UNODC und WHO zählen in sechs zentralafrikanischen Staaten mindestens 251 Tonnen beschlagnahmte Medikamente. Ein Teil davon ist echt: abgezweigt aus Lieferketten und Kliniken, die eigentlich Patient*innen versorgen sollen.
Illustration: KI-erstellt
Am Dienstag haben das UN-Büro für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), die Weltgesundheitsorganisation und die Wirtschafts- und Währungsgemeinschaft Cemac einen Bericht über den illegalen Medikamentenhandel in Kamerun, Gabun, dem Tschad, der Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea vorgelegt. Zwischen 2020 und 2025 wurden in der Region mindestens 251 Tonnen Arzneimittel beschlagnahmt. 2020 waren es rund fünf Tonnen, 2024 fast 116 Tonnen und 2025 mehr als 97 Tonnen, davon 96 allein in Kamerun. Die UN warnen selbst davor, das als bloßes Wachstum des Handels zu lesen. Mehr Beschlagnahmungen können auch mehr Kontrollen bedeuten.
Echt, aber gestohlen
Gefunden wurden Antibiotika, Malaria- und Schmerzmittel, Entzündungshemmer sowie Tramadol und Pregabalin. Der Bericht trennt gefälschte, minderwertige und nicht zugelassene Präparate von solchen, die aus offiziellen Kanälen abgezweigt wurden. Diese sind echte Ware, die auf illegalem Weg verkauft wird. Bewaffnete Gruppen plündern Gesundheitszentren, verkaufen die Beute weiter und kassieren „Steuern“ von Konvois. Manches landet in zugelassenen Einrichtungen, die Patient*innen für sicher halten.
Die Folgen sind Therapien, die versagen, Vergiftungen, vermeidbare Todesfälle und Antibiotikaresistenzen. Das trifft eine Region, in der Tuberkulose, Malaria und HIV weit verbreitet sind.
Grafik: KI-erstellt
Beschlagnahmte Arzneimittel in Kamerun, Gabun, dem Tschad, der Republik Kongo und der Zentralafrikanischen Republik, gerundet. Quelle: Bericht von UNODC, WHO und Cemac vom 6. Oktober 2026, nach UN News. Für 2021 bis 2023 lagen keine Jahreswerte vor. Höhere Mengen können laut UN auch auf mehr Kontrollen zurückgehen.
Echte Ware, falscher Weg.
Über Europa und zurück
Der Großteil der abgezweigten Produkte stammt laut Bericht aus den großen Exportländern, vor allem in Asien und Europa. Dass der Weg auch zurückführen kann, zeigte 2011 ein Fall in Deutschland: Mehrere Staatsanwaltschaften ermittelten gegen eine Importfirma und Pharmagroßhändler. Sie sollen subventionierte HIV-Medikamente für Afrika umverpackt und hierzulande teurer verkauft haben.
Der Bericht fordert mehr internationale Zusammenarbeit. Er benennt aber auch eine Ursache, an die kein Zoll herankommt. In der Zentralafrikanischen Republik und im Tschad lebt mehr als die Hälfte der Menschen mindestens zwei Stunden von einer Klinik mit Notfallversorgung entfernt. Im Tschad kostet eine vorgefüllte Insulinspritze fast 16 Tageslöhne der am schlechtesten bezahlten Staatsbediensteten. Wie viele Tonnen die Behörden noch finden, ist da die kleinere Frage. Die größere lautet: Warum ist die Straße so oft näher und billiger als die Apotheke?
*ck/AFP