Foto: M. Rädel
Im Kiez zwischen Alexanderplatz, Volksbühne und Hackescher Markt ging es 1999 los.
Die in Heidelberg geborene Veranstalterin Chantal gehört zu jenen Berliner Originalen, die nicht einfach irgendwann da waren, sondern blieben, während um sie herum Generationen von Nachtschwärmern, Szenegänger*innen und Selbstdarsteller*innen kamen und wieder verschwanden.
Chantals Karriere beginnt in den 1970er-Jahren, als das Nachtleben noch weniger Event und mehr Ausnahmezustand war. Fast zeitgleich machten Namen wie Amanda Lear und Romy Haag von sich reden. Mit Haag verbindet Chantal bis heute eine persönliche Bekanntschaft – eine jener Verbindungen, die in Berlin nicht nach Networking klingen, sondern nach gemeinsam durchgestandenen Jahrzehnten.
1999 kam das „House of Shame“. Was zunächst nach einer weiteren Nacht im Berliner Kalender aussah, entwickelte sich zur Institution: ein Ort für Glamour, Exzess und jene schwer definierbare Mischung aus Camp, Kunst und Anarchie, die das Berliner Nachtleben immer dann hervorbringt, wenn es gut läuft. Katy Perry schaute vorbei, ebenso Isa Genzken und der US-Designer Richie Rich. Prominenz war dabei weniger Programm als Nebenwirkung. Entscheidend war der Raum dazwischen: der Dancefloor als sozialer Gleichmacher und „Chantals House of Shame“ als Bühne für alle, die sich für eine Nacht ein bisschen größer, schöner oder verrückter machen wollten. Im Oktober wird nun der 27. Geburtstag gefeiert. 27 Jahre „Chantals House of Shame“ – in Berlin fast schon eine geologische Epoche. Andere Klubs kamen und gingen, Konzepte wurden erfunden und wieder beerdigt, Trends wechselten ihre Namen. Chantal blieb. Und das ist vielleicht die eigentliche Kunst: nicht nur Teil der Nacht zu sein, sondern sie so lange zu überleben, bis ##mensch selbst zu ihrer Geschichte gehört.
Immer donnerstags: „Chantals House of Shame“, Lokschuppen, Revaler Str. 99, S+U Warschauer Straße, 23 Uhr
Besuch uns auf Instagram:

