Foto: AFP/ Tobias Schwarz
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Der Slowene Domen Prevc gilt als einer der Favoriten bei den Olympischen Winterspielen 2026 im Skispringen der Männer.
Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) untersucht aktuell Vorwürfe über mögliche Hyaluronsäure-Injektionen im Genitalbereich von Skispringern. Ziel soll es gewesen sein, bei der Körpervermessung für Wettkampfanzüge größere Maße zu erzielen und dadurch aerodynamische Vorteile zu erlangen.
Auslöser der Ermittlungen sind Berichte der Bild-Zeitung, die sich auf Hinweise aus Insiderkreisen beruft. Demnach steht der Verdacht im Raum, dass einzelne Athleten ihren Genitalbereich gezielt manipuliert haben könnten, um bei der offiziellen Körpervermessung größere Maße zu erzielen und dadurch einen minimal größeren Wettkampfanzug genehmigt zu bekommen. In einem Sport, in dem wenige Zentimeter über Sieg oder Niederlage entscheiden, würde ein solcher Vorteil potenziell relevant sein.
Warum Penisgröße im Skispringen relevant sein kann
Vor jeder Saison werden Skispringer mithilfe eines von der International Ski and Snowboard Federation zugelassenen 3D-Scanners exakt vermessen. Die Athleten stehen dabei nur in Unterwäsche vor dem Gerät, unter ärztlicher Aufsicht und mit streng vorgegebener Körperhaltung. Die gemessenen Daten bestimmen die maximal zulässige Größe des Sprunganzugs. Der Hintergrund: Die Oberfläche des Anzugs beeinflusst direkt den Auftrieb in der Luft. Ein minimal größerer Anzug bedeutet mehr Fläche und damit potenziell eine größere Flugweite. Ob eine künstliche Veränderung im Genitalbereich in diesem Messprozess aber tatsächlich zu relevanten Abweichungen führt, ist bislang nicht belegt.
Hyaluronsäure: kosmetischer Eingriff mit sportlichem Zweck?
Hyaluronsäure wird in der ästhetischen Medizin seit Jahrzehnten als Filler eingesetzt und wird auch für temporäre Penisdurchmesser-/Girth-Augmentation angeboten. Die Effekte sind zeitlich begrenzt und erfordern je nach Präparat und individuellem Abbau häufig Auffrischungen im Bereich von etwa 6 bis 12 Monaten; Hyaluronsäure kann grundsätzlich enzymatisch wieder aufgelöst werden, wobei das bei Komplikationen nicht immer vollständig „folgenfrei“ ist. Medizinisch ist der Eingriff dennoch nicht banal: In Studien und urologischen Übersichten werden unter anderem Schmerzen, Schwellungen/Entzündungen, Knoten/Unregelmäßigkeiten, Migration des Materials, Infektionen und ästhetische Deformierungen beschrieben. Für einen sportlichen Vorteil, der, wenn überhaupt, nur im Bereich kleiner aerodynamischer Effekte liegen dürfte, steht das potenzielle medizinische Risiko in keinem günstigen Verhältnis.
Reaktion der WADA
Ob sich die Vorwürfe bestätigen, ist derzeit offen. Die World Anti-Doping Agency betont, dass bislang keine Beweise vorliegen. WADA-Präsident Witold Bańka erklärte dazu: „Skispringen ist in Polen sehr beliebt, daher versichere ich Ihnen, dass ich dieser Sache nachgehen werde.“ Zugleich dämpfte WADA-Generaldirektor Olivier Niggli die Erwartungen an die Tragweite der Berichte: „Ich kenne mich mit den Details des Skispringens nicht aus und weiß nicht, wie dies die Leistung verbessern könnte. Wenn etwas ans Licht kommen sollte, würden wir es uns ansehen und prüfen, ob es mit Doping zu tun hat. Wir befassen uns nicht mit anderen Formen der Leistungssteigerung.“ Damit bleibt „Penisgate“ vorerst ein ungeklärter Verdachtsfall, dessen sportrechtliche Relevanz erst dann bewertet werden kann, wenn belastbare Hinweise vorliegen.
*Quellen: WADA, The Guardian, Bild