Am 30. Juni ist im US-Bundesstaat Florida ein neues Gesetz in Kraft getreten, das angeblich „einheitliche Signale und Verkehrseinrichtungen“ garantieren soll. Hinter der nüchternen Formulierung steckt jedoch ein Frontalangriff auf ein wichtiges Symbol queerer Sichtbarkeit: die beliebten Rainbow Crosswalks.
Während zahlreiche Städte im Bundesstaat dem Druck nachgaben und ihre Regenbogen-Zebrastreifen entfernten, leisten einzelne Gemeinden wie Key West und Delray Beach entschlossenen Widerstand gegen die Verordnung der DeSantis-Regierung.
Gesetz gegen „nicht konforme Straßenbeläge“
Das neue Gesetz verpflichtet alle Städte, Beschilderungen und Markierungen strikt an die Gestaltungsrichtlinien des Verkehrsministeriums von Florida (FDOT) anzupassen. In einem von Keysweekly zitierten Memo vom 30. Juni heißt es ausdrücklich, vom Verbot betroffen seien
„nicht konforme Straßenbeläge [...] etwa Fahrbahnmarkierungen […], die mit sozialen, politischen oder ideologischen Botschaften oder Bildern in Verbindung stehen und nicht der Verkehrsregelung dienen“.
„Die Steuerzahler erwarten, dass ihre Gelder für sichere Straßen verwendet werden, nicht für Regenbogen-Zebrastreifen”, erklärte US-Verkehrsminister Sean Duffy Watermark Out News zufolge am 2. Juli. Wie sein Statement schon damals vermuten ließ, scheint das neue Gesetz die öffentliche Sicherheit zu missbrauchen, um die LGBTIQ*-Community ins Visier zu nehmen.
„Das Nichtentfernen nicht konformer Fahrbahnmarkierungen führt zur Einbehaltung staatlicher Mittel“, heißt es in dem Memo weiter. Dieser Zusatz dürfte dazu geführt haben, dass die meisten Städte Floridas ziemlich schnell auf den Druck reagierten und inklusive Zebrastreifen und Straßenmalereien im ganzen Bundesstaat verschwanden.
Orlando: Symbol der Erinnerung ausgelöscht
Foto: Dirk Baumgartl
„pulse rainbow crossroad“ in Orlando, Florida
2017 wurde der Zebrastreifen in Erinnerung an die Opfer in den Farben des Regenbogens gestrichen.
Betroffen war auch der sogenannte „Pulse Rainbow Crosswalk“ in Orlando – ein Zebrastreifen, der seit 2017 an die Opfer des Pulse-Attentats vom 12. Juni 2016 erinnerte, bei dem 49 Menschen getötet und 53 verletzt wurden (männer* berichtete).
In den frühen Morgenstunden des 21. August wurde der Regenbogen-Zebrastreifen vor dem ehemaligen Club mit schwarzer Farbe überstrichen. Für Überlebende, Angehörige und die queere Community ist das ein Affront: Der Zebrastreifen war bislang die einzige sichtbare Erinnerung an die Opfer des Attentats, da ein offizielles Mahnmal bis heute fehlt.
Foto: Screenshot YouTube / @fox35 / https://www.youtube.com/watch?v=yIV-JprnpvA
Quasi über Nacht wurde der „pulse rainbow crosswalk“ überstrichen und die Erinnerung an die Oper des Attentats ausgelöscht.
Für Commissioner Patty Sheehan, die den Bezirk politisch vertritt, ist das Vorgehen unverständlich. Sie erklärte gegenüber Watermark Out News, das Büro des Bürgermeisters habe sie erst informiert, nachdem der Zebrastreifen bereits neu gestrichen worden war.
Der demokratische Senator Carlos Guillermo Smith sprach von einem gezielten Akt politischer Auslöschung:
„Dieser Regenbogen-Zebrastreifen wurde nicht nur gemalt, um das Leben von 49 überwiegend LGBTIQ*-Personen of Color zu ehren, die hier ermordet wurden, sondern auch, um die Besucher*innen zu schützen, die Jahr für Jahr hierherkommen, um ihre Ehrerbietung zu erweisen. Mitten in der Nacht haben sie die Regenbogenfarben entfernt. Ich bin schockiert, dass der Staat immer weiter absinkt – auch wenn ich wohl nicht überrascht sein sollte.“
Auch ein YouTube-Nutzer namens BradleyReacts brachte die Gefühle vieler auf den Punkt:
„Der Regenbogen-Zebrastreifen vor dem Pulse war kein „Woke“-Statement. Es war keine Politik. Es war ein Denkmal. Es war die einzige sichtbare Erinnerung daran, dass diese Leben wichtig waren, da der Staat es immer noch versäumt hat, ein dauerhaftes Denkmal zu schaffen.
Die Toten zu respektieren ist keine politische Haltung. Es ist grundlegende Menschlichkeit.“
Gouverneur Ron DeSantis, der im Jahr 2019 noch erklärte, er werde immer hinter den Opfern des Attentats stehen, verteidigte hingegen die Entfernung des Pulse-Zebrastreifens: „Wir werden nicht zulassen, dass unsere staatlichen Straßen für politische Zwecke missbraucht werden“, schrieb DeSantis auf X.
Key West: „Wir knicken nicht ein“
Foto: Ken Lund / CC BY-SA 2.0 / https://www.flickr.com/photos/kenlund/51133480822/in/photostream/
Rainbow Crosswalk, Duval Street, Key West, Florida
Doch nicht alle Städte beugen sich. Für die Bürgermeisterin von Key West, Danise „Dee Dee“ Henriquez, steht fest: Sie wird nicht vor DeSantis einknicken. Gegenüber Axios Miami kündigte Henriquez an, die staatliche Anordnung juristisch anfechten zu wollen.
„Ich denke, wir könnten ein Beispiel sein, und deshalb kämpfen wir so hart.“
Am 26. Juli zog sie gemeinsam mit Stadträten und Hunderten Einwohner*innen von Key West auf die Straßen, um für den Erhalt des Regenbogen-Zebrastreifens zu demonstrieren, der seit 2015 die Kreuzung von Duval Street und Petronia Street markiert.
Foto: Key West Business Guild
Hunderte Einwohner von Key West gingen am 26. Juli auf die Straße, um auf der „Rainbow-Rally“ ihre Unterstützung für den Regenbogen-Zebrastreifen zu demonstrieren.
Die Bürgermeisterin versucht, mit Daten und Fakten zur Erhaltung des Zebrastreifens beizutragen. „Wir sammeln alle uns zur Verfügung stehenden Informationen, darunter die Anzahl der Verkehrsunfälle oder Zwischenfälle, die sich an dieser Kreuzung im Vergleich zu anderen Kreuzungen in der Stadt ereignet haben, und wir werden den Staat auf den Wert der Kreuzung als Fotomotiv für das Tourismusmarketing aufmerksam machen“, sagte Henriquez.
„Key Wests Regenbogen-Zebrastreifen ist nicht nur ein Farbtupfer – er spiegelt unsere Identität, unsere Geschichte und unsere Werte wider. Diese Stadt ist seit langem ein Verfechter von Inklusion und Kreativität, und dieser Zebrastreifen ist eine der vielen Möglichkeiten, diese Traditionen zu ehren.“
Hoffnung aus Orlando
Trotz staatlicher Eingriffe gibt es auch aus Orlando ein Zeichen der Hoffnung: Am 23. August haben Anwohner*innen in Orlando den übermalten Zebrastreifen in Eigenregie wieder bunt angestrichen – so wie er seit 2017 an das Attentat erinnert.