Der umstrittene Bremer Pastor Olaf Latzel (56) sorgt wieder für Schlagzeilen. Nachdem er jahrelang auf Religionsfreiheit und Bibeltexte beharrte, knickte er im neuen Volksverhetzungsprozess am ersten Tag ein: Nach Angaben eines Gerichtssprechers entschuldigte sich Latzl „aufrichtig” für seine Äußerungen. Er sprach von „verbalen Entgleisungen” und distanzierte sich.
Foto: Mathias Rätz
Pastor L. beim ersten Prozess im Amtsgericht Bremen – die Bibel demonstrativ dabei
Es war ein langer, zäher Kampf durch die Instanzen, der nun ein überraschendes Ende fand. Der neue Volksverhetzungsprozess gegen den Pastor, der 2019 mit seinen abfälligen Äußerungen über Homosexualität für Empörung sorgte, wurde nach nur einem Tag eingestellt. Der Grund? Latzel willigte ein, 5000 Euro an einen Verein für queeres Leben zu zahlen – und, kaum zu glauben, entschuldigte sich öffentlich für seine „verbalen Entgleisungen“.
Der Pastor einer „bibeltreuen“ Gemeinde in Bremen hatte 2019 während eines sogenannten Eheseminars Homosexualität als „Degenerationsformen der Gesellschaft“ und Homosexuelle als „Verbrecher“ bezeichnet. Ein Tonmitschnitt davon wurde im Internet veröffentlicht, die Staatsanwaltschaft Bremen klagte ihn deshalb an. Die Folge: ein Volksverhetzungsprozess nach dem anderen. 2021 verurteilte ihn das Bremer Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 8100 Euro (m* Bericht). Doch das Landgericht hob das Urteil 2022 auf (m* Bericht), nur um vom Oberlandesgericht Bremen 2023 zurückgepfiffen zu werden (m* Bericht). Die Einstellung ist endgültig, sofern der Mann die Auflage binnen sechs Monaten bezahlt. Eine Rolle spielte demnach außerdem der mehrjährige Zeitraum seit der Tat und die lange bisherige Verfahrensdauer. Auch der weitere Zeitablauf sei ungewiss, so das Gericht.
Wie die evangelische Kirche in Bremen, die den umstrittenen Geistlichen seit Jahren im Visier hat, mit dem Ausgang des Verfahrens umgeht, ist noch ungewiss. Eine vorübergehende Suspendierung hob die Kirche bereits nach kurzer Zeit wegen berufsrechtlicher Fragen auf, obwohl sie deutlich gemacht hatte, dass sein Verhalten mit den Statuten der evangelischen Kirche nicht vereinbar sei (m* Bericht). *ck/AFP/lob/se