Foto: Fabian Hanis
Aufgewachsen in einer Schaustellerfamilie, entdeckte André Eisermann früh die Magie des Geschichtenerzählens. Ob auf der Bühne, vor der Kamera oder als Erzähler – seine große Leidenschaft ist es, das Publikum in die Welt seiner Figuren zu entführen. Nach der Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule spielte er an renommierten Häusern wie den Münchner Kammerspielen und dem Theater in der Josefstadt. Seinen Durchbruch im Film feierte er mit der Titelrolle in Kaspar Hauser von Peter Sehr. Ein weiterer Meilenstein war seine Rolle in Schlafes Bruder von Joseph Vilsmaier, die international Anerkennung fand. Eisermann wirkte in zahlreichen Film-, Fernseh- und Theaterproduktionen mit und war 15 Jahre prägendes Ensemblemitglied der Nibelungenfestspiele Worms, die er mitbegründete. In Salzburg spielte er unter Leander Haußmann den „Puck“ in Ein Sommernachtstraum. Er arbeitete u. a. mit Ruth Berghaus, Christoph Schlingensief, Karin Beier und George Tabori. André Eisermann ist ein leidenschaftlicher Schauspieler – neugierig, wandlungsfähig und stets auf der Suche nach der nächsten erzählenswerten Geschichte. Im September ist er mit „Goethe Werther Eisermann – Eine musikalische Lesung mit André Eisermann“ live zu erleben.
„Die Leiden des jungen Werther“ von Johann Wolfgang von Goethe, warum fasziniert der Stoff noch heute in Zeiten von Social Media? Das fragen Jakob, der mich am Flügel begleitet, und ich mich auch jeden Abend. (lacht) Vor allem aber frage ich mich: Kann ich das? Man ist ja auch etwas älter geworden und läuft zweimal einen 45-minütigen Literaturmarathon durch. Diesen Stoff so rüberzubringen, dass auch die jungen Leute erreicht werden, darin liegt die Kunst. Zusammen mit der Musik von Jakob transportieren wir seit 26 Jahren diesen nunmehr 250 Jahre alten Stoff. Weltweit! Und wir sind immer wieder überrascht über die Reaktionen, die das Stück auslöst. Ich glaube, darin liegt die Faszination: Diese hoffnungslose Liebe ist ein Thema, das generationenübergreifend berührt, egal welche Sexualität man hat.
Kann die Generation TikTok das alles nachvollziehen? Ich denke in letzter Zeit oft darüber nach … In einer Zeit, in der die Sprache gar keinen Ausdruck mehr hat außer oft Hass und Wut. Außer bei der Popmusik, wo Pathos noch in einer Weise formuliert wird, die junge Menschen anspricht.Wer interessiert sich heute noch für einen 250 Jahre alten Liebesroman? Aber ich stelle dann doch immer wieder fest, auch wenn ich vor 900 Schülern auftrete: Es klappt. Neunzig Minuten haben sie mal etwas anderes gehört und erlebt.
Die Lesung als Kunstform ist für viele etwas Besonderes. Ich habe gerade eine Serie „Euphorie“, die deutsche Version der Serie „Euphoria“, gedreht. Und habe dann geguckt, wie diese Schauspieler das auf Social Media bewerben. Natürlich komplett anders als mit der Sprache von Goethe. Aber genau diese Literatur-Sprache ist wichtig, sie inspiriert! Emotionen und Pathos erreichen immer noch viele Menschen, gerade als Lesung. Mehr als das: Wir haben „Werther’s Original“-Bonbons und einen Einspieler mit Dagmar Berghoff. Es ist eine Literaturshow!
*Interview: Michael Rädel
„Goethe Werther Eisermann – Eine musikalische Lesung mit André Eisermann“, 13.9. Berlin, Schlosspark Theater, 16 Uhr, 28.9. Wittenberg, CLACK Theater, 17 Uhr, alle Termine hier: www.eventim.de
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