Am heutigen Mittwoch jährt sich die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe in den Niederlanden zum 25. Mal. Am 1. April 2001 schaffte das Land als weltweit erster Staat die rechtliche Diskriminierung bei der Trauung ab und öffnete die Zivilehe für alle Paare. Seither haben laut dem niederländischen Statistikamt (CBS) knapp 36.000 gleichgeschlechtliche Paare den Bund fürs Leben geschlossen.
Erneutes Ja-Wort zum Jubiläum im Rathaus
Pünktlich zum Jubiläum gaben sich kurz nach Mitternacht erneut drei Paare im Amsterdamer Rathaus das Ja-Wort. Unter den frisch Vermählten waren der 45-jährige Eelke de Jong und der 39-jährige Elton Dos Santos Fiame. „Wir waren einfach zu aufgeregt, um nicht Teil dieses Meilensteins zu sein“, sagte Dos Santos Fiame gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Bürgermeisterin Femke Halsema (Grüne), welche die Trauungen leitete, nutzte den Moment auch für kritische Töne. Man feiere zwar, aber man „protestiere heute auch ein bisschen“, so Halsema mit Blick auf den noch immer notwendigen Fortschritt bei LGBTIQ*-Rechten.
„Freiheit weltweit verteidigen“
Der niederländische Premierminister Rob Jetten nahm persönlich an der heutigen Feier teil. Der 39-Jährige, der seit letztem Oktober im Amt ist und mit dem argentinischen Hockeyspieler Nicolas Keenan verlobt ist, blickte sichtlich bewegt auf das Jahr 2001 zurück:
„Ich war 14 Jahre alt, als hier in Amsterdam die ersten Ehen geschlossen wurden. Für mich war es einer der ersten Momente im Fernsehen, in denen ich sah, dass es selbst für einen jungen schwulen Jungen möglich ist, man selbst zu sein und zu lieben, wen man will.“
Gegenüber AFP erklärte Jetten die Notwendigkeit, das Erreichte zu verteidigen: „Es ist wichtig, sich weiterhin für die Akzeptanz und die Freiheit der LGBTIQ*-Community einzusetzen“, erklärt der Ministerpräsident, insbesondere durch „den Schutz von trans Personen in den Niederlanden oder durch die Verabschiedung besserer Gesetze zur Leihmutterschaft.“ Halsema würdigte Jettens Anwesenheit als starkes Signal: „Nach Jahren einer konservativen Regierung ohne gute Nachrichten für queere Rechte haben wir nun einen schwulen Premierminister, der selbstbewusst und stolz ist. Das ist ein großartiges Vorbild für junge Menschen.“
Vom Experiment zum globalen Standard
Die gesetzliche Grundlage für diesen Schritt wurde im Jahr 2000 mit breiten Mehrheiten im Parlament geschaffen. Das Unterhaus verabschiedete den Entwurf mit 109 zu 33 Stimmen, woraufhin das Oberhaus im Dezember desselben Jahres mit 49 zu 26 Stimmen folgte. Nachdem Königin Beatrix das Gesetz unterzeichnet hatte, trat es pünktlich zum Aprilbeginn 2001 in Kraft. Seit diesem Moment hat sich die rechtliche Lage weltweit stark verändert. Mittlerweile haben über 40 Länder dem niederländischen Vorbild gefolgt, darunter Belgien im Jahr 2003 und Deutschland im Jahr 2017. In den Niederlanden selbst ist die Ehe für alle längst fester Bestandteil des gesellschaftlichen Alltags und wird laut aktuellen Umfragen von rund 95 Prozent der Bevölkerung unterstützt.
*Quellen: AFP, Niederländisches Justizministerium (Ministerie van Justitie en Veiligheid), CBS (Centraal Bureau voor de Statistiek), Archiv der Stadt Amsterdam