Das nach eigener Auskunft „führende LGBTIQ-Magazin im deutschsprachigen Raum" stellt Ende Juni nach 125 Ausgaben ein. Abonnent*innen, die längst bezahlt haben, bekommen statt der ausstehenden Hefte einen Schwimmsack und ein PDF-Archiv. Auch online ist dann Schluss. **
Grafik: mannschaft.com | ki skaliert
Es kommt selten vor, dass ein Magazin den eigenen Nachruf gleich mitliefert. MANNSCHAFT tut es: In einem Newsletter, der diese Woche an die Abonnent*innen ging, kündigt das Schweizer Heft sein Ende an. Nach 16 Jahren und 125 Ausgaben sei „Ende Juni" Schluss – verkündet exklusiv an die Abonent*innen, bevor man die Nachricht öffentlich machen wolle.
Die Begründung ist von jener Sorte, die man gerne wählt, wenn man die Wahl noch hat: Man wolle „nicht warten, bis äussere Umstände" entscheiden, und beende die Reise zu einem „selbst gewählten" Zeitpunkt. Die „Energie für einen weiteren grossen Neuaufbruch" sei „nicht mehr im gleichen Mass da".
Das ist eine elegante Formulierung dafür, dass ein Medium, das sich nach eigenem Bekunden „immer wieder neu erfinden" musste, am Ende offenbar kein weiteres Mal mehr wollte.
Gegründet 2010 als Monatsmagazin für schwule und bi Männer, hatte sich MANNSCHAFT zuletzt zum Quartalsheft entwickelt und sich als wichtigste Stimme der queeren Community in der DACH-Region positioniert. Genau das macht den Abgang zur Nachricht: Mit jedem Titel, der verschwindet, wird die deutschsprachige LGBTIQ*-Medienlandschaft eine Stimme ärmer – egal, wie selbstbestimmt der Abschied inszeniert ist.
Schwimmsack statt Heft
Konkret wird es für die Leser*innen beim Abo. Die 125. und letzte Printausgabe soll „in zwei Wochen" erscheinen und bis spätestens 20. Juni zugestellt werden. Wer ein laufendes Abo hat, dürfte damit erst ein oder zwei von vier bezahlten Ausgaben erhalten haben. Als Ausgleich für die nicht mehr erscheinenden Hefte bietet MANNSCHAFT ein „Abschiedspaket" an: einen „exklusiven Schwimmsack" sowie das komplette Archiv aller 125 Ausgaben als PDF – „im Wert von CHF 125".
Die Rechnung ist hübsch rund. Ein Franken pro Ausgabe, gewürdigt mit einem Beutel für die nasse Badehose.
Dass man die fehlenden Hefte erst aktiv über ein Formular einfordern muss, rundet das Bild ab. Immerhin: Die automatische Abbuchung sei „per sofort gestoppt", versichert das Magazin – auch wenn im Benutzerkonto noch etwas anderes stehen mag.
Auch das Digitale wird abgeschaltet
Wer nun hofft, dass wenigstens die Website weiterläuft, wird enttäuscht. Neue Inhalte erscheinen laut Newsletter nur noch „bis Ende Juni" auf mannschaft.com; bis zum Ablauf des jeweiligen Abos bleibe der Zugriff auf die bestehenden Inhalte erhalten. Danach endet auch das digitale Kapitel. Ein Medium, das den eigenen Fortbestand jahrelang mit der Fähigkeit zur Neuerfindung begründet hat, beendet sein Online-Angebot also genauso leise wie das gedruckte – kein Archiv-Versprechen für die Allgemeinheit, kein Weiterbetrieb, nur ein Aus mit Ankündigung.
„Es tut uns leid, dass wir MANNSCHAFT einstellen, bevor wir alle Leistungen deines Abos vollständig erbringen konnten", heisst es zum Abschluss. Das immerhin klingt aufrichtig. Der Rest ist die Geschichte eines Mediums, das sich noch einmal die Hoheit über die eigene Erzählung gesichert hat – und für alles andere einen Schwimmsack packt.
**Anmerkung der Redaktion: Die Ankündigung lag männer* vorab vor und war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht offiziell kommuniziert.