Foto: Museum Barberini
Paul Signac, Segel und Pinien, 1896, Öl auf Leinwand, 81 x 52 cm, Privatsammlung
Wer im Sommer und Herbst einen Ausflug nach Potsdam plant, sollte einen Besuch im Museum Barberini fest einplanen. Vom 4. Juli bis zum 11. Oktober widmet sich das Haus einer Kunstbewegung, die im späten 19. Jahrhundert die Malerei revolutionierte: dem Neoimpressionismus. Im Mittelpunkt der neuen Ausstellung „Symphonie der Farben“ steht das faszinierende Werk von Paul Signac, einem der wichtigsten Wegbereiter der Moderne.
Was ist der Neoimpressionismus?
Mitte der 1880er-Jahre suchte Paul Signac gemeinsam mit seinem Freund Georges Seurat nach einer Möglichkeit, die Leuchtkraft der Malerei auf die Spitze zu treiben. Die damaligen Impressionisten hatten bereits begonnen, das flüchtige Licht der Natur einzufangen, aber Signac und Seurat wollten das Ganze wissenschaftlicher angehen. Anstatt die Farben wie gewohnt auf der Palette zu mischen, setzten sie reine Pigmente in unzähligen feinen Punkten und kurzen Strichen direkt nebeneinander auf die Leinwand. Aus der Nähe betrachtet wirken die Bilder wie ein buntes Mosaik aus Farbtupfen. Der eigentliche Effekt entsteht erst, wenn man ein paar Schritte zurücktritt: Im Auge des Betrachters verschmelzen die Punkte zu einer optischen Einheit von enormer Strahlkraft. Diese Technik ging als Pointillismus oder Neoimpressionismus in die Kunstgeschichte ein.
Foto: Aurélien Mole
Jeanne Selmersheim-Desgrange, Portrait von Colette, um 1907, Öl auf Leinwand, 59 x 71,5 cm, Sammlung CFC
© Estate Jeanne Selmersheim-Desgrange, courtesy of Pavec
Vom Pariser Vorort an die Côte d’Azur
Die Ausstellung im Museum Barberini zeichnet Signacs künstlerischen Weg chronologisch nach. Die Reise beginnt mit seinen frühen Werken, in denen er das raue Leben in den Pariser Vorstädten festhielt. Ein Wendepunkt in seinem Leben war aber das Segeln. Als passionierter Segler verbrachte Signac viel Zeit auf dem Wasser und entdeckte schließlich das damals noch verschlafene Fischerdorf Saint-Tropez an der Côte d’Azur für sich. Das intensive Licht des Südens veränderte seine Palette komplett: Seine Bilder wurden heller, farbintensiver und fast schon schwelgerisch. Später öffnete sich Signac auch anderen Einflüssen. Er begann, sich intensiv mit Musik, Symbolismus und Architektur auseinanderzusetzen. Jedes Bild wurde zu einer sorgfältig komponierten „Farbsymphonie“.
Foto: Museum Barberini
Henri-Edmond Cross, Rosafarbener Frühling, 1909, Öl auf Leinwand, 73 x 92,7 cm, Privatsammlung, Courtesy Richard Green Gallery, London
Nicht alleine
Das Besondere an der Potsdamer Schau ist, dass sie Signac nicht isoliert betrachtet. Rund 30 seiner eigenen Gemälde werden in einen spannenden Dialog mit Werken seiner engsten Weggefährten gestellt. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine hochkarätige Auswahl an Bildern von Künstlern wie Henri-Edmond Cross, Maximilien Luce und Camille Pissarro. Sie alle experimentierten mit der neuen Pointiertechnik und prägten die Bewegung auf ihre eigene Weise.
Ausstellung „Symphonie der Farben. Paul Signac und der Neoimpressionismus“, 4.7. – 11.10., Museum Barberini, Humboldtstr. 5–6, Potsdam, museum-barberini.de