Der Gründer und Direktor der Bar jeder Vernunft und des Tipi am Kanzleramt ist am 23. Januar verstorben.
Holger Klotzbach war ein Mensch, der sich von Rückschlägen nicht aufhalten ließ – sondern sie in Möglichkeiten verwandelte. Vor 80 Jahren in Duisburg geboren, wollte er zunächst Lehrer werden. Das Berufsverbot durch den Radikalenerlass beendete diesen Weg abrupt. Später sprach er oft davon, dass genau dies sein großes Glück gewesen sei. Denn es führte ihn dorthin, wo er wirklich zu Hause war: in die Welt der Kunst, des Zirkus und des Theaters.
Er war Mitbegründer so außergewöhnlicher Orte wie des Zirkus Roncalli, des Schwarzen Cafés und des Tempodroms. In den 1980er-Jahren stand er mit dem Kabarett Die 3 Tornados selbst auf der Bühne, immer politisch, immer unbequem, immer mit Haltung. Doch seine größte Wirkung entfaltete er hinter den Kulissen – dort, wo Ideen Gestalt annehmen und Räume entstehen, in denen andere glänzen können.
Mit der Bar jeder Vernunft (1992) und dem Tipi am Kanzleramt schuf er gemeinsam mit seinem damaligen Partner Lutz Deisinger zwei Theater, die bis heute unverwechselbar sind. Häuser mit Seele, mit Mut zum Risiko und mit einem klaren künstlerischen Anspruch. Orte, an denen Vielfalt, Lebensfreude und Offenheit selbstverständlich waren – so wie er selbst. Holger Klotzbach war kreativ, großzügig und zutiefst menschlich. Weltoffenheit und Toleranz waren für ihn keine Schlagworte, sondern gelebter Alltag. Viele Künstlerinnen und Künstler, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verdanken ihm Vertrauen, Chancen und oft den entscheidenden ersten Schritt.
Sein Tod hinterlässt eine schmerzliche Lücke – in dieser Stadt, in der Kulturszene und bei all jenen, die mit ihm arbeiten, lachen und streiten durften. Sein Ehemann und Lebenspartner Eric Schmidt-Mohan sowie das Team werden sein Werk in seinem Geist weiterführen.
