Urlaub bedeutet Freiheit – zumindest in der Theorie. Für viele LGBTIQ*-Menschen gehört jedoch auch 2026 die Sorge vor Diskriminierung zur Reiseplanung. Das zeigt der aktuelle Travel Proud Report von Booking.com, für den mehr als 13.000 LGBTIQ*-Reisende aus 19 Ländern befragt wurden.
Ein besonders auffälliges Ergebnis des diesjährigen Reports: Reisende, die sich nicht geoutet haben, berichten weltweit am seltensten von negativen Erfahrungen im Zusammenhang mit ihrer Sexualität auf einer Reise in den vergangenen 12 Monaten: 34% im Vergleich zu 62% aller LGBTIQ*-Reisenden weltweit und 73% bei LGBTIQ*-Reisenden, die sich als trans identifizieren. Das ist eine deutliche Erinnerung daran, dass die scheinbar „sichersten“ LGBTIQ*-Reisenden oft diejenigen sind, die Teile ihrer Identität verbergen.
Die Entscheidung, Teile der eigenen Identität zu verstecken – ob freiwillig oder aus Notwendigkeit –, ist traurigerweise eine Realität, die die Mehrheit der befragten LGBTIQ*-Reisenden teilt. Nur 17% der deutschen Befragten sind auf Reisen offen geoutet, im Vergleich zu 68%, die sich gegenüber engen Freund:innen geoutet haben. Diese Realität wird noch deutlicher, wenn es darum geht, wohin LGBTIQ*-Reisende reisen möchten: 46% wären bereit, ihre Identität zu verbergen, um ein Reiseziel von ihrer Wunschliste erleben zu können. Das zeigt, dass für viele die Entscheidung zwischen Welt entdecken und vollständigem Sie-selbst-Sein weiterhin mit tiefgreifenden Kompromissen verbunden ist.
Mehr Vorsichtsmaßnahmen
Darüber hinaus geben 44% der LGBTIQ*-Reisenden aus Deutschland an, heute mehr Vorsichtsmaßnahmen zu treffen als noch vor einigen Jahren. Dazu gehören Dinge wie das Teilen des Live-Standorts mit vertrauten Kontakten, um Ängste besser zu bewältigen (22%), die Nutzung von VPNs, um Aktivitäten zu verschleiern oder gesperrte Websites aufzurufen (22%), das Mitführen von Zweithandys (20%) sowie das Löschen von Dating-Apps vor Grenzübertritten (18%). 47% der deutschen LGBTIQ*-Reisenden beobachten ständig ihre Umgebung, bevor sie ihrem Partner oder ihrer Partnerin öffentlich Zuneigung zeigen.
Wachsende Unsicherheit bei Trans-Reisenden
Die Daten machen außerdem die besonderen Herausforderungen deutlich, mit denen trans Reisende konfrontiert sind. Sie sind die einzige Gruppe, bei der der Anteil derjenigen, die in den vergangenen Jahren besorgter in Bezug auf Reisen geworden sind, höher ist als der Anteil derjenigen, die entspannter geworden sind. So fühlen sich europaweit 43% in den vergangenen Jahren ängstlicher, verglichen mit 26% aller in Europa befragten LGBTIQ*-Reisenden. Während bei den meisten demografischen Gruppen „spätabends oder nach Einbruch der Dunkelheit öffentlich sichtbar unterwegs zu sein“ am häufigsten als angstauslösender Moment genannt wird (19% europaweit), ist bei trans Reisenden die Nutzung geschlechtsspezifischer Einrichtungen wie Toiletten oder Umkleiden der wichtigste Auslöser von Unsicherheit (21% europaweit). Das zeigt eine Reiseerfahrung, mit der andere Gruppen nicht in derselben Intensität konfrontiert sind.
Illustration: KI erstellt
Travel Proud
Trotz dieser Entwicklungen berichten LGBTIQ*-Reisende erfreulicherweise deutlich häufiger von positiven als von negativen Erfahrungen: 90% der deutschen Befragten geben an, im vergangenen Jahr mindestens eine positive Erfahrung gemacht zu haben, die konkret mit ihrer Gender- oder sexuellen Identität zusammenhing. Dazu zählen unter anderem: sichtbare Zeichen von Inklusion einer Unterkunft wie Pride-Flaggen (38%) oder geschlechtsneutrale Toiletten (38%), Mitarbeitende, die die richtigen Pronomen verwenden (35%), sowie LGBTQ+-Mitarbeitende (29%). Insgesamt glauben 53% der deutschen LGBTQ+-Reisenden, dass sich die Akzeptanz in den vergangenen Jahren verbessert hat.
KI wird zum Reisebegleiter
Fast drei Viertel (73%) der LGBTIQ*-Reisenden aus Deutschland haben zudem im vergangenen Jahr KI zur Reiseplanung genutzt und 34% vertrauen darauf, dass KI objektive, vorurteilsfreie Reiseempfehlungen in Bezug auf ihre Identität geben kann. Von den Befragten glauben 38%, dass KI effizient dabei hilft, spezielle LGBTIQ*-freundliche Orte zu finden, die über eine Standardsuche schwer zu entdecken sind. Ebenfalls 39% fühlen sich sicherer dabei, KI sensible Fragen zur lokalen LGBTIQ*-Szene zu stellen, als einen Menschen zu fragen, und 27% sagen, dass sie einen Filter für Inklusion oder „LGBTIQ*-freundlich“ bei der Online-Reisebuchung hilfreich fänden.
Travel Proud Programm wichtiger denn je
„Die diesjährige Studie zeigt, warum unser Travel Proud-Programm heute so wichtig ist wie eh und je. Es ermutigt uns sehr zu sehen, wie stark das Programm in den fünf Jahren seit seiner Einführung 2021 gewachsen ist und wie engagiert viele unserer Unterkunftspartner es weltweit angenommen haben”, sagt Matthias Schmid, SVP Accommodations bei Booking.com. „Das Training ist inzwischen in 11 Sprachen verfügbar und wurde von mehr als 142.000 Unterkünften abgeschlossen. Dadurch können Reisende in über 20.000 Städten und Reisezielen weltweit nach LGBTQ+-freundlichen Unterkünften filtern. Trotz der Herausforderungen und der zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen, die LGBTQ+-Reisende treffen, um sich sicher zu fühlen, inspiriert uns der Anteil von 65% der Reisenden aus Deutschland, der Reisen priorisiert, auf denen sie zu 100% authentisch sie selbst sein können und weiterhin selbstbewusst und authentisch Travel Proud leben.“