Die von der lesbischen Bürgermeisterin Jane Castor regierte Metropole an der Westküste Floridas gehört zu den liberalsten Städten des als streng konservativ geltenden Bundesstaates. Mit Attraktionen wie dem historischen Ybor City District, dem River Walk und dem Vergnügungspark Busch Gardens ist Tampa ein idealer Stopp auf einer Rundreise durch Florida.
Foto: Visit Tampa Bay
Tampa
Um die Geschichte Tampas zu verstehen, muss man sich nach Ybor City begeben. Wer heute durch die kopfsteingepflasterten Straßen des auch als „GaYbor City“ bekannten Stadtteils spaziert, spürt sofort den Hauch vergangener Zeiten. Das Viertel, das Ende des 19. Jahrhunderts gegründet wurde, verdankt seine Existenz einer Industrie, die Tampa weltweit bekannt machte: der Zigarrenproduktion. 1885 entschied der spanisch-kubanische Unternehmer Vicente Martínez-Ybor, seine Zigarrenfabrik von Key West nach Tampa zu verlegen. Die Lage am Hafen, die Eisenbahnanbindung und günstiges Land machten den Standort attraktiv. Innerhalb weniger Jahre verwandelte sich das einst unbedeutende Sumpfgebiet in ein pulsierendes Industriezentrum. Bald siedelten sich Dutzende Fabriken an, und Tampa erhielt den Beinamen „Cigar Capital of the World“.
Foto: Visit Tampa Bay
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Ybor City
Mosaik der Kulturen
Mit den Fabriken kamen die Menschen: Kubaner, Spanier und Italiener sowie später auch aus Deutschland und Osteuropa. Sie brachten nicht nur Arbeitskraft, sondern auch ihre Kulturen, Sprachen und Traditionen mit. So entstand ein einzigartiges Mosaik, das Ybor City bis heute prägt. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg kamen auch Outcasts, die im Schatten des Wohlstands ihr Glück versuchten: Kleinkriminelle, Mafiosi, Prostituierte, Spieler. Die Blütezeit endete Mitte des 20. Jahrhunderts. Mit der Industrialisierung und veränderten Konsumgewohnheiten verlor die Zigarrenindustrie an Bedeutung. Fabriken schlossen, viele Familien verließen das Viertel. Ybor City verfiel und galt in den 1970er-Jahren als heruntergekommenes, gefährliches Gebiet. Doch der Geist der Vergangenheit blieb. In den 1980er- und 1990er-Jahren begann auch dank der LGBTIQ*-Community eine behutsame Wiederbelebung: Historische Gebäude wurden restauriert, Bars, Klubs und Galerien zogen ein. Heute ist Ybor City ein beliebtes Ausgehviertel, das zugleich stolz seine multiethnische Geschichte bewahrt – ein Ort, an dem die Erinnerung an Zigarrenrauch und Migration noch immer in der Luft liegt.
Foto: Dirk Baumgartl
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Dr. Jamaris Glenn
Schwul & schwarz
Bestes Beispiel ist das in Ybor Citys Hauptstraße 7th Avenue gelegene Seventh and Grove. Dessen Co-Inhaber Dr. Jamaris Glenn ist nicht nur Apotheker, sondern auch Visionär: Gemeinsam mit seiner Geschäftspartnerin eröffnete er 2019 das als Safe Space für die queere Black Community gedachte Restaurant. Das Konzept beschreibt Glenn als einen „kulturell immersiven Raum“, der zu hundert Prozent im Besitz von Schwarzen und LGBTIQ*-Menschen ist sowie zu 51 Prozent von Frauen geführt wird. Dabei geht es um mehr als gutes Essen. „Wir schaffen einen sicheren, offenen Ort, an dem Menschen aus unserer Community sich gesehen und willkommen fühlen – mit Dragshows, queeren Events und einem ganz besonderen Vibe“, so Glenn. Auf der Speisekarte findet sich moderne Südstaatenküche von Fried Chicken über Mac and Cheese bis hin zu Wels und tollen Cocktails. Dazu Musik und Auftritte von lokalen Künstlerinnen und Künstlern. Schwulen Touristen empfiehlt Glenn neben einem Besuch im Seventh and Grove, sich einen Drink im ebenfalls in queeren Besitz befindlichen Speakeasy Madame Fortune zu genehmigen und nachts in der Bar Utopia Road oder den beiden verbliebenen Gay-Klubs Bradley’s und Southern Nights vorbeizuschauen. Hier stehen je nach Wochentag Dragshows, Bingo oder Go-go-Tänzer auf dem Programm – vor allem an den Wochenenden ist hier immer etwas los.
Foto: Dirk Baumgartl
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Seventh and Grove
Modern & nachhaltig
Tagsüber locken Attraktionen wie der berühmte Vergnügungspark Busch Gardens, der neben spektakulären Achterbahnen und anderen Fahrgeschäften auch jede Menge Tiere beheimatet. Im Florida Aquarium kann man auf über 20.000 Quadratmeter Fläche gut 7.000 Fische, Vögel, Säugetiere, Amphibien, Reptilien und Pflanzen aus den Lebensräumen von Ozeanen, Seen und Flüssen bestaunen – darunter Meeresschildkröten, große Haie, Alligatoren und Fischotter. Das Aquarium liegt in direkter Nachbarschaft von Tampas Water Street Neighborhood, einem der spannendsten neuen Stadtentwicklungsprojekte Floridas der letzten Jahre. Direkt am Hillsborough River gelegen, verbindet das Viertel modernes Wohnen, Gastronomie und Freizeit mit den Themen Nachhaltigkeit und Natur. Während die Uferpromenade zu Spaziergängen einlädt, sorgen Bars, Restaurants und kleine Boutiquen für Abwechslung. Hier befindet sich auch Tampas erstes Fünfsternehotel: Das Edition Tampa wurde Ende 2022 eröffnet und überzeugt mit klarer Architektur, einem großen Pool auf der Dachterrasse sowie dem mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurant Lilac. Neben weiteren Trend-Bars und -Restaurants – darunter Alter Ego, Small Giant oder The Pearl – findet man im Water Street Neighborhood auch Tampas höchste Rooftop-Bar Beacon. Im obersten Stockwerk des JW Marriott Hotels werden kreative Cocktails serviert, während man eine der schönsten Aussichten auf die Stadt genießt.
Foto: Visit Tampa Bay
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Tampa River Walk
Kulinarisches Erlebnis
Neben Ybor City und der Water Street Neighborhood gibt es in Tampa noch jede Menge weiterer Stadtteile zu entdecken. So etwa den im Süden gelegenen historischen Stadtteil Hyde Park mit Kopfsteinpflasterstraßen und Bungalows aus den 1920er-Jahren oder im Westen der Stadt den Distrikt Seminole Heights mit seiner diversen Künstler- und Restaurantszene. Apropos Restaurants: Jeannie Pierola gilt als eine der prägendsten Köchinnen Tampas. Ihre beiden Restaurants Edison: Food + Drink Lab sowie Counter Culture sind längst kulinarische Fixpunkte innerhalb der Stadt. Sie selbst bezeichnet sich mittlerweile als globale Köchin, die viele Jahre mit den verschiedensten internationalen Kochtraditionen gearbeitet hat und heute Konzepte entwickelt, die sich anfühlen sollen wie zu Hause – aber mit Weltklasse-Küche. „Edison ist genau das: kein Glamour-Tempel, sondern ein Ort wie ein guter Freund. Warm, einladend, aber mit modernem, durchdachtem Essen. Ich wurde in Ybor City geboren, dem Schmelztiegel in Tampa. Mein Vater stammt aus einer kubanischen Familie, meine Mutter aus einer hispanischen. Ich bin also mit lateinamerikanischer Küche aufgewachsen, später sind wir an die Küste gezogen – frischer Fisch, Golf von Mexiko, all das hat mich geprägt. Diese Mischung ist ein Geschenk: Latin Flavor, spanische Einflüsse, dazu Florida Seafood – das ist mein Fundament“, so Pierola, die um ihr Lesbischsein kein Geheimnis macht.
Foto: Chef Driven Restaurant Group
Tampa
Köchin Jeannie Pierola
Geben und nehmen
Dass sich Tampa immer mehr auch zu einer kulinarischen Destination entwickelt, ist für sie nur konsequent. „Die Leute suchen Authentizität. Tampa hat darauf reagiert: mit Vielfalt, Qualität und Kreativität. Die Stadt ist gewachsen – mehr Menschen, mehr Unternehmen, mehr Kulturen. Diese Mischung schafft Nachfrage. Und sie zieht gute Köchinnen und Köche an“, so Pierola. Auf die Frage, warum es gerade in Tampa auch viele lesbische Köchinnen gibt, muss die Küchenchefin schmunzeln: „Ich sag immer: Es gibt einen Grund, warum viele Friseure schwul sind – und viele Küchenchefinnen lesbisch. Zwei meiner früheren Sous-Chefinnen sind heute selbst Stars in Tampa. Eine leitet jetzt das edelste Private Dining der Stadt, die andere macht Catering für Prominente. Beide sind geblieben – mit eigener Handschrift, mit Haltung. Das macht mich stolz.“ Ob Tampa auch in Zukunft ihr Zuhause bleiben wird? Jeannie Pierola lässt keinen Zweifel: „Absolut. Unsere Bürgermeisterin Jane Castor ist lesbisch – und sie wird geliebt, weil sie einfach brillant ist. Das spricht für diese Stadt. Tampa ist offen, herzlich, professionell und ein Paradies für Foodies. Es gibt Orte, die geben dir Energie. Tampa gibt – und gibt zurück.“
INFO
ANREISE
Die Lufthansa-Tochter Discover fliegt ab Frankfurt täglich nonstop nach Tampa. Zum Einsatz kommt ein Airbus A330-300 mit Economy, Premium Economy und Business Class. www.discover-airlines.de
HOTEL
Das The Tampa EDITION ist ein luxuriöses 5-Sterne-Hotel im neuen Water-Street-Viertel von Tampa. Mit 172 Zimmern und Suiten, einem großen Pool auf der Dachterrasse und dem mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurant Lilac bietet das Haus erstklassigen Service und Komfort. www.marriott.com