Foto: Martin Kaufhold
Mit der spritzig-bissigen Komödie „Dracula – A Comedy of Terrors“ eröffnet das English Theatre sein Sommerprogramm.
Das ist der Plot der rasanten Komödie: Jonathan Harker, ein eigentlich ängstlich-schüchterner englischer Immobilienmakler, ist auf dem Weg zu einem neuen geheimnisvollen Kunden: In den rauen Bergen Transsylvaniens soll er den geheimnisumwitterten Graf Dracula treffen, der in dieser Version der Geschichte weniger furchteinflößend, dafür aber jung, extrem selbstverliebt und sexbesessen auftritt.
Die Geschäfte mit dem Grafen laufen gut, und bald trifft man sich in London, um weitere Deals abzuschließen. Dracula wird Dauergast im Hause Harker und lernt dabei nicht nur die Londoner Gesellschaft, sondern auch Harkers Verlobte Lucy kennen. Doch dann häufen sich unerklärliche Zwischenfälle – Zeit für den Auftritt der Vampirjägerin Jean Van Helsing, die zusammen mit ihren Gefährten jenem Graf Dracula schon lange auf der Spur ist.
„Dracula – A Comedy of Terrors“ ist ein 2023 von den New Yorker Autoren Gordon Greenberg und Steve Rosen geschriebenes Stück, das sehr frei auf Bram Stokers Original von 1897 beruht und den ursprünglich düsteren Stoff der Dracula-Erzählung in eine wirklich rasante Komödie verwandelt.
Regisseur Ewan Jones, der unter anderem zuletzt erfolgreich die Shakespeare-Musical-Comedy „Something Rotten“ im English Theatre zeigte, versteht sein Fach und zeigt erneut, wie echte British-Comedy geht: mit Schlagfertigkeit, exaktem Timing und sehr englischem Humor, der sich nicht zu schade dafür ist, über sich selbst zu lachen.
Foto: Martin Kaufhold
Das fünfköpfige Schauspieler*innen-Ensemble ist fabelhaft besetzt, schlüpft rasend schnell in verschiedenste Rollen und lässt selbst die fliegenden Kostümwechsel zum Brüller werden.
Applaus gebührt vor allem dem frisch von der Theaterakademie kommenden George North für den „Dracula“, der seine erste professionelle Theaterrolle ist. Mit vollem Körpereinsatz, Bizeps und Sixpack gibt North den Vampir überzeugend als lasziven Latin-Lover – verführerisch und gefährlich zugleich macht er sich an Frauen wie Männer ran.
Liam Huband, der bereits zum Ensemble in „Something Rotten“ gehörte, brilliert als heiratswillige Mina und vor allem als toughe Vampirjägerin Jean Van Helsing, die mit Tiroler-Hütchen, Hosenträgern und Hotpants aussieht, als käme sie just aus einer „Cabaret“-Inszenierung. Auch Kollegin Briana Kelly war bereits in „Something Rotten“ zu sehen; in „Dracula“ spielt sie die aufgeweckte wie aufrichtige Lucy Westfeldt, die frisch verlobt den Avancen Draculas zu widerstehen versucht.
Irgendwo zwischen britischer Farce, Camp-Comedy, Rocky Horror Picture Show, Mel Brooks und Monty Python ist „Dracula – A Comedy of Terrors“ einfach irre komisch und ein echter Sommertheater-Hit.
Noch bis 5.7., dann wieder vom 14.8. – 6.9., The English Theatre, Gallusanlage 7, Frankfurt, Spieltage: Di – So, english-theatre.de

