Er spielte 1973 eine Figur, für die es im britischen Theater keine Schublade gab, und machte sie zur Ikone. Tim Curry ist mit 80 Jahren in Los Angeles gestorben. Am Broadway hat gerade ein anderer seine Rolle übernommen.
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THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW (1975)
Tim Curry in der Rolle seines Lebens
Der britische Schauspieler Tim Curry (80) ist in seinem Haus in Los Angeles gestorben. Das bestätigte seine langjährige Managerin und Freundin Marcia Hurwitz gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Eine Todesursache wurde nicht mitgeteilt. Curry hatte 2012 einen Schlaganfall erlitten und saß seither im Rollstuhl.
Eine Figur, die 1973 nicht vorgesehen war
Curry kam als Dr. Frank N. Furter auf die Bühne, als das Royal Court Theatre in London 1973 die Rocky Horror Show herausbrachte – ein außerirdischer Wissenschaftler in Korsett und Netzstrümpfen, gespielt mit vornehmem britischem Akzent. Den Akzent hatte der Schauspieler in einem Bus aufgeschnappt: „Ich traf eine Frau im Bus, die sagte: ‚Haben Sie ein Haus in der Stadt oder ein Haus auf dem Land?‘ Und ich dachte: Das ist die Stimme!“, erzählte er 2015 dem LA Magazine.
Die Produktion ging an den Broadway, 1975 folgte der Film mit Barry Bostwick, Meat Loaf und Susan Sarandon. Zum Verhältnis zwischen ihm und der Rolle, die ihn nie wieder losließ, sagte Curry demselben Magazin: „Mit einer Art belustigter Duldung. Es ist weder ein Segen noch ein Fluch. Ich hatte Glück, sie zu bekommen.“
Was daran queere Geschichte ist, lässt sich schlecht mit Adjektiven sagen: Frank N. Furter war weder als Witz noch als Warnung angelegt, sondern als die Attraktion des ganzen Abends. Wer seit einem halben Jahrhundert in Strapsen vor der Leinwand mitspielt, kopiert keine Nebenfigur.
Der letzte Frank verneigt sich vor dem ersten
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Jake Shears
Am Broadway ist die Show seither zweimal wiederaufgenommen worden, zuletzt seit März dieses Jahres im Studio 54. Luke Evans, der die Rolle dort bis zum 23. August spielte, schrieb auf Instagram: „Er war eine Naturgewalt, eine hell lodernde Flamme, von exquisitem Charme, und dieser satte Klang seiner Stimme.“ Und weiter: „Ich hoffe, wo immer du bist, würdest du es gutheißen, dass noch ein Frank in diesen Absätzen die Zeit seines Lebens hat.“ Vom 11. September an übernimmt Jake Shears, der Sänger der Scissor Sisters.
Meist besetzt als Bösewicht
Geboren 1946 in der Grafschaft Cheshire, Sohn eines Marinegeistlichen und einer Schulsekretärin, ging Curry 1965 an die University of Birmingham – nach eigener Auskunft, um dort den akademischen Teil weitgehend zu ignorieren und stattdessen ununterbrochen Theater zu spielen. Danach redete er sich in London in seinen ersten Job hinein, das Musical Hair im West End, und arbeitete für die Royal Shakespeare Company, bevor ihn das Royal Court holte.
„Wer seit einem halben Jahrhundert in Strapsen vor der Leinwand mitspielt, kopiert keine Nebenfigur.“
Dreimal war er für den Tony nominiert, für Spamalot, My Favorite Year und Amadeus, in dem er den Mozart neben Ian McKellens Salieri gab. 1991 gewann er einen Daytime Emmy als Sprecher von Captain Hook. Im Kino und im Fernsehen war er der Bösewicht vom Dienst: der kindermordende Clown in der Verfilmung von Stephen Kings Es, Kardinal Richelieu in Die drei Musketiere, der Butler Wadsworth in Clue und jener Hotelportier, der Macaulay Culkin in Kevin – Allein in New York vergeblich das Handwerk zu legen versucht. Carol Burnett, seine Gegenspielerin in Annie, schrieb: „Niemand konnte liebenswerte Schurken besser spielen als er.“
Was er in seinem letzten Buch schrieb
Curry hat nie geheiratet, hatte keine Kinder und über sein Privatleben nie öffentlich gesprochen. 2025 erschien seine Autobiografie Vagabond, zu der er sich nach eigener Darstellung von den Begegnungen mit seinem Publikum überreden ließ. Er hoffe, schrieb er, seine Erfahrungen träfen einen Nerv – und sei es nur bei „dieser älteren Tunte, hoffentlich immer noch in Netzstrümpfen, die ‚Rocky Horror‘ oben im Royal Court gesehen hat“.
Es blieb sein letztes veröffentlichtes Werk. Er hat es selbst eingesprochen, mit der Stimme, die ihm nach dem Schlaganfall geblieben war. *ck
Quellen: Mark Kennedy, Associated Press, 26. August 2026, hier abgerufen bei Times Leader (Managerin, Todesumstände, Werkangaben, Zitate Evans und Burnett, Auszug aus „Vagabond“, LA-Magazine-Zitate von 2015) · CBS News · MPR News · Hollywood Reporter. Übersetzungen aus dem Englischen: Redaktion.