Foto: S. Gherciu
„Le Parc“ entfaltet ein raffiniertes Panorama galanter Verführungskunst und richtet den Blick auf die Flüchtigkeit amouröser Augenblicke. Im Fortgang der Handlung entspinnt sich ein vielschichtiges Spiel aus Verlockung und Hingabe, aus aufkeimender Leidenschaft und enttäuschter Zuneigung, aus Begegnungen von kurzer Dauer, deren Nachhall jedoch lange fortwirkt.
Angelin Preljocaj entwirft einen zeitgenössischen Zugriff auf die kunstvoll kodifizierten Liebes- und Lebensentwürfe des 17. und 18. Jahrhunderts. Die Choreografie der Adaption des Briefromans „Gefährliche Liebschaften“ aus dem Jahr 1782 sowie weiterer Werke der Epoche bewegt sich virtuos zwischen klassischem Vokabular und zeitgenössischer Bewegungssprache und verlangt den Tänzer*innen höchste Präzision ebenso wie emotionale Durchlässigkeit ab. Über die drei Akte hinweg verdichtet sich die Beziehung des zentralen Paars zu einem choreografischen Sog, der im berühmten „fliegenden Kuss“ des finalen Pas de deux seinen poetischen Höhepunkt findet.
Den klanglichen Resonanzraum der amourösen Verwicklungen bilden Orchesterwerke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791), die von den eigens für das Werk geschaffenen Geräusch- und Klanglandschaften Goran Vejvodas durchzogen werden. Die klassizistisch inspirierte Bühnenarchitektur von Thierry Leproust evoziert die Geometrie französischer Parkanlagen und öffnet einen vieldeutigen Raum zwischen Intimität, Ritual und Verstellung. Darin entfaltet Hervé Pierre mit den Kostümen ein subtiles Spiel der Stoffe und Silhouetten: Rokoko-Pracht trifft auf den feinen Regelbruch des Bürgertums, höfische Strenge auf das Begehren nach individueller Freiheit.
12., 20. und 26.6., „Le Parc“, München, staatsballett.de
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