Auch wenn die meisten Menschen in Deutschland Friedrich Liechtenstein erst seit seinem Auftritt in Deutschlands bislang erfolgreichster viraler Supermarkt-Werbekampagne kennen, war diese eigentlich nur ein Sprungbrett ins gleißende Rampenlicht für ihn. Künstler war er schon immer.
Wer sein neues Album „Bad Gastein" hört oder ihn gar auf der Bühne erleben darf merkt, dass der Mann es einfach von oben bis unten drauf hat. Das S-Wort aus dem Video trifft auf ihn natürlich uneingeschränkt zu, kommt aber dank allseits offenstehender Münder nicht mehr zur Artikulation. Der Großmeister der Ironie (SZ), der nach eigenen Angaben härteste Entertainer der Welt, hat ein Musikalbum veröffentlicht. Und was für eins. Bad Gastein beschwört den Geist von Wagner, Falco und Yello, ist bis zum Rand gefüllt mit Zitaten, bis ins letzte Detail ausproduziert (und zwar von den Klangkünstlern Carl Schilde und Anselm Venezian Nehls a.k.a. Heavylistening) und doch oft minimal und vornehm zurückgenommen.
Es ist ein Konzeptalbum im klassischen Sinne; die ersten sieben Titel (darunter die 10 Minuten lange Single Belgique, Belgique und das großartige Kommissar d'Amour) hört man am besten in Folge. Sozusagen als Zugabe gibt es am Ende noch drei hervorragend ausgewählte Cover-Songs, die allesamt dank Friedrich Liechtensteins bassiger Samtstimme eine ganz neue Dimension gewinnen. Anhören, schwelgen und froh sein, dass es auch in Deutschland noch Menschen gibt, die so richtig gute Popmusik machen und mit einem ironischen Augenzwinkern die Grenzen zwischen edel und Trash verwischen.
BAD GASTEIN VON FRIEDRICH LIECHTENSTEIN - ALS DIGITALER DOWNLOAD UND AB 17.10. AUCH AUF CD UND VINYL IM HANDEL
