Foto: M. Rädel
Nina Queer, Irrenhouse, PKH Warehouse
Lars Steinhöfel (links im Bild) und Hubert Fella (rechts im Bild) hatten schon viel Spaß in Nina Queers „Irrenhouse“.
Sie ist laut, sie ist glamourös und sie hat offenbar beschlossen, dass 24 Stunden am Tag eine persönliche Beleidigung sind. Seit über einem Vierteljahrhundert bringt Nina Queer mit ihrer Party „Irrenhouse“ (Bild oben) die Berliner Nächte zum Beben. Inzwischen schreibt sie Musicals, macht Fernsehen und hat sich sogar ein Theater und ein Kino in Österreich angelacht (!). Doch statt endlich einmal die Füße hochzulegen, entert die schillernde Entertainerin jetzt auch noch die MS Sanssouci. Am 7. November verwandelt sie das größte Schiff der Potsdamer Flotte in einen schwimmenden Liebestempel mit Disco, Dragshows und jeder Menge Schabernack.
Nina, Berlin reicht dir offenbar nicht mehr. Jetzt muss auch noch der Wannsee dran glauben. Was hast du mit den armen Potsdamern vor? Ich möchte den Menschen einfach mal wieder vier Stunden pures Glück schenken! Wir werden täglich mit so vielen Katastrophen, schlechten Nachrichten und Weltuntergangsstimmungen bombardiert, dass man manchmal das Gefühl hat, die Menschheit hätte das Lachen komplett verlernt. Dagegen möchte ich etwas unternehmen. Mein „Love Boat“ ist eine kleine schwimmende Flucht aus dem Wahnsinn des Alltags. Sobald wir ablegen, bleiben die Sorgen am Ufer. An Bord regieren die Liebe, die Lebensfreude und natürlich ich. Irgendjemand muss schließlich das Kommando übernehmen!
„Love Boat“ klingt verdächtig romantisch. Wird da tatsächlich geflirtet oder geht es am Ende doch nur um Schnaps und Schlager? Das eine schließt das andere ja nicht aus! Ich finde, die Menschen sollten sich wieder viel häufiger kennenlernen, miteinander lachen und sich auch mal verlieben. Deshalb gibt es bei uns ein richtiges Liebespostamt mit drei Liebesboten. Jeder Gast bekommt eine Nummer und kann anderen Passagieren kleine Nachrichten schicken lassen. Ganz anonym oder mit offenem Visier. Das kann eine romantische Liebeserklärung sein, eine Einladung zum Drink oder auch eine herrlich freche Botschaft. Ich hoffe natürlich auf jede Menge Unfug. Eine Veranstaltung von mir, auf der sich alle nur brav benehmen, wäre schließlich ein ernsthafter Imageschaden.
Und wenn die große Liebe trotz deiner Liebesboten nicht auftaucht? Übernimmst du dann persönlich die Partnervermittlung? Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter und schaue direkt in die Zukunft! Ich werde an Bord mein eigenes kleines Wahrsager-Zelt aufbauen und den Gästen die Karten für ihr Liebesleben im Jahr 2027 legen. Vielleicht erfährt ja jemand, dass der zukünftige Traummann bereits drei Tische weiter sitzt. Und wer auf die Liebe gerade überhaupt keine Lust hat, darf sich natürlich auch einfach zurücklehnen, einen Cocktail trinken und unsere Shows genießen. Sasha Glam wird auftreten, und ich selbst werde ebenfalls live auf der Bühne stehen. Bei uns muss niemand flirten. Aber ein bisschen Spaß oder ein fröhliches Geschlechtsorgan sollte schon jeder mitbringen.
Du bist ja eigentlich für wilde Partynächte bekannt. Wird dein Love Boat eher eine romantische Kaffeefahrt oder eine schwimmende Disco mit Eskalationspotenzial? Kaffeefahrt? Ich bitte dich! Wir verwandeln die MS Sanssouci in einen richtigen Klub. Das ist das größte Schiff der Flotte, und ungefähr die Hälfte der Fläche unter Deck wird zur Tanzfläche. DJ U-Seven feuert uns ab 18 Uhr mit aktuellen Hits und den größten Popklassikern der vergangenen Jahrzehnte ordentlich ein. Ein bisschen Schlager darf zwischendurch natürlich auch sein. Dazu kommen glamouröse Lichteffekte, eine fantastische Soundanlage und jede Menge Exzess. Mein Ziel ist, dass die Gäste um 22 Uhr völlig erledigt von Bord gehen und das Gefühl haben, sie hätten bis vier Uhr morgens durchgefeiert. Nur eben ohne den üblichen Sonnenaufgang und mit einer zeitigen S-Bahn-Verbindung zurück nach Berlin oder nach Hause in Potsdam.
Mal ganz abgesehen von deinem neuen schwimmenden Vergnügungsdampfer: Du machst Partys, Fernsehen, Musicals und kaufst Theater und Kinos. Gibt es eigentlich irgendetwas, das du nicht kannst? Stillsitzen ist tatsächlich nicht meine größte Begabung. Aber warum sollte ich auch? Ich liebe, was ich tue. Für mich ist das alles nicht einfach nur Arbeit, sondern meine große Leidenschaft. Wenn ich eine Idee habe, möchte ich sie verwirklichen. Und davon habe ich leider so viele, dass ein normales Menschenleben überhaupt nicht ausreicht. Ich würde wahnsinnig gerne 500 Jahre alt werden. Nicht, weil ich Angst vor dem Alter hätte, sondern weil ich noch so unfassbar viel vorhabe. Andere Menschen sammeln Briefmarken, ich sammle Projekte. Und gelegentlich Immobilien in Österreich.
Apropos Alter: Du bist inzwischen seit 26 Jahren im Geschäft. Während andere langsam an die Rente denken, drehst du erst richtig auf. Was hält dich so jung? Was für eine freche Frage. Ich kann doch mit 32 nicht in Rente gehen. Alter werden hat durchaus seine Reize. Vor allem, seit die Generation Z das sogenannte Milfhunting für sich entdeckt hat. Plötzlich ist man für junge Männer wieder ein hochinteressantes Jagdobjekt. Eine wunderbare Entwicklung, die ich selbstverständlich mit großem Wohlwollen beobachte und ab und an auslebe. Und ansonsten gilt bei mir sowieso: Nachts sind alle Katzen grau. Sie können sich gar nicht vorstellen, was beim Engtanz so alles in einen hineinrutscht.
Nina Queers „Love Boat“ startet am 7. November um 18 Uhr an Bord der MS Sanssouci im Hafen Potsdam. Vier Stunden lang erwarten die Gäste Musik mit DJ U-Seven, Drag-Entertainment mit Sasha Glam, ein Live-Auftritt von Nina Queer, ein Liebespostamt, ein Blick in die romantische Zukunft und ein Begrüßungscocktail. Um 22 Uhr endet die Fahrt. www.schifffahrt-in-potsdam.de/fahrten/the-love-boat
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