Foto: Masha Kulch
Performt bei „A Techno Ballet Odyssey“: Lucio Vidal
Die Berlin Ballet Company hat ein Tanztheater kreiert, das die die Grenzen von Ballettkunst und Clubnacht verschwimmen lässt. Ein buntes Ensemble internationaler Profitänzer*innen performt zu elektronischer Musik, die Nacht wird ergänzt mit Sets verschiedener DJs, das Publikum ist mittendrin. In Berlin war die genreübergreifende Show bereits ein voller Erfolg, nun geht die Crew auf Tour und kommt dabei auch ins GAB-Land. Wir haben vorab mit dem Ensemblemitglied Lucio Vidal über die Show gesprochen.
Was ist die Idee hinter „A Techno Ballet Odyssey“? Das wird keine klassische Ballettaufführung werden, richtig?
Nein. Viele mischen ja Ballett und Techno, aber das wäre mir zu langweilig gewesen. Ich wollte das Ganze auf die nächste Stufe heben. Dafür habe ich meine eigenen Clubbing-Erfahrungen eingebracht, was Technomusik für mich bedeutet und wie ich die Musik empfinde. Und auch meine Lebenserfahrung aus all den Jahren, die ich in Berlin gelebt habe, ist eingeflossen. So wurde aus „A Techno Ballet Odyssey“ eher ein Erlebnis als bloß eine Show mit schönem Tanz zu Techno. Ein Erlebnis auch für das Publikum, das sich auf der Tanzfläche befindet, während wir auf drei verschiedenen Bühnen um sie herum auftreten und mit ihm in Kontakt treten. Wenn ich zum Beispiel mit dem Publikum tanze, direkt neben den Leuten, gibt es eine Kamera, die live filmt, so dass man auf dem Bildschirm ganz andere Dinge sieht, als das, was man neben sich erlebt. Es ist sehr dynamisch und sehr komplex!
Die gewohnte Trennung zwischen Bühne und Publikum wird also aufgehoben; Publikum und Bühne sind eins?
Ja genau, das mischt sich.
Foto: Yan Revazov
Szene aus der „A Techno Ballet“ im Kraftwerk Berlin
Tanzt ihr klassischen Ballettstil oder ist es eine Mischung aus zeitgenössischen, klassischen und vielleicht auch Streetdance-Elementen?
Also, ich bin ein zeitgenössischer Tänzer, der schon immer in klassischen Compagnien gearbeitet hat. Ich versuche all das zu vereinen, was ich in diesen 18 Jahren auf der ganzen Welt in meiner Arbeit mit verschiedenen Choreografen gelernt habe. Daher sehe ich Tanz immer nur als eine Sache, eine Einheit. In der Berlin Ballet Company sind wir alle sehr unterschiedlich. Alle sind professionelle Tänzer*innen, aber mit unterschiedlichen Stilen und Hintergründen. Arshak Ghalumyan, der Direktor und Choreograf, sagt in der Regel nicht „das ist das, was ich sehen möchte“, sondern fordert uns auf, unseren persönlichen Stil einzubringen. Für mich bietet die Company daher eine Möglichkeit oder eine Plattform, meine Ideen und Konzepte zu verwirklichen.
Tanzt ihr eine feste Choreografie oder sind es eher Improvisationen?
Ich improvisiere zwar beim Tanz im Publikum, aber auch dafür gibt es einen genau festgelegten Zeitpunkt und Ort. Wir haben auch Gruppenszenen oder Duette und Choreografien, die ich selbst entwickelt habe. Es ist also alles durchchoreografiert.
Foto: Yan Revazov
Szene aus der „A Techno Ballet“ im Kraftwerk Berlin
Als Musik gibt es ein DJ-Set?
Marko Nastić, der DJ und Produzent aus Belgrad, hat die Musik für uns komponiert. Aber bei jeder Aufführung spielt er live zu dieser Komposition. Es kommt also eine weitere Ebene hinzu, die seine Komposition jeden Abend anders klingen lässt. Manchmal hört man Stimmen oder Geräusche, die vorher nicht da waren. Als Tänzer muss ich da sehr aufmerksam sein, weil das manchmal etwas verwirrend ist (lacht). Es gibt aber auch einen weiteren DJ, der den Abend eröffnet, und nach der Aufführung ein weiteres DJ-Set.
Was macht für dich den Zauber des Stücks aus?
Für mich geht es ums Erleben, anstatt darum, nur schöne Tänzer*innen in einer Techno-Szenerie zu sehen. Die Erfahrung, sich frei zu fühlen und keine Angst zu haben, aber auch sich verletzlich oder kraftvoll zu zeigen. Für mich ist die Tanzfläche ein Ort, an dem man von sich selbst lernt und mit sich selbst in Kontakt tritt – und dann verbindet man sich mit den anderen. Und wir versuchen, dass auch unser Publikum das genauso erlebt.
18. – 20.12., A Techno Ballet Odyssey, Zoo Gesellschaftshaus, Frankfurt, mehr Infos und Tickets über berlinballet.company/techno-ballet