Foto: Martin Kaufhold
Howard Brentons 2025 veröffentlichtes Polit-Drama „Churchill in Moscow“ bezieht sich auf eine reale Begebenheit aus dem Jahr 1942: Während des zweiten Weltkriegs trafen sich der damalige britische Premierminister Winston Churchill und der russische Diktator Josef Stalin zu geheimen Gesprächen in Moskau.
Der renommierte britische Regisseur Tom Littler, der fürs English Theatre unter anderem „Jekyll & Hyde“, „Strangers on a Train“ oder „The Picture of Dorian Gray“ in Szene gesetzt hatte, inszenierte „Churchill in Moscow“ bereits im vergangenen Jahr erfolgreich in London; im English Theatre präsentiert er das Stück zusammen mit Regisseurin Rosie Tricks als kontinentale Premiere.
Was sich damals wirklich hinter den verschlossenen Türen des Kreml abgespielt hat, weiß man nicht – Brenton macht daraus ein nervenaufreibendes Spiel um zwei extrem mächtige Männer mit extrem gegensätzlichen Hintergründen, die versuchen, einen gemeinsamen Nenner zu finden, um sich gegen Nazi-Deutschland zu verbünden. Die impulsiv-hitzigen Machthaber geraten aneinander, die Diplomaten Vyachelav Molotov und Sir Archibald Clark Kerr versuchen das Chaos unter Kontrolle zu bekommen und mittendrin müssen die Dolmetscherinnen Sally Powell und Olga Dovzhenko viel Professionalität beweisen und auch ihre Fassung bewahren.
Foto: Martin Kaufhold
Letztendlich bestätigt das Stück eine Menge Vorurteile, die man über solche Treffen schon hatte: Zwischen den Staatsmännern herrscht großes Misstrauen gegenüber den politischen Zielen des andern als auch Argwohn gegenüber der jeweils anderen Kultur.
Diplomat*innen – und in diesem Fall auch die Dolmetscherinnen – sind genau dafür da, um Brücken zu bauen. Dass letztendlich die beiden Staatsmänner allein bei Wodka und Spanferkel darüber verhandeln, ob sie kollaborieren oder nicht, ist haarsträubend, vor allem wenn man bedenkt, dass hier tausende von Menschenleben und ein Weltkrieg auf dem Spiel stehen. Das kann man entweder so interpretieren, dass sich trotz aller Unterschiede am Ende der gesunde Menschenverstand durchsetzt, oder man fühlt sich in einer allgemeinen Politikverdrossenheit bestätigt.
„In diesem Stück geht es darum, wie Macht mit Macht kommuniziert, um Sprache und um die Kultur männlicher Weltführerschaft“, erklärt Regisseur Tom Littler. „Als es in London lief, hatten Trump und Selenskyj ihr berüchtigtes Treffen im Weißen Haus. Jetzt inszenieren wir es in einer Zeit, in der im gesamten Nahen Osten Konflikte herrschen. Das Stück steht in starkem Einklang mit den aktuellen Ereignissen. Um es mit Mark Twains berühmtem Satz zu sagen: ‚Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich‘“.
Applaus gilt dem siebenköpfigen Ensemble, das mit intensivem Spiel die Spannung hochzuhalten weiß, sowie der atmosphärischen dichten Inzenierung.
noch bis 31.5., The English Theatre, Gallusanlage 7, Frankfurt, Spieltage: Dienstag bis Sonntag, english-theatre.de

