Foto: Peter Pöschl
Was braucht ein Mensch, um sich sicher und frei zu fühlen? Das ist eine der Kernfragen, mit der sich der Schauspieler Markus Tomczyk in seiner Perfomance „Blöße“ beschäftigt.
Die Entwicklung des Stücks gründet auf persönlichen Erfahrungen – genauer: auf einer Krise. „Ich habe vor einigen Jahren in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet, in dem ich mich in einem sicheren Raum wähnte. Ich dachte, mich dort offen zeigen, meine Gefühle und Gedanken transparent zu machen, mich weiterentwickeln und verwirklichen zu können. Allerdings hat sich das alles als falsch herausgestellt, und das hat mich letztendlich krank gemacht, mir mein Selbstvertrauen und damit meinem Schutz genommen“, erzählt Tomczyk. „Und es hat vier Jahre gedauert, bis ich mich da wieder rausgearbeitet habe.“
Danach setzte sich Markus Tomczyk intensiv mit der Frage auseinander, was ein Mensch braucht, um sich sicher und frei zu fühlen. Und stieß dabei auf ein Paradoxon: Manchmal braucht es strenge Regeln und Einschränkungen, um sich frei zu fühlen. Wie zum Beispiel Safer Spaces in der Community: „Es gibt diese Räume, die einen klaren Rahmen haben, die eigene Regeln und Gesetze haben – und in diesem Rahmen kann man auf einmal frei sein“.
Tomczyk selbst entdeckte dieses Phänomen zuerst in der Fetisch-Szene („Der ‚Eagle‘ ist mein Lieblingsort“), später auch in anderen Kontexten: „Ich bin dann unter anderem auch auf den Glauben gekommen, mit dem Kloster als extremste Variante, mit streng geregeltem Alltag und mit der Abstinenz, um Erlösung und den Weg zu sich selbst zu finden“.
Foto: Peter Pöschl
Der Titel der Perfomance „Blöße“ will etwas sagen: „Der Begriff ist für mich vielschichtig und heißt eben nicht nur, sich nackt zu machen, sondern auch, sich bewusst zu öffnen und wahrhaftig zu sein“, so Tomczyk weiter. „Sich die Blöße zu geben, erfordert sehr viel Mut“. Und auch darum geht es in „Blöße“ – Selbstvertrauen gewinnen.
Künstlerisch verbindet die Performance Schauspiel, Sprache, Butoh-Tanz, körperliche Transformation und Ropework und feiert im Stuttgarter Eagle seine Premiere, das zur Perfomance für alle ab 18 Jahren geöffnet ist.
21.10., Eagle, Mozartstr. 51, Stuttgart, 19 Uhr, weitere Vorstellungen am 23. und 25.10., eagle-stuttgart.com