Dennis und Tobias haben sich ihren Kinderwunsch über eine Leihmutterschaft in den USA erfüllt und sind heute Väter von zwei Kindern. Weil sie damals selbst niemanden kannten, den sie auf diesem Weg hätten fragen können, entstanden später die Herzensabende. Dort teilen sie ihre Erfahrungen und geben Orientierung. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten und bleibt deshalb bis heute ein Thema voller Halbwissen, Vorurteile und offener Fragen. Darüber hinaus engagieren sie sich in der FEEL Community für Aufklärung und einen differenzierten gesellschaftlichen Dialog.
Ihr seid eher zufällig auf die Leihmutterschaft gestoßen. Warum habt ihr nicht adoptiert oder ein Pflegekind aufgenommen?
Das hat auch mit unserer eigenen Kindheit und Jugend zu tun – mein Mann und ich haben jeweils schwierige Erfahrungen im Umfeld von Adoption und Pflege gemacht. Ausgeschlossen haben wir diesen Weg deshalb nie, und ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihn gehen. Als wir uns damals mit unserem Kinderwunsch beschäftigt haben, hatten wir allerdings das Gefühl, als Männerpaar zunächst erklären zu müssen, warum wir überhaupt Eltern werden möchten. Es hat sich seitdem sicher einiges verändert, trotzdem erleben viele Paare den Weg bis heute als herausfordernd.
Damals haben wir aus verschiedenen Gesprächen den Eindruck gewonnen, dass bei gleicher Eignung häufig noch das klassische Familienmodell bevorzugt wurde. Das hat unsere Überlegungen natürlich beeinflusst.
Während wir nach Möglichkeiten gesucht haben, sind wir eher zufällig im Internet auf das Thema Leihmutterschaft gestoßen. Wir haben angefangen zu recherchieren und uns anschließend auf einer Konferenz von Men Having Babies in Brüssel intensiver mit dem Thema beschäftigt. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob er diesem Weg das notwendige Vertrauen entgegenbringen kann. Für uns war deshalb wichtig, möglichst viele Informationen zu sammeln und Menschen kennenzulernen, die diesen Weg bereits gegangen waren.
Und dein Mann?
Für mich war der Wunsch nach einem leiblichen Kind sehr groß – ich bin selbst in einer Großfamilie mit vier Brüdern aufgewachsen. Mein Mann hatte sich von seinem Kinderwunsch dagegen eigentlich schon verabschiedet. Für ihn war es lange schon ein großes Glück, überhaupt offen mit einem Mann zusammenleben und später heiraten zu können. Dass er einmal Vater werden könnte, war für ihn nur schwer vorstellbar. Der Wunsch war zwar immer irgendwo da, nach seinem Outing hatte er ihn aber irgendwann verdrängt.
Wie alt bist du, wenn ich fragen darf?
Ich werde jetzt 38. Mein Mann ist acht Jahre älter als ich und hat die 90er ganz anders erlebt. Er ist sehr ländlich aufgewachsen, in einer Zeit, in der vieles, was für meine Generation selbstverständlich geworden ist, erst noch erkämpft werden musste. Als ich das Thema Familie angesprochen habe, war für ihn aber schnell klar: Wenn wir diesen Weg gehen, dann gut informiert und mit guten Entscheidungen. Im Laufe unserer Recherche wurde für uns immer deutlicher, dass die USA für uns der richtige Weg sein könnten. Bestärkt hat uns dabei auch, dass mein Mann als Kind und Jugendlicher oft mit seinen Eltern dort war, Freunde und Bekannte in den USA hatte und deshalb von Anfang an großes Vertrauen in das Land hatte.
privat
Herzensabend 18.10.2025 Hinweis (1050 x 875 px) - 1
Herzensabende
Info- und Austauschabende u. a. in Köln, Frankfurt, München, Berlin, Hamburg und Düsseldorf; zusätzlich persönliche Einzelgespräche telefonisch oder per Video.
Web: dadskidsmiracles.de | Instagram: @dads.kids.miracles
Nächster Abend in Köln: 17.10.2026 18 – 21 Uhr
Ihr habt euch also für die USA entschieden. Was genau habt ihr dort auf eurem Weg erlebt?
Es war deutlich länger und emotionaler, als wir anfangs gedacht hatten. Es gab immer wieder unvorhersehbare Rückschläge – sowohl bei der Eizellspende als auch später auf dem Weg mit den Leihmüttern. Manche Momente haben uns durchaus zweifeln lassen. Gleichzeitig haben sie uns aber auch gezeigt, dass dieser Weg trotz aller medizinischen Möglichkeiten nicht bis ins Detail planbar ist und am Ende vor allem eines bleibt: sehr menschlich.
Mit der Unterstützung zweier wunderbarer Leihmütter durften wir schließlich unsere Tochter und später auch unseren Sohn bekommen. Gerade die gemeinsame Zeit während der Schwangerschaften hat uns noch einmal gezeigt, wie viel Vertrauen dazugehört und welche körperliche und emotionale Leistung eine Schwangerschaft eigentlich ist. Wir hatten während der Schwangerschaften regelmäßigen Kontakt mit unseren Leihmüttern und waren bei beiden Geburten dabei.
Unsere Tochter kam allerdings schon in der 28. Schwangerschaftswoche zur Welt. In diesem Moment war plötzlich alles andere unwichtig. Natürlich ging es in erster Linie darum, dass es unserer Tochter gut geht – aber genauso auch unserer Leihmutter. Erst in so einer Situation wird einem bewusst, welche körperliche und medizinische Leistung hinter einer Schwangerschaft steckt. Gleichzeitig haben wir erlebt, welche medizinischen und finanziellen Dimensionen eine solche Frühgeburt in den USA haben kann. Die intensive Versorgung unserer Tochter verursachte Kosten in einem hohen sechsstelligen Dollarbereich. Dank der Unterstützung unserer Partner vor Ort und der entsprechenden Versicherungen konnten wir aber auch diese Herausforderung gemeinsam bewältigen.
Gerade diese Erfahrungen haben uns gezeigt, wie wichtig es ist, Menschen an seiner Seite zu haben, denen man vertrauen kann.
Über welchen Zeitraum reden wir da?
Es zieht sich. Vom ersten Gedanken bis zu dem Moment, in dem du dein Kind im Arm hältst, vergehen meistens eineinhalb bis zwei Jahre – manchmal geht es schneller, manchmal dauert es deutlich länger. Am Anfang steht erst einmal die Frage, ob das überhaupt ein Weg ist, den man für sich vorstellen kann. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob er diesem Weg das notwendige Vertrauen entgegenbringen kann. Dann recherchierst du unglaublich viel, sprichst mit Menschen und versuchst überhaupt erst einmal zu verstehen, wie so ein Prozess aussieht.
Erst danach triffst du Schritt für Schritt weitere Entscheidungen: für eine Kinderwunschklinik, einen Anwalt oder eine Agentur, später für eine Eizellspenderin und schließlich für eine Leihmutter. Viele stellen sich das viel technischer vor, als es tatsächlich ist. Natürlich beginnt vieles mit Profilen und Informationen. Aber irgendwann sind das keine Profile mehr, sondern Menschen. Deshalb haben wir nicht nur auf Daten geschaut, sondern auch auf den Menschen dahinter.
Irgendwann sind das keine Profile mehr, sondern Menschen.
Und dann gibt es immer wieder Rückschläge oder Geduldsproben. Manchmal musst du Entscheidungen neu treffen oder fängst noch einmal von vorne an. Irgendwann hast du vielleicht einfach erst mal keinen Bock mehr oder es fehlt dir die Kraft und Energie, dich wieder aufzuraffen und auf einen neuen Menschen einzulassen. Dann vergehen schnell wieder ein paar Wochen, bis du den nächsten Schritt gehen kannst. Genau deshalb lässt sich dieser Weg zwar gut vorbereiten, aber nie bis ins Detail planen.
Kann man das mit dem Versuch vergleichen, auf natürlichem Weg Kinder zu bekommen?
Ja, in vielerlei Hinsicht schon. Hoffnung, Freude und Enttäuschung liegen auf diesem Weg oft ganz nah beieinander. Man hofft, dass es klappt, und wenn nicht, muss man mit diesem Rückschlag erst einmal umgehen. Das ist bei einer Leihmutterschaft nicht anders. Trotz aller medizinischen Unterstützung entscheidet am Ende immer noch die Natur.
Bei uns hat der erste Embryotransfer bei beiden Leihmüttern glücklicherweise jeweils zu einer Schwangerschaft geführt. Das ist aber längst nicht selbstverständlich. Andere brauchen zwei oder drei Anläufe. Gerade bei heterosexuellen Paaren liegt häufig schon ein langer Kinderwunsch mit vielen Behandlungen hinter ihnen. Deshalb können die Voraussetzungen ganz unterschiedlich sein.
Und wenn die Schwangerschaft schließlich beginnt, dauert sie genauso lange wie jede andere auch. Diese Zeit lässt sich nicht beschleunigen. Man begleitet sie mit all ihren Hoffnungen, Sorgen und Momenten des Glücks – bis irgendwann die Geburt bevorsteht.
Das muss man sich auch leisten können.
Ja, das ist leider tatsächlich so. Wenn man sich für einen Weg entscheidet, der medizinisch gut begleitet, rechtlich klar geregelt, transparent und ethisch verantwortungsvoll ausgestaltet ist, entstehen zwangsläufig hohe Kosten.
Illustration: KI-erstellt
Zum Hintergrund: Das BGH-Grundsatzurteil von 2014
Mit Beschluss vom 10. Dezember 2014 (Az. XII ZB 463/13) entschied der Bundesgerichtshof, dass eine ausländische Gerichtsentscheidung, die Wunscheltern nach einer Leihmutterschaft die rechtliche Elternschaft zuspricht, in Deutschland grundsätzlich anzuerkennen ist – jedenfalls dann, wenn ein Elternteil mit dem Kind genetisch verwandt ist. Im konkreten Fall ging es um ein gleichgeschlechtliches Männerpaar, dessen Kind in Kalifornien von einer Leihmutter geboren wurde. Maßgeblich ist eine gerichtliche Feststellung der Elternschaft; eine bloße behördliche Registrierung genügt nicht.
Natürlich gibt es Länder, in denen der finanzielle Aufwand zunächst geringer ist. Das bedeutet aber häufig auch Kompromisse – etwa bei der Transparenz, den rechtlichen Rahmenbedingungen oder den Möglichkeiten einer offenen Beziehung zur Eizellspenderin und zur Leihmutter. Für uns war wichtig, Entscheidungen zu treffen, hinter denen wir auch in vielen Jahren noch stehen können und über die wir mit unseren Kindern jederzeit offen und ehrlich sprechen können, ohne dabei ein ungutes Gefühl zu haben.
Schade ist, dass am Ende oft die finanziellen Möglichkeiten darüber entscheiden, welchen Weg Menschen überhaupt gehen können.
Schade ist, dass am Ende oft die finanziellen Möglichkeiten darüber entscheiden, welchen Weg Menschen überhaupt gehen können.
Ist die rechtliche Anerkennung in Deutschland heute nicht längst eindeutig geregelt?
So einfach ist es nicht ganz. Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2014 ist die Anerkennung einer im Ausland gerichtlich festgestellten Elternschaft in Deutschland grundsätzlich möglich. Entscheidend ist aber, wie die Elternschaft im jeweiligen Land rechtlich festgestellt wird. Nicht überall gibt es ein entsprechendes Gerichtsurteil – manchmal beruhen die Unterlagen auf anderen Verfahren.
Deshalb sollte man sich unbedingt frühzeitig rechtlich beraten lassen. Sonst kann es im schlimmsten Fall passieren, dass sich die Ausreise oder die Ausstellung von Reisedokumenten verzögert. Was zunächst einfach klingt, ist in der Praxis oft deutlich komplexer.
Bei dem Thema Schutz und Transparenz stellt sich auch die Frage nach dem Kontakt. Da gibt es ja durchaus beide Modelle – mit und ohne Kontakt zur Leihmutter und Spenderin?
Ja, natürlich. Das hängt zum einen von den Regelungen im jeweiligen Land ab, zum anderen aber auch davon, wie man sich das spätere Leben mit seinem Kind vorstellt. Wir haben uns ganz bewusst für einen offenen Weg entschieden, weil wir wollten, dass unsere Kinder später selbst entscheiden können, ob und wie sie diesen Kontakt nutzen möchten.
Kinder fangen schon sehr früh an, Familien miteinander zu vergleichen. In unserem Familienmodell kommen Fragen irgendwann ganz selbstverständlich. Deshalb haben wir unsere Entscheidungen nicht nur aus der Perspektive unseres Kinderwunsches getroffen, sondern auch mit Blick auf die Fragen, die unsere Kinder später einmal haben könnten.
Bei heterosexuellen Paaren, die nach außen zunächst das klassische Familienbild leben, ist der Weg zur Familie oft gar nicht sichtbar. Umso wichtiger finden wir es, das Gespräch mit dem Kind frühzeitig und offen zu suchen, damit es seine Geschichte versteht. Unseren Kindern ihre Geschichte ehrlich erzählen zu können und ihnen die Möglichkeit zu geben, ihre Herkunft zu verstehen, gibt ihnen aus unserer Sicht Sicherheit.
Nicht jede Frage wird sich irgendwann beantworten lassen. Aber wir wollten unseren Kindern möglichst viele Antworten geben können.
Illustration: KI-erstellt
Zum Hintergrund: Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin
Die von der Bundesregierung eingesetzte Kommission legte im April 2024 ihren Abschlussbericht vor. Sie hält eine Legalisierung der Eizellspende unter engen Voraussetzungen für möglich. Bei der Leihmutterschaft ist sie zurückhaltender: Sie empfiehlt, die altruistische Leihmutterschaft verboten zu lassen oder nur unter sehr engen Voraussetzungen zuzulassen – etwa bei einem nahen verwandtschaftlichen oder freundschaftlichen Verhältnis zwischen Wunscheltern und Leihmutter.
Wie steht ihr nach all diesen Erfahrungen generell zur Leihmutterschaft – welches Modell würdet ihr euch für Deutschland wünschen? Es ist ja fraglich, ob das hier überhaupt funktionieren würde.
Ich glaube schon, dass das grundsätzlich funktionieren kann. Viele der Fragen, über die heute diskutiert wird, könnte man aus meiner Sicht gesetzlich gut regeln. Entscheidend wäre für mich, dass am Ende alle Beteiligten geschützt werden: das Kind, die Leihmutter und natürlich auch die Wunscheltern.
Aktuell wäre mir aber ehrlich gesagt etwas anderes noch viel wichtiger: unabhängige Beratungsstellen. Solange Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist, fehlt vielen Menschen überhaupt eine neutrale Anlaufstelle. Es geht gar nicht darum, jemanden von diesem Weg zu überzeugen. Es geht darum, dass Menschen gut informiert Entscheidungen treffen können.
Ich glaube nämlich, dass viele Probleme gar nicht entstehen, weil Menschen böse Absichten haben, sondern weil sie sich irgendwo Informationen zusammensuchen müssen und niemanden haben, der den Weg selbst kennt. Genau deshalb passieren manchmal Fehler oder Entscheidungen, die sich später nur schwer korrigieren lassen. Dabei sollte ein solcher Weg aus meiner Sicht immer transparent, respektvoll und auf Augenhöhe gestaltet werden.
Du engagierst dich inzwischen auch politisch und unterstützt andere. Wie kam es dazu – und wie heißt euer Verein?
Eigentlich aus einem ganz einfachen Grund: Als wir damals vor der Entscheidung standen, kannten wir niemanden in unserem Umfeld, der diesen Weg zur eigenen Familie bereits gegangen war und den wir einfach mal hätten ansprechen können. Genau daraus ist unser Engagement entstanden.
Wir engagieren uns in der FEEL Community. FEEL steht für Familien aus Eizellspende, Embryonenspende und Leihmutterschaft. Der Verein setzt sich für Aufklärung, Austausch und bessere gesellschaftliche sowie rechtliche Rahmenbedingungen ein. Als die Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung über Eizellspende und Leihmutterschaft beraten hat, war es uns wichtig, die Erfahrungen betroffener Familien in diese Diskussion einzubringen.
Daneben bringen wir Menschen zusammen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Manche stehen noch ganz am Anfang, andere sind bereits Eltern. Dieser Austausch ist unglaublich wertvoll, weil viele Fragen sich erst beantworten lassen, wenn man mit Menschen spricht, die den Weg selbst erlebt haben. Heute möchten wir genau diese Anlaufstelle für andere sein.
Foto: © Marvin Maur Fotografie / www.marvinmaurfotografie.de
Worum geht es bei den „Herzensabenden“?
Eigentlich geht es darum, Menschen Orientierung zu geben. Natürlich sprechen wir über Informationen und Erfahrungen, aber genauso wichtig ist der Austausch mit anderen, die an einem ähnlichen Punkt stehen oder den Weg bereits gegangen sind. Am Anfang prasseln unglaublich viele Informationen und Fragen auf einen ein. Da hilft es enorm, mit Menschen sprechen zu können, die all das selbst erlebt haben.
Es geht aber nicht nur um die praktischen Fragen zum Ablauf einer Leihmutterschaft. Uns ist vor allem dieser Perspektivwechsel wichtig: weg vom eigenen Kinderwunsch und hin zu der Frage, wie das Kind später aufwächst und welche Entscheidungen ihm einmal helfen werden.
„Papa, aber du kannst ja nicht schwanger sein.“
Genau darüber sprechen wir anhand unserer eigenen Erfahrungen. Unsere Tochter fragte schon nach wenigen Monaten im Kindergarten: „Papa, warum habe ich keine Mama?“ Ein anderes Mal sagte sie zu mir: „Papa, aber du kannst ja nicht schwanger sein.“ Solche Fragen zeigen, wie aufmerksam Kinder ihre Umwelt wahrnehmen. Deshalb finden wir es wichtig, sich mit diesen Themen schon vor der Familiengründung auseinanderzusetzen.
Und genau das macht für uns die Herzensabende aus: Menschen zusammenzubringen, Erfahrungen zu teilen und gemeinsam Orientierung zu geben – nicht nur für den Weg zum Kind, sondern auch für das Leben als Familie danach.
Warum der Name „Herzensabend“ und wo finden sie heute statt?
Am Anfang haben wir die Abende vor allem für schwule Männer mit Kinderwunsch angeboten. Mit der Zeit kamen aber immer mehr heterosexuelle Paare dazu. Uns war schnell klar, dass es um viel mehr geht als um reine Informationen. Es ist ein Herzensprojekt für uns, und der Kinderwunsch ist für viele Menschen eine echte Herzensangelegenheit. So ist der Name „Herzensabende“ entstanden.
Heute finden die Abende regelmäßig in verschiedenen Städten statt – unter anderem in Köln, Frankfurt, München, Berlin, Hamburg und Düsseldorf. Oft dort, wo wir bereits andere Familien kennen, die ihren Weg zur Familie über eine Leihmutterschaft gegangen sind, oder Menschen begleiten, die sich gerade mit diesem Gedanken beschäftigen. Uns ist wichtig, dass dort nicht nur wir erzählen, sondern möglichst auch andere Familien ihre Erfahrungen teilen. Dadurch entstehen oft ganz besondere Abende, weil sich unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven an einem Tisch begegnen und viele Kontakte auch über den Abend hinaus bestehen bleiben.
Bietet ihr auch Einzelgespräche an?
Ja, natürlich. Manche Menschen schreiben uns über Instagram oder unsere Website, andere melden sich nach einem Bericht oder einer Empfehlung aus ihrem Bekanntenkreis. Nicht jeder möchte sofort zu einem Herzensabend kommen. Kinderwunsch und die Beweggründe, eventuell den Weg der Leihmutterschaft zu gehen, sind sehr persönlich, und manche möchten sich erst einmal in Ruhe informieren oder ihre ganz individuellen Fragen stellen.
Deshalb nehmen wir uns auch Zeit für persönliche Gespräche – telefonisch oder per Video. Oft ist das der erste Schritt. Manche kommen später zu einem Herzensabend, andere nicht. Beides ist völlig in Ordnung. Uns ist wichtig, dass jeder den Weg findet, der sich für ihn richtig anfühlt.
Am Ende wünschen wir uns vor allem eines: dass Menschen ihren Kinderwunsch gut informiert, verantwortungsvoll und mit einem guten Gefühl angehen können. Wenn wir mit unseren Erfahrungen ein Stück Orientierung geben können, dann geht uns das Herz auf.
*Interview: Christian Knuth
