Foto: B. Wolf
Mit dem für den 3. Mai angekündigten Album „First World Problems“ formuliert Björn Bergmann eine ästhetische Gegenrede zur deutschen Kultur des Bedenkentragens. Seine Antwort: ein lakonisches, beinahe trotziges „Na und“.
Der Berliner Künstler gibt sich nicht mit bloßer Nostalgie zufrieden – er transformiert sie. Sein „Urban Swing“ ist weniger Rückgriff als Reibung: zwischen der schimmernden Opulenz der 1950er-Jahre und der kalkulierten Eingängigkeit des zeitgenössischen Pop entsteht ein Sound, der sich jeder eindeutigen Verortung entzieht. Ausgebildet an Jazz-Institut Berlin und Universität der Künste Berlin, trägt Bergmann das Erbe des Jazz nicht als Pose, sondern als Haltung – und konfrontiert es mit der Gegenwart. In Stücken wie „Coffee First“, das den Takt der Gegenwart mit einem Augenzwinkern kontert, oder „Try Again“, einer unbeirrbaren Hymne auf das Weitermachen, entfaltet sich eine Poetik der Leichtigkeit, die sich nicht mit Oberflächlichkeit verwechseln lässt.
Dabei vollzieht sich auch eine Verschiebung im Selbstbild: Der Jazzsänger im Anzug, lange Zeit Chiffre für stilisierte Vergangenheit, tritt in einen Dialog mit der Gegenwart seines eigenen Lebens – und findet seine Entsprechung in der queeren Community, in der Identität nicht als Widerspruch, sondern als Möglichkeit erscheint. Bergmanns Kunst liegt genau in diesem Dazwischen: im Aushalten, im Verbinden, im spielerischen Überschreiten. www.bjoernbergmann.com
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