Foto: Wilhelm von Gloeden 1891, gemeinfrei
Der 1856 in Mecklenburg geborene Wilhelm von Gloeden zählt zu den frühen Wegbereitern der homoerotischen Fotografie. Ende des 19. Jahrhunderts ließ er sich im sizilianischen Taormina nieder, wo er seine berühmten Fotografien schuf. Inspiriert von der Ästhetik der griechisch-römischen Antike, inszenierte er junge männliche Modelle in einer idealisierten arkadischen Landschaft – mit antiken Gewändern, Lorbeerkränzen und einer unverkennbar erotischen Bildsprache.
Seine Aufnahmen verbanden klassische Schönheitsideale mit homoerotischem Begehren und fanden bereits zu Lebzeiten ein internationales Publikum. In einer Epoche, in der Homosexualität gesellschaftlich geächtet und vielfach strafrechtlich verfolgt wurde, war sein fotografisches Schaffen bemerkenswert. Heute gilt von Gloeden als eine wichtige Figur der queeren Fotografiegeschichte, dessen Werk die Grenzen zwischen Kunst, Sinnlichkeit und gesellschaftlicher Konvention auslotet.

