Foto: VolcanoGraphic / Lenbachhaus
Im Münchner Kunstbetrieb gibt es derzeit viele Versuche, das Museum aus seiner selbstgewählten Sakralität zu befreien. Doch selten gelingt dies mit einer solchen Leichtigkeit und zugleich politischen Klarheit wie bei der Veranstaltungsreihe „BUNTES GARTEN CIAO“ des Lenbachhaus.
Noch bis August dieses Jahres verwandelt sich das traditionsreiche Haus nicht nur räumlich, sondern auch ideell: Das Museum tritt seit April schon hinaus in den Garten, auf den Vorplatz, in die unmittelbare Nachbarschaft. Schon der Titel klingt wie eine Einladung zum Abschied von starren Formen: bunt, offen, freundlich anarchisch. Kuratiert von Samira Yildirim, entsteht ein Programm, das sich bewusst gegen die klassische Eventlogik positioniert. Hier geht es nicht um das repräsentative Spektakel, sondern um Begegnung, Teilnahme und die Frage, wem öffentlicher Raum eigentlich gehört.
Das Lenbachhaus bittet in einen ganz besonderen Garten. Dort hängen gepunktete Akrobat*innen an Seilen und „kommunizieren mit dem Erdreich“, während unter ihnen das Mikrobiom als unsichtbarer Mitspieler erscheint, beide prekär, beide bedroht. Solche Bilder wirken zunächst verspielt, beinahe märchenhaft. Doch hinter der poetischen Oberfläche verhandelt das Programm zentrale Konflikte der Gegenwart: Klimakrise, Ressourcenverbrauch, Sichtbarkeit und soziale Teilhabe. Besonders bemerkenswert ist dabei die Verbindung von Kunst und Aktivismus, ohne in pädagogische Eindeutigkeit abzugleiten. Cyberfeministische Hexen murmeln gegen die Ausbeutung natürlicher Ressourcen, Pflanzen werden zu Karaoke-Partner*innen, verschwundene Bäume erhalten eine akustische Erinnerung. Und dass bereits ein öffentlicher Bücherschrank in diesem Garten steht, erscheint fast programmatisch: Wissen, Austausch und Teilhabe sollen nicht exklusiv bleiben.
Kostenlos, draußen und barrierefrei richtet sich das Programm nicht nur an das klassische Museumspublikum, sondern an jene vielfältige Stadtgesellschaft, die kulturelle Institutionen häufig erst mühsam zu erreichen versuchen. „BUNTES GARTEN CIAO“ versteht Kunst nicht länger als Objekt hinter Glas, sondern als sozialen Prozess. Super! www.lenbachhaus.de
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