„Ein Kompromiss ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, dass jeder meint, er habe das größte Stück bekommen.“ Dieser Satz stammt von Ludwig Erhard, dem Zigarre rauchenden Wirtschaftswissenschaftler, der als Politiker der deutschen Nachkriegswirtschaft Wind unter ihre Schwingen pustete.
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Kuchen
„Ein Kompromiss ist die Kunst, einen Kuchen so zu teilen, dass jeder meint, er habe das größte Stück bekommen.“
Nicht auszudenken, was er von der tiefen geistigen Unvornehmheit gehalten hätte, mit der eine Wirtschaftssupermacht im Jargon von Hinterhof-Gebrauchtwagenhändlern „Deals“ macht. Wenn Verhandlungen über Milliarden Dollar und Euro auf Golfplätzen abgehalten werden, einer schon das dickste Stück Kuchen auf dem Teller hat, den anreisenden Verhandlungspartnern nach der Devise „Friss oder stirb“ die Krümel zuwirft und mit einem Federstrich die Brandfackel an die Weltwirtschaft legt.
Kollateralschaden statt Kompromiss
Im Großen wie im Kleinen scheint man heute vielfach nicht mehr bereit, Kompromisse zu machen. Stattdessen beharrt man auf der eigenen Maximalforderung: Alle Vorteile für sich selbst, die Nachteile als Kollateralschaden für die anderen.
Ein wenig spiegelte sich das auch in der Diskussion in der Frankfurter Szene um den Austragungsort des diesjährigen CSD Frankfurt wider. Vom angestammten Platz an der Konstablerwache – mit dem Charme eines Exerzierplatzes, aber immerhin mitten in der Szene – zog der CSD hinunter an den Main. Raus aus dem queeren Bermudadreieck, raus aus dem Viertel, in dem sonst ein Großteil des queeren Lebens stattfindet. Raus aus der Blase, ja – aber auch raus aus der Szene.
Raus aus der Szene – rein in die Stadt
Die Gründe für den Umzug waren vielfältig. Entscheidend war letztlich der neue Raum, der zur Verfügung steht. Mehr Platz für Stände, Sitzgelegenheiten, Ruhebereiche. Mehr Schatten, mehr Luft, mehr Ideen. Ein offenerer Ort – und ein symbolischer Schritt auf die Stadt zu.
Ich habe mir viele Meinungen dazu angehört: Begeisterung, aber auch Enttäuschung. Zuweilen mit starkem Pathos in die eine oder andere Richtung, aber alle hatten ihre Berechtigung, denn eine gute Entscheidung ist ein Kompromiss – Ausdruck eines Interessenausgleichs innerhalb einer vielfältigen Meinungslandschaft. Kompromisse sind in einer demokratischen Gesellschaft nicht die Ausnahme, sondern die Regel, und verpflichten, auch die Belange derjenigen zu sehen, die sich nicht durchsetzen konnten.
Die Ergebnisse von Aushandlungsprozessen sollten deshalb immer darauf geprüft werden, ob auch die Gegenstimmen ausreichend berücksichtigt wurden – bei Zöllen ebenso wie beim Austragungsort des CSD. Falls nicht, muss nachgesteuert werden. Nur so lässt sich größtmögliche und dauerhafte Akzeptanz erreichen. Schon seit den Zeiten des Tauschhandels gilt: Ein gutes Geschäft ist eines, bei dem beide Seiten zufrieden sind.