Das Wort Resilienz ist in der Menschenrechtsarbeit allgegenwärtig. Es ist wohlgemeint – es steht für Mut, Ausdauer und die Fähigkeit, Dinge zu überstehen, die nie hätten passieren dürfen. Mein dreitägiger Besuch bei LGBTIQ*-Organisationen in Uganda hat mir sehr deutlich vor Augen geführt, dass in solchen Ausnahmesituationen Resilienz bei Weitem nicht reicht.
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Denn resilient sind die Menschen, denen ich begegnet bin, nach jeder gängigen Definition: Sie leben unter einem der härtesten Gesetze gegen Homosexualität weltweit. Sie gehen mit Ablehnung durch die Familie um, mit Vertreibung, Polizeigewalt und Hafttraumata, mit Arbeitslosigkeit und Stigmatisierung im Gesundheitswesen – und zugleich mit der täglichen Frage, ob eine Nachbarin, eine Vermieterin, eine Predigerin oder eine fremde Person plötzlich beschließen könnte, ihre Lage durch ein Gerücht oder eine Denunziation noch gefährlicher zu machen.
Für das, was ich in Uganda gesehen habe, ist Resilienz ein zu passives Wort. Ich begegnete Menschen, die unter enormem Druck mit Erfindergeist, Pragmatismus und gegenseitiger Fürsorge Kliniken, Unterkünfte und Netzwerke aufbauen – kleine Inseln der Sicherheit in einem Land, das queeres Leben zunehmend gefährlich macht.
Ugandas Anti-Homosexualitätsgesetz wirkt weit über den Gesetzestext hinaus. Es beeinflusst die Entscheidungen von Vermieter*innen, Krankenhausbesuche, das Verhalten von Familien und die organisatorische Planung. Mehrere Menschen, mit denen ich sprach, beschreiben es als Katalysator für soziale Gewalt. Auch wenn es nicht formell durchgesetzt wird, bietet es Deckung: Menschen bedrohen, vertreiben, denunzieren und greifen an – mit größerer Selbstsicherheit, weil das Gesetz suggeriert, dass sie es dürfen.
Es geht auch um Geld
In einer Gemeinschaftsklinik schilderten Mitarbeitende nüchtern, was passieren würde, wenn ihre Finanzierung wegbricht: Die Klinik müsste schließen, mit ihr verbundene Multiplikator*innen („peer-educators“) würden ihren Bezugspunkt verlieren und HIV-positive Menschen ihre verlässlichen Wege zur Behandlung. Junge queere Menschen würden den einzigen Ort verlieren, an dem sie sich zeigen können, ohne entlarvt zu werden. Menschen, die PrEP, STI-Behandlungen, psychische Unterstützung oder eine Notunterbringung brauchen, hätten keinen Ort der Sicherheit mehr.
Wenn man von Orten wie diesen weit entfernt ist, klingt der Begriff „Safe Space“ manchmal wie Aktivismus-Sprech. In Uganda ist es kritische Infrastruktur: Ein „Safe Space“ ist ein Bett, wenn die eigene Familie einen vor die Tür gesetzt hat, oder Medikamente, wenn sich ein öffentliches Krankenhaus zu gefährlich anfühlt. Ein „Safe Space“ kann eine Ärztin sein, die*der eine Geschlechtskrankheit behandelt, ohne zu urteilen. Ein Essen. Die Vermittlung durch jemanden, der weiß, welchen Angeboten man wirklich vertrauen kann. Oder einfach ein schattiger Hof, in dem man gemeinsam mit anderen sitzen kann, ohne sich verstellen zu müssen. Solche „Safe Spaces“ bedeuten, am Leben zu bleiben.
Foto: All Out
Bei einer der ältesten LGBTIQ*-Organisationen des Landes besuchte ich eine Klinik mit Apotheke und traf Mitarbeitende, die ohne mit der Wimper zu zucken über die aktuelle Krise sprachen. Eine Frau erzählte, wie sie nach ihrem Outing ihre Familie und ihren Job verlor. In dieser Organisation, sagte sie, könne sie ohne ständige Angst arbeiten – und anderen helfen, sichere Unterstützung zu finden. Ein anderer Mitarbeiter sprach über die Angst, die die Menschen in ihren Körpern tragen: Vertreibung, Verhaftung, Verbannung, Arbeitslosigkeit und die Bedrohung, ins Visier genommen zu werden, weil jemand ahnt, wer man ist. Er sprach aber auch über Hoffnung – nicht als Wunschdenken, sondern als die Entschlossenheit, die entsteht, wenn Menschen nicht aufgeben, weiterhin am Leben teilnehmen und auf eine eigene Zukunft bestehen.
Am Stadtrand von Kampala besuchte ich eine Unterkunft und Ambulanz, die Menschen auch dabei hilft, wieder ins Arbeitsleben und in die Selbstständigkeit zurückzufinden. Eines ihrer Projekte – „Pride in Poultry“ – setzt auf Hühnerzucht als kleine Verdienstmöglichkeit. Es ist genau die Art von lokalem, praktischem Ansatz, der selten Schlagzeilen macht. Und doch erfuhr ich auch, dass Diebe kürzlich eingebrochen waren, die Hühner gestohlen und die zwei Hunde der Gruppe getötet hatten. Es ist kaum vorstellbar, wie man so etwas verkraftet, wenn man bereits ohne jeden Spielraum arbeitet: keine Versicherung, kein Puffer, nichts in Reserve. Dieselben Menschen, dieselben knappen Ressourcen – nur noch weniger als zuvor. Und trotzdem baut die Organisation wieder auf.
Überall, wo ich war, sagten die Menschen nicht: „Wir müssen aufhören.“ Sie sagten: „Wir müssen einen anderen Weg finden.“
Der Besuch bei einer dritten Organisation war schwerer. Sie bietet Unterkunft, Gesundheitsversorgung, Interessenvertretung und Berufsausbildung an – einschließlich eines Salons, in dem junge Menschen Frisieren und Make-up erlernen. Viele der Menschen, denen ich dort begegnete, wirkten zutiefst verletzlich. Ich bin kein Psychologe und werde nicht versuchen, Menschen zu diagnostizieren, mit denen ich nur kurze Zeit verbracht habe. Aber die schwere Last des Traumas in diesem Raum war unübersehbar.
Der Direktor war aus einer anderen afrikanischen Stadt angereist, um mich zu treffen. Er lebt dort in Sicherheit, während er auf einen Asylbescheid wartet. Er sprach über die Razzia von 2020, bei der er und 19 andere verhaftet und 52 Tage lang ohne Anklage festgehalten wurden. Was sie während dieser Zeit durchmachten, kann ich nicht in Worte fassen. Ein Gericht sprach den Männern später eine Entschädigung zu, aber dieses Geld ist bis heute nicht gezahlt worden. Er erzählte mir auch, dass er geweint hat, als eine E-Mail von All Out eintraf und eine Notfinanzierung bestätigte. Das Geld bedeutete für ihn, „unser Zuhause behalten“ zu können.
In der globalen Advocacy-Arbeit greifen wir gerne auf große Abstraktionen zurück – Menschenrechte, Zivilgesellschaft, internationale Solidarität. All das ist wichtig, aber in diesem Moment in Kampala ging es ganz pragmatisch um Miete. Eine Unterkunft konnte offenbleiben. Junge Menschen, die schon so viel verloren hatten, mussten nicht wieder umziehen.
Miete war auf meiner Reise immer wieder ein Thema. Unter Ugandas aktueller Rechtslage haben Vermieter*innen Angst, an queere Menschen oder Organisationen zu vermieten – sie könnten sich selbst strafbar machen. Wenn sie herausfinden, wer in ihrer Immobilie lebt, folgt die Kündigung oft prompt. Manche Unterkünfte ziehen alle paar Monate um. Jeder Umzug schafft neue Risiken, unterbricht die Versorgung und zwingt traumatisierte Menschen, wieder von vorne anzufangen.
Miete kann ein Menschenrechtsproblem sein. Ebenso ein Sack Maismehl, Kraftstoff für das Auto eineseiner Peer-Educatorsin, das Gehalt einer Ärztin oder ein Geflügelzucht-Projekt.
Die internationale LGBTIQ*-Bewegung orientiert sich oft an Sichtbarkeit – mit Pride-Märschen, Siegen vor Gericht oder öffentlichen Erklärungen. Sie alle haben geholfen, die Welt zu verändern, aber in Ländern wie Uganda können sie auch eine Gefahr bedeuten. Dort ist die dringendste Arbeit oft still und leise: Medikamente vorrätig halten, jemanden in Sicherheit bringen, Vermieter*innen bezahlen, eine Pflegekraft finden, die nichts verrät, oder sicherstellen, dass ein junger Mensch genug zu essen hat. Für solche Bedürfnisse muss Solidarität sehr praktisch sein.
Notwendige Hilfe von außen
Die Finanzierungslage dieser Gruppen hat sich deutlich verschlechtert. In allen meinen Gesprächen fiel immer wieder der Begriff „Stop Work Orders“ – er ist in den Alltag der Menschen übergangen. Alle wissen genau, was passiert ist, als die Trump-Regierung im vergangenen Jahr zentrale Mittel für HIV-Dienste und LGBTIQ*-Arbeit aussetzte. Weit entfernt getroffene politische Entscheidungen waren direkt in den Kliniken und Unterkünften angekommen. Das Ergebnis: ausgebrannte Freiwillige, knappe Klinikressourcen, Organisationen, die Personal verlieren, und Unterkünfte, die die Miete nicht mehr zahlen können. Menschen, die bereits Gewalt und Stigmatisierung ausgesetzt sind, werden dadurch noch weiter von der Versorgung abgeschnitten.
Kurz vor meiner Abreise verabschiedete das Parlament ein sogenanntes „Souveränitätsgesetz“, das den Fluss von Hilfsgeldern aus dem Ausland weiter erschweren könnte. Wie immer die rechtliche Auslegung am Ende ausfallen wird – die Angst unter den LGBTIQ*-Organisationen ist real. In einem Umfeld, in dem Gruppen bereits extrem dünn aufgestellt und politisch exponiert sind, schadet allein schon die Ungewissheit.
Ich sah dennoch keine Verzweiflung. Bei einer weiteren Organisation traf ich John1. Er kam zuerst als Bewohner in die Unterkunft, heute arbeitet er im Bereich Grafik und Social Media und möchte Aktivist werden. Ein anderer Mann, Kevin1, erlebte Ablehnung, nachdem er einem Freund erzählt hatte, dass er schwul ist. Er suchte Hilfe, fand eine Unterkunft sowie ein Training und wird jetzt dabei unterstützt, Fotografie zu studieren. Sein Ziel ist es, andere vor der gleichen Gefahr zu schützen, der er einst ausgesetzt war. All Out hat entschieden, dass diese zwei jungen Männer Unterstützung verdienen – und diese Entscheidung verändert alles, was für sie möglich ist.
Praktische Hilfe statt Mitleid
Die LGBTIQ*-Bewegung in Uganda braucht kein Mitleid und sollte nicht darauf reduziert werden, wie viel Leid ihr widerfährt. Die Menschen, die ich traf, waren Organisatorinnen, klinisches Personal, Unterkunftsleiterinnen, Peer-Educators, Krankenpfleger*innen und zukünftige Führungspersönlichkeiten. Sie waren witzig, erschöpft, strategisch, stolz und entschlossen. Sie leisten wertvolle Arbeit unter Bedingungen, die jede Organisation weltweit auf eine harte Probe stellen würden.
Sie brauchen eine flexible Finanzierung, Notfallmittel und langfristige Investitionen. Sie brauchen Geldgeberinnen, die verstehen, dass die Miete einer Unterkunft genauso wichtig sein kann wie ein Gerichtsverfahren und die Versorgung einer Klinik mit Medikamenten die gleiche strategische Bedeutung hat wie eine Kampagne. Und sie brauchen eine internationale LGBTIQ-Bewegung, die mit Bescheidenheit auftritt: die erst zuhört und dann spricht, die lokale Prioritäten unterstützt, auch wenn sie nicht dem eigenen Prestige dienen, und die folgt, statt zu führen.
„Resilienz“ ist nicht genug für den täglichen Kampf unter solchen Bedingungen. In Uganda begegneten mir Menschen, die Organisationen mit fast nichts zusammenhalten, die schnell reagieren, wenn ihr Geflügel gestohlen wird oder die Miete fällig ist, und die eine Klinik am Laufen halten, auch wenn die Lieferkette versagt. Die Bitte ist einfach: Finanziert sie! Seid für sie da! *Matthew Beard, Geschäftsführer – All Out
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