In den Straßen von Kathmandu herrscht Aufbruchstimmung. Mit Blumenkränzen geschmückt und unter dem Jubel zahlreicher Unterstützer wurde die 37-jährige Bhumika Shrestha am 16. März offiziell zur ersten transgender Abgeordneten Nepals ernannt. Dieser Meilenstein markiert einen Wendepunkt für die rund 900.000 Menschen im Land, die sich als sexuelle Minderheiten identifizieren.
Ein politisches Beben in der Himalaya-Region
Bhumika Shrestha zieht für die zentristische Rastriya Swatantra Party (RSP) in das 275-köpfige Repräsentantenhaus ein. Die von dem ehemaligen Rapper Balendra Shah angeführte Partei feierte bei der ersten Wahl seit den tödlichen Anti-Korruptionsprotesten, die im September vergangenen Jahres die Regierung zu Fall brachten, einen Erdrutschsieg: Die Partei gewann 125 der 165 direkt gewählten Sitze und sicherte sich zusätzlich 57 Mandate über das Verhältniswahlsystem.
Shrestha selbst wurde über das Verhältniswahlsystem der Partei berufen. Die Wahl gilt als historisch, da es das erste Mal seit 2008 ist, dass ein Mitglied der LGBTIQ*-Community ein öffentliches Amt in Nepal bekleidet. Damals wurde ein offen schwuler Mann ins Parlament berufen.
Foto: Prakash Mathema / AFP
Bhumika Shrestha ist Nepals erste trans Abgeordnete.
„Verantwortung auf meinen Schultern“
Nepal gilt als Vorreiter für LGBTIQ*-Rechte in Südasien. Bereits 2007 wurde Diskriminierung aufgrund des Geschlechts oder der sexuellen Orientierung verboten. 2013 folgte die Einführung der dritten Geschlechtskategorie in Staatsdokumenten, zwei Jahre später begann Nepal mit der Ausstellung von Reisepässen mit der Kategorie „Andere“. Seit einer gerichtlichen Anordnung des Obersten Gerichts haben gleichgeschlechtliche und trans Paare seit 2023 zudem die Möglichkeit, ihre Ehe registrieren zu lassen (männer* berichtete).
Die Realität jedoch bleibt widersprüchlich: Trotz der rechtlichen Fortschritte erleben viele queere Menschen im täglichen Leben weiterhin massive Diskriminierung. Für Shrestha, die sich rechtlich als „drittes Geschlecht“ identifiziert und seit Jahren als Aktivistin für queere Rechte kämpft, ist der Einzug ins Parlament somit mehr als nur ein persönlicher Erfolg. Ihre Hauptaufgabe sieht sie darin, die Anliegen ihrer Community direkt im Parlament zur Sprache zu bringen.
„Ich bin sehr aufgeregt, spüre aber auch die Verantwortung auf meinen Schultern“, erklärte sie gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. „Unsere Verfassung enthält Bestimmungen für unsere Community, aber sie wurden noch nicht in Gesetze und politische Maßnahmen umgesetzt“.
„Nur wir verstehen unsere Geschichten“
Mit dem Klick stimmst du diesen Datenschutzrichtlinien von Meta zu.
Die Ernennung wurde innerhalb der Community mit großer Freude aufgenommen. In Kathmandu versammelten sich zahlreiche Menschen am Hauptsitz der Blue Diamond Society (BDS) , um den Moment zu feiern. Unterstützer*innen überreichten Shrestha neben Blumen und traditionellen Schals auch einen Stift. Dieser soll die gesetzgeberische Macht symbolisieren, mit der sie nun die Zukunft Nepals aktiv mitgestalten kann.
Umisha Pandey von Blue Diamond Society (BDS) – Nepals erster und führender NGO für die Rechte von LGBTIQ*-Personen – betonte die Wichtigkeit Shresthas Präsenz im Parlament: „Unser Schmerz, unser Leid, unsere Gefühle, unsere Geschichten und all unsere Probleme werden nur von uns selbst verstanden.“ *AFP/sah