Foto: Sempergreen
Im Zuge der Herausforderungen des Klimawandels bieten begrünte Dach- und Fassadenflächen eine echte Chance zur Verbesserung der Lebensqualität. Noch sind grüne Gebäudedächer eine Seltenheit in unseren Städten.
Wir haben mit Patrice Wiedemann von „Living Creations“ gesprochen.
Steigende Temperaturen, Starkregen, versiegelte Flächen und der zunehmende Verlust von Biodiversität sind Themen, mit denen sich Städte schon heute konfrontiert sehen. Begrünte Dach- und Fassadenflächen könnten da Abhilfe schaffen. Die zur Verfügung stehenden Flächen sind riesig, allerdings bleiben gut 98% der Dächer in Deutschland derzeit noch ungenutzt: „In Frankfurt fällt mir da als Ausnahmebeispiel ‚Die Welle‘ an der Alten Oper ein“, meint Patrice Wiedemann von „Living Creations“. Das 2025 gegründete Unternehmen ist spezialisiert auf die Begrünung von Dach- und Fassadenflächen sowie von Innenräumen. Dabei fokussiert sich das Unternehmen momentan auf kommunaler Ebene auf Projektentwickler und Unternehmen mit größeren Immobilienbeständen. Aber auch das Interesse im privaten Bereich, insbesondere bei Neubauten sowie bei energetischen Sanierungen, nehme derzeit zu, so Wiedemann. Begrünen lassen sich nicht nur flache Dächer und selbst für Dächer mit begrenzter Tragfähigkeit gibt es Lösungen.
Die begrünten Gebäudeflächen sind dabei weitaus mehr als reine Gestaltungselemente. Sie sorgen zum Beispiel auch für bessere klimatische Verhältnisse in den Gebäuden: „Bei 37 Grad Außentemperatur konnten wir allein durch die Dämmwirkung der Dachbegrünung die Gebäude-Innentemperatur auf 30 Grad senken; das bedeutet dann auch 30% Ersparnis für die Klimaanlage“, erklärt Wiedemann. Außerdem entlasten grüne Dächer bei Starkregen die städtische Kanalisation.
Foto: Living Creations
Natürlich schafft ein begrüntes Dach auch neue Bioflächen für Insekten. „Living Creations“ setzt hier zum Beispiel zusätzlich auf die Installation von Bienenstöcken auf Hausdächern. „In Kombination mit biodiversen Gründächern, mit blühfreudigen Pflanzen, dicken Substratschichten und mit der gezielten Auswahl von Nektar- und Wirtspflanzen entstehen funktionierende Mikro-Ökosysteme direkt über der Stadt“, so Wiedemann. Darüber hinaus lassen sich grüne Dächer zusätzlich mit Photovoltaikanlagen für grüne Energie kombinieren. „Begrünte Flächen erweitern einfach die Funktion von Dächern und Fassaden – weg vom alleinigen passiven Regenschutz hin zum aktiven Dach“.
Die Begrünung von Gebäudedächern wird derzeit in Frankfurt mit 30 Euro pro Quadratmeter gefördert. „In Berlin sind es sogar 50 Euro pro Quadratmeter“, weiß Patrice Wiedemann. Bei Kosten zwischen 70 und 100 Euro pro Quadratmeter sei das schon mal ganz gut. „Die Begrünungsunternehmen sind allerdings derzeit alle noch in einer Start-up-Phase“, meint Patrice Wiedemann. „Doch die Dynamik ist deutlich spürbar. Früher oder später wird die Begrünung von Dächern und Fassaden zum neuen Standard im urbanen Bauen werden. Wenn wir Städte grüner, kühler und lebenswerter machen wollen, führt an multifunktionalen Gebäudeflächen kein Weg vorbei – davon profitieren alle, heute und in Zukunft.“