Ein Novum mit Strahlkraft
Erstmals stellt sich ein amtierender Regierungschef hinter alle Pride-Veranstaltungen eines Bundeslandes. Ein Meilenstein für die Sichtbarkeit queeren Lebens – und ein Signal weit über Schleswig-Holstein hinaus.
Günther findet dazu klare Worte:
„Die Übernahme der Schirmherrschaft ist für mich eine klare Verpflichtung. Schleswig-Holstein steht für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft. Die CSDs erinnern uns daran, dass Gleichberechtigung kein Selbstläufer ist, sondern immer wieder verteidigt und gestärkt werden muss."
Die Anliegen der queeren Community sollen durch den Schritt stärker in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs rücken.
Jubel bei den CSD-Organisator*innen
Die ehrenamtlichen Initiativen im Land begrüßen die Entscheidung ausdrücklich. Andreas Witolla, Vorstandsmitglied bei vielfalt.SH, spricht von einer enormen Stärkung:
„Die Schirmherrschaft durch den Ministerpräsidenten ist ein wichtiges Signal der Anerkennung und Rückendeckung für unseren Einsatz im Kampf für Anerkennung und Gleichberechtigung. Gerade in Zeiten, in denen queerfeindliche Tendenzen wieder zunehmen, ist politische Unterstützung von großer Bedeutung."
Mehr als ein symbolischer Akt
Es bleibt nicht bei der Geste. Im Rahmen des Aktionsplans „Echte Vielfalt 2.0" will die Landesregierung Antidiskriminierungsarbeit und queere Sichtbarkeit weiter ausbauen. Geplant sind unter anderem:
- der Ausbau von Bildungsinitiativen
- die Erweiterung von Beratungsangeboten
- Programme zur Stärkung von Vielfalt in Verwaltung, Bildung und Arbeitswelt
Ein Politiker mit Haltung
Foto: Tobias Schwarz | AFP
Daniel Günther
Günther regiert seit 2017 in Kiel – zunächst in einer Jamaika-Koalition mit Grünen und FDP, seit 2022 in einer schwarz-grünen Koalition – und eckt mit seiner progressiven Linie regelmäßig an. Zuletzt lief eine massive Kampagne von rechts außen gegen ihn, nachdem er rechte Fake-News-Portale öffentlich kritisiert hatte. Auch bei fundamentalistisch-religiösen Rechtspopulist*innen wie Beatrix Storch ist er unbeliebt: Schon im Wahlkampf 2017 war er einer der wenigen CDU-Spitzenpolitiker, die sich offen für die Ehe für alle aussprachen – auch gegen die damalige Parteilinie –, und seither setzt er sich konsequent für LGBTIQ*-Rechte ein.
Die eigentliche Pointe: Günther, heterosexueller CDU-Familienvater aus dem hohen Norden, agiert in Sachen queerer Sichtbarkeit deutlich entschlossener als manch offen schwuler Parteikollege. Jens Spahn, prominentestes schwules Gesicht der Union, hat wiederholt klargemacht, dass er mit dem Label „queer" wenig anfangen kann, sich nicht als Teil einer queeren Bewegung versteht und auch von Pride-Symbolik wenig hält. Heißt im Klartext:
Ausgerechnet der Hetero aus Eckernförde ist queerer als der schwule Spahn – und zeigt, was verbündete Politik bedeutet, während sein Parteifreund lieber auf Distanz bleibt.
Die CSD-Saison in Schleswig-Holstein: Sei dabei!
Laut, bunt, kämpferisch – so wird auch dieses Jahr wieder gefeiert und demonstriert. Die wichtigsten Termine für deinen Kalender:
- Auftakt: 17. Mai in Flensburg, am Internationalen Tag gegen Queerfeindlichkeit
- Finale: 19. September in Wacken
Zieht euch bunt an, schnappt euch eure Freund*innen und lasst uns gemeinsam für eine vielfältige Gesellschaft einstehen – in diesem Jahr mit politischem Rückenwind von ganz oben. Na ja, zumindest ganz oben im hohen Norden der Republik.