Mit Hass gegen LGBTIQ*s lässt sich auf Facebook offenbar Geld verdienen. Eine Recherche identifiziert mindestens 29 Accounts mit queerfeindlichen Inhalten in Metas Vergütungsprogramm. Darunter sind bekannte rechte Influencer*innen.
Eine Schule wird wegen ihrer Pride-Flagge angegriffen, trans* Personen werden verspottet, schwule Männer mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht. Solche Inhalte verbreiten reichweitenstarke Accounts auf Facebook – und ausgerechnet der Mutterkonzern Meta ermöglicht ihnen, mit Beiträgen Geld zu verdienen.
Eine gemeinsame Recherche der US-Medien Uncloseted Media und The 19th hat mindestens 29 Facebook-Accounts identifiziert, die in der Vergangenheit LGBTIQ*-feindliche Inhalte veröffentlicht haben und am Monetarisierungsprogramm des Konzerns teilnehmen.
Darunter befinden sich bekannte rechte Influencer*innen wie Chaya Raichik, die hinter dem Account „Libs of TikTok“ steht, die Kommentator*innen Candace Owens und Benny Johnson sowie die Organisation Turning Point USA.
Angriff auf eine Schule wegen einer Regenbogenflagge
Wie problematisch die Inhalte sein können, zeigt das Beispiel von „Libs of TikTok“. Im September griff Raichik eine Highschool im US-Bundesstaat Washington an, weil diese auf ihrem Facebook-Profil eine Pride-Flagge zeigte.
Sie bezeichnete die Regenbogenflagge abwertend als „Verstümmelungsflagge“ und verlinkte die Schule direkt in ihrem Beitrag. Der Account hatte bereits zuvor wiederholt LGBTIQ*-Veranstaltungen und Lehrkräfte attackiert und ihnen vorgeworfen, Kinder zu indoktrinieren.
Auch andere Konten verbreiten entsprechende Botschaften. Candace Owens machte schwule Männer für sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche verantwortlich. Der rechte Kommentator Benny Johnson verbreitete die Behauptung, Demokrat*innen wollten Kinder während der Arbeitszeit ihrer Eltern geschlechtsangleichenden Maßnahmen unterziehen.
Die Recherche nennt außerdem Accounts, die trans* Personen mit Suizidstatistiken verhöhnen oder Verschwörungserzählungen über LGBTIQ*s verbreiten.
Wie Facebook mit Beiträgen Geld verdienen lässt
Das Programm „Facebook Content Monetization“ wurde im Oktober 2024 vorgestellt. Es bündelt verschiedene bisherige Vergütungsmodelle und ermöglicht teilnehmenden Accounts, mit Videos, Fotos und Textbeiträgen Einnahmen zu erzielen. Wie viel Geld sie erhalten, hängt unter anderem davon ab, wie erfolgreich ihre Inhalte sind.
Foto: Kevin Dietsch / GETTY IMAGES NORTH AMERICA / Getty Images via AFP
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US-Präsident Donald Trump und Meta-Chef Mark Zuckerberg bei einem Treffen im Weißen Haus am 29. September 2026. Zuckerbergs Unternehmen ermöglicht reichweitenstarken Accounts mit dokumentierter LGBTIQ*-feindlicher Rhetorik die Teilnahme an Facebooks Vergütungsprogramm
Wie groß das Geschäft inzwischen ist, zeigen Metas eigene Zahlen: 2025 zahlte Facebook nach Unternehmensangaben knapp drei Milliarden US-Dollar an Content-Creator aus – 35 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 60 Prozent der Auszahlungen entfielen auf Reels, der Rest auf Stories, Fotos und Textbeiträge.
Kritiker*innen sehen darin ein strukturelles Problem: Empörende und polarisierende Beiträge erzeugen häufig besonders viele Reaktionen. Wer mit Reichweite Geld verdienen kann, hat damit auch einen finanziellen Anreiz, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzielen.
Die beiden Redaktionen stützen ihre Untersuchung auf das Meta Monetization Archive der niederländischen Organisation What To Fix. Die Datenbank sammelt von Meta veröffentlichte Listen der Accounts, die Zugang zu seinen Monetarisierungsprogrammen haben. Laut der Recherche waren die untersuchten Accounts beim letzten berücksichtigten Datenstand vom 15. September weiterhin im Programm vertreten.
Meta hat eigene Regeln gegen hetzerische Inhalte
Besonders brisant ist der Widerspruch zu Metas eigenen Vorgaben. Die Monetarisierungsrichtlinien sehen vor, dass Inhalte, die gesellschaftlich umstrittene Themen auf polarisierende oder aufwiegelnde Weise behandeln, nur eingeschränkt oder gar nicht vergütet werden können.
Zu diesen Themen zählt Meta ausdrücklich auch die sexuelle Orientierung. Zudem können wiederholte Verstöße gegen die Richtlinien zum vorübergehenden oder dauerhaften Ausschluss aus den Monetarisierungsangeboten führen. Trotzdem fanden die beiden Redaktionen zahlreiche Beiträge von teilnehmenden Accounts, die nach ihrer Einschätzung gegen diese Vorgaben verstoßen könnten.
Die Untersuchung belegt allerdings nicht, dass Meta für jeden einzelnen dokumentierten LGBTIQ*-feindlichen Beitrag Geld ausgezahlt hat. Auch die konkreten Einnahmen der 29 Accounts sind nicht bekannt. Nachgewiesen wurde ihre Teilnahme am Vergütungsprogramm – und damit grundsätzlich die Möglichkeit, durch entsprechende zugelassene Inhalte Einnahmen zu erzielen.
Meta beantwortete die Anfragen von Uncloseted Media und The 19th zu den Ergebnissen der Untersuchung nicht.
Millionen Accounts – aber wie streng kontrolliert Meta?
Die Recherche wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie wirksam kontrolliert Meta, wer mit Inhalten auf seinen Plattformen Geld verdienen darf?
Nach Angaben von What To Fix wurden seit Einführung des neuen Vergütungsprogramms mehr als 18 Millionen Accounts darin erfasst. Die Organisation kritisiert mangelnde Transparenz bei der Aufnahme und Überprüfung der Teilnehmenden.
Hinzu kommt ein weiterer Widerspruch. Metas Regeln schließen bestimmte politische Organisationen und Amtsträger*innen von der Monetarisierung aus. Dennoch fanden die Rechercheteams nach eigenen Angaben mindestens acht offizielle Facebook-Seiten der Republikanischen Partei im Programm.
Die Probleme beschränken sich damit nicht auf LGBTIQ*-feindliche Inhalte. Sie betreffen auch die Frage, ob Meta seine eigenen wirtschaftlichen und inhaltlichen Regeln konsequent durchsetzt.
Warum Hass für Plattformen zum Geschäft werden kann
Die Medienforscherin Courtney Radsch vom Open Markets Institute warnt in der gemeinsamen Recherche vor den gesellschaftlichen Folgen solcher Anreize. Es müsse Raum für unterschiedliche politische Meinungen geben, betont sie. Zwischen einer sachlichen Debatte und gezielter Belästigung bestehe jedoch ein entscheidender Unterschied.
Auch Informatikprofessor Jason Hong von der Carnegie Mellon University verweist auf das wirtschaftliche Problem: Inhalte, die Menschen besonders wütend machen, erzeugten häufig viele Interaktionen. Davon könnten sowohl die Verfasser*innen als auch die Plattform profitieren.
Die Recherche zeigt damit mehr als einzelne problematische Facebook-Beiträge. Sie wirft die Frage auf, ob Metas Geschäftsmodell dazu beitragen kann, LGBTIQ*-feindliche Inhalte wirtschaftlich attraktiv zu machen – und warum Accounts mit einer dokumentierten Geschichte solcher Äußerungen weiterhin Zugang zum Vergütungsprogramm haben.