Eine neue Dating-App für schwule Männer verspricht echte Begegnungen statt oberflächlicher Hook-ups. Doch kurz nach dem Start steht „Goose“ im Zentrum schwerer Vorwürfe: Recherchen legen nahe, dass zahlreiche attraktive Männer, die die App auf Instagram beworben haben, gar nicht existieren. Stattdessen sollen KI-generierte Profile gezielt neue Nutzer angelockt haben. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück.
Auslöser der Debatte ist eine Recherche des US-Magazins WIRED. Demnach wurden mehr als zwei Dutzend Instagram-Accounts identifiziert, die gezielt Werbung für die neue Dating- und Freundschafts-App machten. Viele dieser Profile waren erst wenige Wochen alt, hatten nur wenige Beiträge veröffentlicht und fielen durch ungewöhnliche Follower-Verhältnisse auf.
KI-generierte Profile oder cleveres Marketing?
Besonders brisant: Mehrere Profilbilder wurden laut WIRED von KI-Erkennungstools mit hoher Wahrscheinlichkeit als künstlich erzeugt eingestuft. Zusätzlich deutete Googles SynthID-Analyse darauf hin, dass einige der Bilder ganz oder teilweise mit Google-KI erstellt worden sein könnten.
Nach Angaben von WIRED beschränkte sich die Kampagne nicht auf öffentliche Beiträge. Mehrere Männer berichteten, sie seien von vermeintlich attraktiven Profilen direkt angeschrieben und zu einer exklusiven Community eingeladen worden. Die Nachrichten enthielten teilweise identische Formulierungen und Einladungscodes für Goose.
Ein Betroffener sagte gegenüber dem Magazin, er habe den Account zunächst für das Profil eines „ganz normalen schwulen Mannes“ gehalten. Erst die nahezu identischen Einladungen verschiedener neuer Accounts hätten ihn misstrauisch gemacht.
Goose widerspricht den Vorwürfen
Goose wurde vom Model und Influencer Derek Chadwick sowie dem ehemaligen BeReal-Manager David Aliagas gegründet. Die App versteht sich als Alternative zu klassischen Hook-up-Plattformen und wirbt damit, schwule Männer beim Aufbau echter Freundschaften und langfristiger Beziehungen zu unterstützen. Nach dem Start schaffte es Goose zeitweise in die Spitzengruppe der Lifestyle-Downloads im App Store.
Goose weist den Eindruck einer irreführenden Kampagne zurück. Gegenüber The Advocate erklärte ein Unternehmenssprecher, man habe jede eingeladene Person sorgfältig ausgewählt und arbeite rund um die Uhr daran, die Plattform frei von Fake-Profilen zu halten. Dass Konkurrenten auf die App aufmerksam geworden seien, wertete das Unternehmen als Zeichen ihres Erfolgs.
Neben den Vorwürfen rund um KI-Profile werden inzwischen auch einzelne Passagen der Nutzungsbedingungen diskutiert. Kritiker*innen bemängeln, dass Goose sich weitreichende Rechte an hochgeladenen Fotos, Videos sowie an Bild, Stimme und Nutzername einräumt. In sozialen Netzwerken äußerten deshalb zahlreiche Nutzer Bedenken hinsichtlich ihrer Privatsphäre.
Warum der Fall viele Nutzer verunsichert
Ob sich die Vorwürfe vollständig bestätigen, ist derzeit noch offen. Unabhängig davon zeigt der Fall jedoch, wie leicht sich künstlich erzeugte Identitäten inzwischen für Marketingzwecke einsetzen lassen – gerade in einem sensiblen Bereich wie Dating.
Wer auf Dating-Apps unterwegs ist, verlässt sich darauf, dass hinter einem attraktiven Profil ein echter Mensch steckt. Wenn dieses Vertrauen ins Wanken gerät, trifft das den Kern dessen, worauf digitale Partnersuche basiert.