Die aktuelle Schau im Ausstellungsraum der DZ Bank Kunststiftung beschäftigt sich mit Lebensbedingungen in Großstädten. Dabei geht es sowohl um architektonische Ansätze als auch um soziale Aspekte des Zusammenlebens.
Foto: Norbert Miguletz
Ausstellungsansicht „Wie wollen wir leben?“: „Urban Utopia“ von Astrid Busch.
Unwirtliche Gebäudecluster, marode Bausubstanz, unbezahlbare Mieten, versiegelte Bodenflächen, wenig Natur, Ghettoisierung: heutige Großstädte stehen vor großen Herausforderungen. Dabei sind die zu bewältigenden Aufgaben keineswegs neu: bereits vor 100 Jahren – damals noch unter dem Aspekt der beginnenden Industrialisierung – stellte man sich ähnlichen Fragen nach neuen Wohn- und Lebenskonzepten für Großstädte.
Mit dem Stadtplanungsprogramm „Neues Frankfurt“ und seinen ganzheitlich gedachten, konzeptuellen Wohnprojekten wie den „Ernst-May-Siedlungen“, galt Frankfurt Mitte der 1920er Jahre als wegweisend. Die Künstlerin Astrid Busch hat sich im Auftrag der Kunststiftung mit den Ideen der Ernst-May-Siedlungen auseinandergesetzt und abstrahiert und kombiniert mit den städtebaulichen Visionen der „Nebelarchitektur“ die von Leichtigkeit und Transparenz getragene, collagenartige Installation „Urban Utopia“ geschaffen – ein Möglichkeitsraum für gedankliche Öffnungen.
Damit ist Astrid Buschs Arbeit bezeichnend für die Ausstellung: Die Arbeiten beschreiben keine konkreten städtebaulichen Konzepte oder Lösungen, sondern skizzieren Ideen und setzen sich mit mehr oder weniger gelungenen architektonischen Lösungen auseinander.
Foto: Norbert Miguletz
Ausstellungsansicht „Wie wollen wir leben?“
Wie im Werk von Karina Nimmerfall, die sich in „The Third City (Red Vienna)“ ausführlich dem sozialen Wiener Wohnungsbau von vor 100 Jahren widmet. Wien ist heute eine der wenigen europäischen Städte mit bezahlbaren Mieten – im Gegensatz zu den meisten europäischen Metropolen wurde der soziale Wohnungsbau in Wien nicht privatisiert.
Heike Baranowsky verbrachte vor 30 Jahren eine Zeit in Paris, lebe aber nicht in der pittoresken Innenstadt, sondern in einer der „Banlieues“. Die Ringautobahn rund um die Innenstadt stellte damals eine fast unüberwindbare Grenze dar zwischen den Außen- und Innenbezirken. Fasziniert von diesem städtebaulichen Fauxpas dokumentiert Baranowskys Videoarbeit „Auto Scope“ eine Fahrt auf dem Autobahnring, immer mit Blick in Richtung Pariser Innenstadt: Anonyme Hochhaussiedlungen versperren die Sicht und verstärken den Mauer-Effekt der Autobahn. Nur wer ganz genau hinschaut, entdeckt für einen kurzen Augenblick irgendwo in der Ferne den Eiffelturm.
Foto: Norbert Miguletz
Ausstellungsansicht „Wie wollen wir leben?“: „Auto Scope“ von Heike Baranowsky.
Die Arbeiten der 14 Künstler*innen aus neun Ländern sind allesamt hochkonzeptionell; ergänzend dazu werden in den geplanten Veranstaltungen und Workshops des Rahmenprogramms konkrete städtebauliche Themen diskutiert.
Noch bis 3.10., Ausstellungsraum der DZ Bank Kunststiftung, DZ Bank Haus II, Eingang am Platz der Republik, Di bis Sa 11 – 19 Uhr, öffentliche Führungen Do 18 Uhr, jeden letzten Fr im Monat 17:30 Uhr sowie am letzten Sa im Monat um 17 Uhr, kunststiftungdzbank.de