Foto: Sven Schiffauer, KI-bearbeitet
Im November feiert Timo Schweizer alias Malte Anders die Premiere seines neuen Programms – und tourt damit durch Kirchen! Premiere ist am 13. und 14. November in der evangelischen Andreasgemeinde in Eschborn-Niederhöchstadt, Regie führte Maja Wolff. Im Interview spricht Timo über queeren Glauben, über Kirche und die Kraft des Humors.
„Gay mit Gott – aber gay!“ – Das klingt fromm und provokant zugleich. Was steckt hinter diesem Titel? „Gay mit Gott“ ist eine Liebeserklärung an den Glauben und an die eigene Queerness. Das Programm geht der Frage nach, wie queeres Leben und religiöser Glaube zusammen gedacht werden können. Dabei geht es nicht darum, Religion und Kirche vorzuführen oder anzuklagen. Vielmehr lädt das Programm dazu ein, neue Perspektiven zu entdecken. Die zentrale Botschaft: Vielfalt ist kein Widerspruch zu Schöpfung und Glauben. Nächstenliebe darf nicht an der sexuellen Orientierung oder an der Geschlechtsidentität eines Menschen enden. Ich möchte meinen Regenbogen nicht an der Kirchentür ablegen.
Du bringst das Programm ausgerechnet in Kirchen – ab 2027 dann auch bundesweit. Was erwartest du dort? Und was möchtest du dort vielleicht auch bewusst provozieren? Ich erwarte vor allem offene Türen und offene Ohren. Kirche ist für mich ein spannender Ort für dieses Programm, weil hier zwei Dinge zusammenkommen, die sich eigentlich wunderbar ergänzen: die Frage nach Gott und die Frage danach, wie wir miteinander leben wollen. Das Stück versteht sich als Einladung zum Dialog – nicht als Provokation oder Belehrung. Deswegen wird es nach der Show auch die Möglichkeit zum Austausch und Fragenstellen geben. Ich möchte, wie in all meinen Stücken, dass wir wieder lernen, uns gegenseitig zuzuhören, neue Sichtweisen nicht gleich als Angriff auf die eigenen Werte zu verbuchen, und letztendlich als Mensch-heit gemeinsam ein Stück voranzukommen. Ich bin selbst in einem sehr christlichen Umfeld aufgewachsen und weiß, dass es bis heute in vielen Gemeinden und Religionen ein schwieriges Thema ist.
Inwiefern hilft Humor dabei, über ein Thema zu sprechen, bei dem in Kirchen noch immer viel Unsicherheit oder Streit herrscht? Lachen öffnet Türen und Herzen. Beim Lachen entsteht für einen Moment ein gemeinsamer Raum: Man muss nicht sofort einer Meinung sein. Man kann sich selbst, die Kirche und auch die eigenen Vorurteile ein bisschen von außen be-trachten. Und der Humor erlaubt es mir, einen Finger in die Wunde zu legen, ohne gleich den Zeigefinger zu heben. Ich möchte niemanden auslachen, sondern gemeinsam lachen – und dabei feststellen: Moment mal, worüber haben wir uns eigentlich all die Jahre so sehr gestritten? Ein guter Witz ist der kürzeste Weg zu einem guten Mit-einander. Und „Unsicherheit“ entsteht ja vor allem aus negativen oder fehlenden Erfahrungen und Mangel an verlässlichen Informationen. All das versuche ich in meiner Infotainment-Show zu liefern - mit Musik, skurrilen Geschichten, eigenen Erfahrungen und einer Menge Humor.
Was würdest du einem gläubigen Menschen sagen, der seine Queerness und seinen Glauben nur schwer zusammenbringen kann? „Du musst dich nicht zwischen Gott und deiner Identität entscheiden. Dein Problem ist nicht dein Queersein – sondern dein Gottesbild, das zu klein ist. Gott hat auch das Schnabeltier erschaffen: Da wird er wohl auch einen queeren Menschen hinkriegen. Du bist ein Mensch, den Gott ziemlich genau so gewollt hat. Und Jesus hat gesagt: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.‘ Erster Schritt: Fang mit dem ‚wie dich selbst‘ an.“
Wenn das Publikum nach der Vorstellung nur einen Gedanken mit nach Hause nehmen soll: Welcher wäre das? „Vielleicht ist Gott viel größer, weiter und liebevoller, als wir manchmal denken.“ Und ich hoffe, dass wir endlich damit aufhören Menschen zu verurteilen, weil uns ein kleiner Teil ihrer Identität nicht gefällt.
Premiere am 13. und 14. November, Evangelische Andreasgemeinde, Langer Weg 2, Eschborn-Niederhöchstadt, 19:30 Uhr, Tickets und Infos über malte-anders.de