Foto: Doryn Fine
Ryan Cassata (Mitte) mit Band
Mit seinem neuen Album „Greetings from Echo Park“ begibt sich Ryan Cassata im April auf seine erste Headliner-Tournee durch Europa – am 29. April kommt er in den Frankfurter Ponyhof. Im Interview spricht der queere Singer-Songwriter und LGBTQ*-Aktivist über persönliche Geschichten, politische Verantwortung und die Kraft der Sichtbarkeit.
Ryan, du begibst dich mit „Greetings from Echo Park“ auf deine erste Headliner-Tournee durch Europa – was bedeutet dieser Moment für dich persönlich? Mit meiner Musik durch Europa zu touren, war schon immer mein Traum. Ich hätte bloß nie gedacht, dass er tatsächlich wahr werden würde. Deswegen bedeutet mir diese Gelegenheit alles.
Erinnerst du dich an einen Moment, in dem dir bewusst wurde, dass deine Musik die Menschen wirklich erreicht? 2018, direkt nachdem ich meinen Song „Daughter“ veröffentlicht hatte, begann sich alles plötzlich sehr schnell zu entwickeln. Ich spielte ein Konzert in Oakland, Kalifornien. Das war das erste Mal, dass viele Fremde im Publikum meinen Song mitgesungen haben. Außerdem erhielt ich viele Briefe und Fanpost, in denen es um die Wirkung meines Songs ging. Zu wissen, dass meine Musik anderen auf ihrem Weg geholfen hat, ist das größte Geschenk, das ich als Künstler erhalten habe.
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Dein neuestes Album „Greetings from Echo Park“ wirkt sehr intim. Was war der Ausgangspunkt für die Songs? Das Album ist aus meinen persönlichen Erfahrungen entstanden. Ich habe darüber geschrieben, trans zu sein und unter einer Regierung zu leben, die immer wieder Gesetze verabschiedet, um unsere Existenz zu verbieten. Ein großer Teil des Albums handelt auch von meiner Erfahrung mit der Lyme-Borreliose, einer chronischen, durch Zecken übertragenen Krankheit. Das Album entspringt aus einem Ort des Schmerzes, aber es sind auch viele Momente der Freude darin verwoben.
Echo Park ist ein ganz besonderer Ort im Norden von L.A. Kannst du ihn beschreiben? Wie sehr prägt diese Umgebung deine Musik und dein Zugehörigkeitsgefühl? Echo Park ist ein toller Teil von Los Angeles. Er wirkt weniger gentrifiziert als Silver Lake und hat noch immer die Atmosphäre des alten L.A. Er ist voller Künstler*innen und hart arbeitender Menschen. Es ist der Ort, an dem ich mich mit meiner Community treffe und ein Gefühl der Zugehörigkeit verspüre.
Du bezeichnest dich selbst als queeren Künstler und trans-Aktivist – wie beeinflussen sich deine Kunst und dein Aktivismus gegenseitig? Für mich lassen sich die beiden nicht wirklich trennen. Ich bin ein Songwriter, der trans ist und unter einer Regierung lebt, die meine Existenz stark politisiert hat. Ich schreibe Songs aus meiner persönlichen Erfahrung. Ich bin ein Protest-Singer-Songwriter, weil ich mich nie zurückhalte, über die Dinge zu schreiben, die mich erschüttern oder bewegen. Meine Musik ist ein Plädoyer für Frieden und ein Aufruf zur Gerechtigkeit.
Hast du manchmal das Gefühl, dass die Leute sich mehr auf deine Identität als auf deine Musik konzentrieren? Ja, in meiner Karriere gab es eine lange Zeit, in der sich die Leute viel mehr auf meine Transidentität als auf meine Musik konzentriert haben. Jetzt habe ich das Gefühl, dass sich das stark gewandelt hat und die Leute das Gesamtbild sehen – als Künstler, Songwriter, Transmann, queere Person und Aktivist.
Foto: Andy Casillas
Welche Entwicklungen beobachtest du derzeit für die Trans-Community, insbesondere auf internationaler Ebene? Die größte Entwicklung, die ich sehe, ist eine zunehmende Sichtbarkeit. Alle wissen mittlerweile, dass es Transgender-Menschen gibt. Natürlich geht das mit Gegenreaktionen von rechtskonservativer Seite einher. Ich habe jedoch große Hoffnung auf eine friedliche Zukunft für Trans-Menschen.
Was können Fans von deinem Live-Auftritt in Frankfurt erwarten? Die Konzertbesucher*innen können sich auf einen Abend voller Punkrock, Mitsing-Songs, Lieder, die zu Tränen rühren, Lieder, die zum Tanzen animieren, und vor allem auf ein gemeinschaftliches Beisammensein freuen. Ich freue mich riesig darauf, Zeit mit euch allen in Frankfurt zu verbringen!
Gibt es Künstler*innen, die dich derzeit inspirieren? Ich freue mich riesig darauf, die Bühne mit Salemn zu teilen, die in Frankfurt leben. Es war sehr cool, die deutsche Kultur durch Salemns Augen und ihre persönlichen Erfahrungen kennenzulernen. Außerdem machen sie wirklich tolle Musik, die den Leuten sehr gefallen wird! Ich habe mir ihre Songs ziemlich oft angehört!
Wenn du auf deine bisherige Karriere zurückblickst – was hat dich am meisten überrascht? Was mich am meisten überrascht hat, ist, dass mein Publikum mir trotz so vieler Stilwechsel treu geblieben ist. Ich habe mich im Laufe der Jahre durch verschiedene Sounds bewegt und mich immer gefragt, ob ich durch einen Kurswechsel Leute verlieren würde. Aber die Fans, die sich schon früh mit meiner Arbeit identifiziert haben, sind immer noch da, und ich glaube, ich habe unterschätzt, dass sie nie nur einem Genre gefolgt sind.
Was steht als Nächstes an? Gibt es bereits neue musikalische Ideen oder Projekte in Arbeit? Ich arbeite gerade an der Aufnahme vieler Songs und werde sie fertigstellen, sobald ich von der Tour zurück bin! Ein weiteres Album ist in Aussicht, vielleicht in ein oder zwei Jahren! Vorerst könnt ihr euch auf viele Singles und jede Menge Tourneen freuen.
29.4., Ponyhof Club, Klappergasse 16, Frankfurt, 19 Uhr, ponyhof-club.de, ryancassata.com