Am 17. November bringt Gilla Cremer an den Hamburger Kammerspielen ihr neues Solo „Zum Sterben schön“ zur Uraufführung. Ein Abend über Friedhofsbürokratie, Bestattungswünsche und das Altwerden, der sich ausdrücklich als Hymne an das Leben versteht.
Foto: Christine Schröder
Gilla Cremer
Der Titel stammt von ihrer Mutter. Wenn die von etwas hingerissen war, rief sie, so erzählt es Gilla Cremer im Programmheft: „Kinder!! Ist das nicht zum Sterben schön!?!“ Aus der Redewendung ist ein Theaterabend geworden, geschrieben und gespielt von Cremer selbst, inszeniert von Dominik Günther, koproduziert von ihrem Theater Unikate und den Hamburger Kammerspielen.
Den Anstoß gibt ein nüchterner Brief vom Friedhofsamt. Das Nutzungsrecht für das Familiengrab ist abgelaufen, und Agnes muss sich mit ihren drei Schwestern einigen: verlängern oder auflösen? Und wo wollen die vier eigentlich selbst einmal liegen? Agnes ist eine alte Bekannte. In „Die Dinge meiner Eltern“, 2014 uraufgeführt, hat sie bereits das Elternhaus ausgeräumt. Jetzt ist sie 70 und spannt den Bogen von der kindlichen Unbefangenheit gegenüber dem Tod bis zu den Tücken des Altwerdens.
Sterbegymnastik vor und nach der Pause
Die Szenenfolge liest sich wie ein Varieté am Rand des Friedhofs: „Die schönsten Beerdigungen der Welt“, eine Nahtod-Erfahrung, „Trauer und Trostsalbe“, zweimal Sterbegymnastik. Agnes habe darauf bestanden, ihre Schwestern Bärbel, Milli und Hühnchen mitzubringen, dazu einen Conférencier in Frack und Zylinder, schreibt Cremer augenzwinkernd – sonst hätte sich ihre Figur totgestellt. Auch den sterbenden Schwan habe sie ihr nicht ausreden können. Die Musik hat Gerd Bellmann bearbeitet, die Choreografie stammt von Susanne Hayo. Der Abend dauert rund zwei Stunden und 20 Minuten inklusive Pause.
Ein Brief vom Friedhofsamt, drei Schwestern und ein Conférencier im Zylinder
Wer danach aufräumen will: Das Programmheft endet mit einer Checkliste für die „sterbefeine Sterbemappe“, von der Bestattungsverfügung über Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht bis zum digitalen Nachlass. Kein schlechter Ausgangspunkt, auch für Wahlfamilien.
Cremers Einladung erreichte uns, als das Dezemberheft schon in Arbeit war. Ob es gelinge, das Publikum auf eine Reise zu sich selbst und zur eigenen Endlichkeit mitzunehmen, werde sich zeigen, schrieb sie dazu. Sechs Abende im November und fünf im Februar und März bieten Gelegenheit, es herauszufinden. Karten kosten je nach Platz und Wochentag zwischen 14 und 55 Euro. *ck
INFO
Di, 17.11., 19.30 Uhr (Premiere), Fr, 20.11., 19.30 Uhr, Sa, 21.11., 19.30 Uhr, So, 22.11., 18 Uhr, Di, 24.11., 19.30 Uhr, Mi, 25.11., 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen: 24., 25. und 26.2.2027, 19.30 Uhr, 6.3.2027, 19.30 Uhr, 7.3.2027, 18 Uhr, Hamburger Kammerspiele, Hartungstraße 9 – 11, Hamburg, Kartentelefon 040 41 33 44 0, hamburger-kammerspiele.de