Foto: T. Paul
Nach einer ausgiebigen Pride-Tour, bei der der in Berlin lebende Musiker auch mehrmals im GAB-Land zu sehen war, unter anderem beim ersten CSD in Offenbach, CSD Wetterau in Friedberg und beim Pride Main-Kinzig in Schlüchtern kommt er mit einem „Acoustic Pride“-Konzert im November in Switchboard nach Frankfurt. Wir haben den Musiker und queeren Aktivisten vorab zum Interview getroffen.
Du hast eine große Pride-Tour hinter dir – was sind deine eindrücklichsten Erlebnisse? Bis zum 19. September habe ich seit Anfang Mai jedes Wochenende mindestens eine CSD-Bühne bespielt. Besonders schön finde ich, dass die CSD-Saison inzwischen ein halbes Jahr dauert – von den ersten CSDs Ende April bis in den Oktober hinein.
Und ich durfte dieses Jahr mehrere CSDs eröffnen, unter anderem in Schlüchtern, Solingen und den ersten CSD in Offenbach. Das war wirklich special!
Ein Wochenende ist mir besonders in Erinnerung geblieben: das heiße Wochenende Ende Juni. Wir haben beim CSD in München gespielt und am Montag danach durfte ich in Berlin „Was Liebe wirklich kann“ gemeinsam mit dem Landespolizeiorchester im Theater des Westens spielen. Den ganzen Saal diese Worte singen zu hören, war ein unvergesslicher Moment.
Und ich liebe die Begegnungen und die Geschichten, die mir nach den Auftritten erzählt werden. Wenn mir junge queere Menschen sagen, dass es ihr erster CSD war und mein Auftritt eine Core-Erinnerung für sie sein wird, oder wenn jemand erzählt, dass ein Song sie dazu ermutigt hat, ein wenig mehr zu sich zu stehen, bedeutet mir das unglaublich viel.
Deine erste deutschsprachige EP „Was Liebe wirklich kann“ ist im Juni erschienen; in deinen Songs steckt immer viel Persönliches – was steckt hinter dem Titeltrack? „Was Liebe wirklich kann“ ist sehr eng mit meiner eigenen Coming-Out-Geschichte verbunden. Als ich meinen Eltern erzählt habe, dass ich schwul bin, fiel es ihnen gerade aufgrund unserer osteuropäischen Herkunft zunächst schwer, mich anzunehmen und mich zu verstehen. Sie haben sich bemüht, aber es war nicht einfach.
Es begann sich etwas zu verändern, als sie meinen Partner kennengelernt haben. Auf einmal hatte meine Liebe ein Gesicht. Sie haben ihn als Menschen und uns als Paar kennengelernt und konnten dadurch auch mich noch einmal neu sehen. Aus Unsicherheit wurde langsam Verständnis. Der wichtigste Moment für mich war der Anruf meiner Mutter am Tag nach unserer Hochzeit. Sie sagte mir, dass sie, als sie uns beide nebeneinander gesehen hatte, niemand anderen mehr neben mir vorstellen konnte und es jetzt verstanden hatte.
Genau darum geht es in dem Song: um die Kraft sichtbarer Liebe und darum, was passieren kann, wenn aus etwas, das vielleicht zunächst schwer zu verstehen ist, eine Begegnung wird. Es geht aber auch um meinen eigenen Prozess, zu meiner Liebe zu stehen und mich selbst mit meiner Liebe anzunehmen. „Was Liebe wirklich kann“ ist deshalb für mich nicht nur eine Liebeserklärung an meinen Mann, sondern auch an die Veränderung, die Liebe bewirken kann.
Foto: T. Paul
Du spielst in Frankfurt dein „Acoustic Pride“-Konzert – wie sieht dein Programm aus? Intimer und näher kann man mich kaum erleben. Ich komme mit meinem Gitarristen und Pianisten, bringe natürlich auch meine Geige mit, spiele die Songs meiner EP und noch einige unveröffentlichte Songs – dazwischen erzähle ich persönliche Geschichten. Und vielleicht singe ich zwischendurch auch auf Russisch.
Mir ist wichtig, dass an diesem Abend jede Person willkommen ist und sich genauso angenommen fühlt, wie sie ist. Queere Menschen genauso wie Allies. Ich möchte einen Raum schaffen, in dem man sich gesehen fühlt und wohlfühlen kann.
Wir haben das ‚Acoustic Pride’ Konzert bereits mehrfach in Berlin gespielt und für mich ist dieses Format etwas ganz Besonderes. Deshalb bin ich sehr stolz, dass wir es jetzt auch nach Frankfurt bringen. Und vielleicht ist das sogar ein erster Schritt in Richtung einer eigenen Akustik-Tour 2027.
7.11., Switchboard, Alte Gasse 36, Frankfurt, 20 Uhr, facebook.com/switchboard.frankfurt, mksm-music.com, instagram.com/mksm.music/