Foto: NurPhoto via AFP (Hintergrund); volunteer.prideinlondon.org (Christopher Joell-Deshields)
Schwere Vorwürfe gegen Christopher Joell-Deshields, seit 2021 Geschäftsführer von Pride in London: Missbrauch von Sponsorengeldern, Belästigung von Mitarbeitenden sowie ein von Whistleblowern beschriebenes toxisches Führungsverhalten – die Organisation prüft den Fall extern.
Luxus statt Volunteers?
Im Zentrum der Kritik steht der Umgang mit Sponsorenvouchern im Wert von insgesamt rund 30.000 Pfund. Nach Angaben von Insidern soll Joell-Deshields einen Teil dieser Gutscheine im Umfang von 7.125 Pfund zweckentfremdet haben, indem er damit Luxusartikel wie Apple-Produkte, darunter einen HomePod und AirPods, sowie hochpreisige Parfums von Marken wie Creed und Burberry erwarb.
Der Geschäftsführer rechtfertigte die Ausgaben damit, dass sie als Geschenke für Freiwillige und für Verlosungen gedacht gewesen seien. Den HomePod habe er zudem im Büro sowie bei Pop-up-Events genutzt. Mehrere Direktor*inneen und Freiwillige widersprechen dieser Darstellung allerdings und erklären, weder von einer Verlosung etwas mitbekommen zu haben noch den Lautsprecher jemals im Büro gesehen zu haben.
Neben den finanziellen Unregelmäßigkeiten werfen Whistleblowern dem CEO vor, eine toxische Organisationskultur gefördert zu haben. In WhatsApp-Nachrichten habe er unter anderem eine Freiwillige mit Behinderung als „obnoxious“ (unausstehlich) bezeichnet. Außerdem habe er versucht, einen ehemaligen Freiwilligen, der wegen Mobbings entlassen worden war, erneut in die Abläufe einzubinden, bis die Personalabteilung einschritt.
Machtkampf im Vorstand
Die Schwere der Vorwürfe führte im Sommer zur Einsetzung eines neuen Vorstands, der inzwischen ein externes Anwaltsbüro mit einer detaillierten Prüfung beauftragt hat. In einem Zwischenbericht wurden die Anschuldigungen zusammengetragen, und Joell-Deshields erhielt Gelegenheit, seine Sichtweise mit Belegen zu untermauern. Er selbst weist alle Anschuldigungen zurück und bestreitet die Legitimität des neuen Vorstands, da er weiterhin die Rolle des CEO für sich beansprucht. Ein öffentlicher Schlagabtausch sei seiner Ansicht nach nicht im Interesse der Organisation, weshalb er eine Debatte über die Medien ablehne.
Image und Geld auf dem Spiel
Der Vorstand betont dagegen, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen und sich zu einer sicheren und inklusiven Organisationskultur zu bekennen, die rechtskonform und transparent handelt. Zugleich wird betont, dass die laufenden Veranstaltungen und Projekte von Pride in London durch die Untersuchungen nicht gefährdet seien. Von besonderer Brisanz ist in diesem Zusammenhang auch die Finanzierung: Pride in London erhält von der Stadtverwaltung London einen Zuschuss in Höhe von 625.000 Pfund, der über fünf Jahre bis 2027 ausgezahlt wird. Welche Konsequenzen die juristische Prüfung für Christopher Joell-Deshields und die Organisation letztlich haben wird, bleibt derzeit offen.
*Quellen: the Guardian, The Times, Star Observer, Pink News