Foto: Patrick Mettraux
Daniel Hellmann
Daniel Hellmann (32) wusste seit seinem ersten Besuch, dass er nach Berlin gehört. Seit 2012 lebt der Performancekünstler in der Hauptstadt und lässt sich von ihr energetisieren. Zuletzt spielte er zum Queer Weekend im Studio Я des Maxim Gorki Theaters.
IN DEINER LETZTEN INSZENIERUNG „TRAUMBOY“ GABST DU DEN SEXARBEITER, DER VON SEINEM ALLTAG ERZÄHLT ...
Ich bin in meinem Leben für verschiedenste Tätigkeiten bezahlt worden. Einige davon haben mir Spaß gemacht, andere haben mich gelangweilt, aber allzu konstant ist das bei mir nicht. Im Moment erlaubt mir die Performance-Kunst, an spannenden Themen zu arbeiten und damit auch Geld zu verdienen.
SPANNEND WIE DEIN PROJEKT „SPRAY AND LICK“, FÜR DAS DU MENSCHEN AUFGEFORDERT HAST, DICH ÖFFENTLICH ZU LECKEN?
Diese Performance entstand ursprünglich zur Spielzeit-Eröffnung vom Tanzhaus Zürich. Ich wollte das anwesende, weitgehend aus Künstler/innen und Kulturfunktionär/innen bestehende Publikum herausfordern. Nähe und Distanz, Intimität und Lust an der Begegnung sind für mich wichtige Themen, und es macht mir Spaß, vermeintlich bestehende Grenzen zu verrücken und von den teilnehmenden Menschen überrascht zu werden. Ich bin immer wieder verblüfft darüber, wie unterschiedlich Menschen sind, auch wie unterschiedlich ihre Grenzen sind.
ALL DEINE ARBEITEN SCHEINT DAS SPIEL MIT DEN KÖRPERN UND UNSEREM INNERSTEN ZU VERBINDEN. WAS IST DER KÖRPER FÜR DICH?
Ich versuche, meinen Körper eher als Freund zu verstehen, nicht als Maschine. Er ist mein Wohnort, mein Ratgeber, mein Tempel, mein Instrument. Er ermöglicht mir intensive Erfahrungen und Gefühle. Und er ermöglicht mir, mit der Welt in Beziehung zu treten.
AUCH IN „REQUIEM FOR A PIECE OF MEAT“ GEHT ES UM KÖRPER – TIERKÖRPER. BIST DU VEGANER?
Ich bin im Laufe der Recherche für das Stück zum Veganer geworden. Das war so nicht geplant, aber je mehr ich über die Produktionsweisen von tierischen Produkten gelernt habe, desto weniger konnte ich deren Konsum mit meinen Werten vereinbaren. Ich bin gegen Gewalt, gegen Ausbeutung, gegen Unterdrückung. Und wenn ich zu diesen Werten stehen will, dann kann ich auch keine zerstückelten Tierkörper mehr essen und keinen Cappuccino mehr schlürfen, nur weil ich den Geschmack mag.
*Interview: Dennis Stephan
