Berlin lockt die Jungen, die Wilden und auch die Kreativen an, wie es sonst nur wenige Metropolen tun. Wir stellen dir ab sofort jeden Monat einen Kerl vor, der nach Berlin kam, um sein Glück zu finden. Diesmal ist es DJ Alpha-Nerd. Von Wismar zog es ihn an die Spree, wo er fortan mit beatlastigen Indie-Sets die Klubber begeistert.
WIE KAMST DU ZUM AUFLEGEN?
Ich wollte schon in meiner Heimatstadt Wismar immer gerne mal auflegen. Die Chance dazu bekam ich dann bei Freunden in Berlin, die hier die Party „berlin hilton“ organisieren. Am Anfang war ich nicht sehr mutig, habe vor allem „Hits“ gespielt. Inzwischen probiere ich gerne Neues aus. Es kann natürlich sein, dass die Leute weggehen oder dass die Tanzfläche sich leert. Gehen die Leute langsam, dann versuche ich sie mit dem nächsten Lied zu begeistern. Ist die Tanzfläche plötzlich leer, dann spiele ich natürlich ein Lied, von dem ich weiß, dass es einschlägt, ist ja logisch. (lacht)
WAS LEGST DU DENN SO AUF?
Musik, die ich auch gern privat höre, aber ich kaufe schon speziell Sachen fürs Auflegen. Angefangen habe ich, klar, mit CDs. Mittlerweile probiere ich aber auch Vinyls aus, da gibt es oft Mixe, die man sonst nicht bekommt. Und das Klangspektrum ist vor allem breiter, der Klang voller. Manche Stücke gibt es zudem nur auf Platte, gerade bei Indie-Bands ist das so.
UND WAS FÜR MUSIKTITEL UND STILE LEGST DU AUF?
Das, was man elektronische Tanzmusik nennt, gepaart mit einer Prise Indie. Viele erwarten, dass Roisin Murphy gespielt wird. Aber momentan kann ich sie überhaupt nicht mehr hören – zu oft gespielt. Daher lege ich sie erst mal nicht mehr auf.
WO ENTDECKST DU NEUE MUSIK? WOHL KAUM AUF VIVA, ODER?
Ich lese gerne die „spex“, „intro“, die „Groove“ – da bleibt was hängen. Beim Stöbern im Plattenladen erinnert man sich und hört mal rein. Oder das Plattencover begeistert. Wo ich gerne Musik einkaufe, ist der Plattenladen meines Vertrauens: DER Laden am Bersarinplatz. Da stimmt alles.
DU LEBST IM FRIEDRICHSHAIN?
Ja, von Wismar ging es in den Friedrichshain. Das notwendige Kontrastprogramm zu einer Kleinstadt wie Wismar, in der das Meiste schön, renoviert und denkmalgeschützt ist. Hier ist „pures Leben“, etwas schmutzig und locker. Man kann auch mal siffig und in Jogginghosen nachts ’ne Schokolade kaufen gehen. Im Prenzlauer Berg mit den ganzen Blümchen und den Gören im Café etwa müsste man vorher duschen ... (lacht)
WARUM KAMST DU NACH BERLIN?
Weltkulturerbe Wismar war mir auf Dauer zu klein. Ich habe dann überlegt, ob ich nach Hamburg soll, aber Berlin mit seiner Größe und seiner Lebendigkeit überzeugte letztlich. Und natürlich auch die Szene, ich will ja nicht immer Single bleiben. Ich bewege mich auch gerne zwischen den Kiezen. Mitte, Kreuzberg usw.
WO DENN DA?
Wenn ich was essen gehen will, dann oft in die Pizzeria Loona, Kastanienallee Ecke Oderberger Straße. Brunchen dann gerne im „Schwarz sauer“. Nachts natürlich mittwochs im NBI. Ganz klar gilt: Ich gehe weg, um zu tanzen. Und irgendwie gefällt mir die Musik meist in schwulen Klubs. Wobei ich eigentlich nicht zwingend schwul ausgehen will. Ab und an „London Calling“ und „Proxi Club“ im SchwuZ. Das „Rosis“ in der Revaler Straße finde ich auch klasse. Das ist aber leider zu oft zu leer. Ich habe gerne viele Leute um mich rum. (grinst)
DIE „BAR 25“ IST NUN WOHL WEG. IST FÜR DICH DER GRUND „MEDIASPREE“ AUCH SO EIN DORN IM AUGE?
Nein. Wenn der Untergrund so beweglich ist, wie er sein will, dann finden die ganzen Klubs und Partys neue Orte. Das gehört zur Weiterentwicklung. Und von wegen „Spree für alle“: War die „Bar 25“ denn für alle offen? Nein. Da gab es eine strenge Türpolitik. mediaspree schafft Arbeitsplätze und schafft Bewegung in der Szene. Dann geht es eben im Wedding weiter. Der Untergrund stirbt ja dadurch nicht, er entwickelt sich weiter!
•Interview: Michael Rädel

