlin mehr davon bekommt. Das hatte er sich vermutlich anders vorgestellt.